Switzerland

Bäcker sollen Aryzta wieder auf Kurs bringen

Der Schweizer Backwarenkonzern Aryzta leidet schon länger unter der zu schnellen weltweiten Expansion, jetzt kommt noch die Corona-Krise dazu. Die Anlagefirma Veraison verlangt neues Personal im Verwaltungsrat

Aryzta stellt weltweit Backwaren für Firmenkunden her, unter anderem Brötchen für McDonald’s.

Aryzta stellt weltweit Backwaren für Firmenkunden her, unter anderem Brötchen für McDonald’s.

Bobby Yip / Reuters

Das Bäckergeschäft verlange Herzblut – selbst wenn es industriell betrieben werde. Und wenn jetzt bei Aryzta wieder Bäcker ans Werk gingen, dann werde alles gut. So zumindest lautete der Tenor beim Mediengespräch der Anlagefirma Veraison, bei dem diese ihre Wunschkandidaten für den Verwaltungsrat des Backwarenkonzerns Aryzta vorstellte: die ehemaligen Aryzta-Manager Urs Jordi und Armin Bieri sowie den deutschen Bäckereikettengründer Heiner Kamps.

Jordi und Kamps sind tatsächlich ausgebildete Bäcker. Sie sollen richten, was das alte Management von Aryzta in den vergangenen Jahren vermasselt hat. Die Präsentation von Veraison zeigt auf schwarzem Hintergrund ein Herz aus zwei Gipfeli.

Ein Medientermin wie jener von Veraison gehört zum typischen Spiel aktivistischer Investoren. Nach und nach erhöhen sie öffentlich den Druck, um ihre Agenda bei der attackierten Firma durchzusetzen: Sie sprechen von der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft und Vertrauen.

Inzwischen halten Veraison und verbündete Aktionäre, unter ihnen Heiner Kamps selbst, über 20 Prozent der Aryzta-Aktien. Firmen wie Veraison versprechen, mehr Rendite zu erzielen als beispielsweise Indexfonds, indem sie das Potenzial unterschätzter Firmen erkennen und mithelfen, diese wieder auf Kurs zu bringen.

Aufstieg und Fall des Backwarenkonzerns

Um das Versprechen einzulösen oder zumindest zu zeigen, dass sie an der Arbeit sind, äussern sie immer wieder Kritik an der Führung der Firmen, an denen sie Anteile halten. Im Fall von Aryzta schlagen sie Manager vor, die sie für besser geeignet halten als die bisherige Führung.

Aryzta: eine Aktie im jahrelangen Sinkflug

Aktienkurs in Franken

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Aryzta war 2008 durch die Fusion des Zürcher Gipfeli-Grossbäckers Hiestand mit dem irischen Konkurrenten IAWS entstanden. Die Idee war es, weltweit bei der Industrialisierung der Backwarenherstellung mitzumischen. Doch das damalige Management führte Aryzta in eine Sackgasse. Der Konzern wurde mit 57 Grossbäckereien in 29 Ländern und weltweit etwa 19 000 Mitarbeitern zwar eines der grössten Bäckereiunternehmen der Welt. Aber man kaufte sich teilweise in die falschen Geschäfte ein.

Aryzta beliefert Grosskunden, vor allem in Europa und Nordamerika: Brötchen für Lidl, Coop und Walmart, für McDonald’s und Subway. Und man stellt Snacks für Tankstellenshops her, aber auch das Cailler-Gipfeli und zwischendurch andere Tiefkühlprodukte oder eigene Markenwaren. Die Expansion war teuer, und bald zeigte es sich, dass viele Geschäftszweige nicht den erhofften Gewinn brachten. Deshalb sitzt das Unternehmen jetzt auf hohen Schulden.

Es ist wohl kein Zufall, dass Veraison mit Jordi und Bieri zwei Manager vorschlägt, die schon vor der Aryzta-Zeit bei Hiestand tätig waren. Es klingt fast so, als könne man nahtlos an die Zeiten anschliessen, in denen der Firmengründer Fredy Hiestand mit dem Verkauf vorgefertigter Backwaren gross wurde. Urs Jordi war Teil von Hiestands Führungsmannschaft, als das Unternehmen noch ein hohes Wachstum aufwies.

Bieri sprach bei der Präsentation dann schon ganz selbstbewusst von «wir», als er seine Ideen für die Firma vorstellte. Aussagen wie diejenige, dass Backwaren in der Schweiz einen Lebenszyklus von sieben bis neun Jahren hätten, bevor die Konsumenten das Interesse daran verlören, sollen wohl seine Expertise deutlich machen.

Keine neue Strategie

Die Ideen von Veraison sind allerdings nicht revolutionär. Veraison-Gründer Gregor Greber rät, die weniger profitablen Tochterunternehmen zu verkaufen und stärker auf das Kerngeschäft zu setzen. Welches das genau ist, sagt er jedoch nicht: Das bliebe dem neuen Verwaltungsrat überlassen. Auch die beiden Schweizer VR-Kandidaten Bieri und Jordi machen keine Aussage dazu. Wenn die Frage, worauf sich die Firma denn konzentrieren sollte, so einfach zu beantworten wäre, hätte wohl auch die jetzige Führung schon gehandelt.

Tatsächlich hat Aryzta bereits in den vergangenen Jahren Teile des Geschäfts verkauft, allerdings zu schlechten Preisen. Die 2014 mutmasslich für 500 Mio. $ gekaufte Cloverhill Bakery wurde wenige Jahre später für 25 Mio. $ abgestossen. Bei der französischen Firma für Tiefkühlprodukte, Picard, erwarb man 49% der Anteile für 447 Mio. € und veräusserte später 43% für 156 Mio. €. Weil nun die Corona-Krise Restaurants und Kiosks teilweise lahmlegt, wird es erst recht schwierig, Geld hereinzuholen. Das wäre allerdings dringend nötig, um die Finanzen des Konzerns zu sanieren.

Es liegt nun an den Aktionären, über den Wechsel im Verwaltungsrat abzustimmen. Aryzta will die Vorschläge von Veraison derweil nicht kommentieren. Noch im Juli soll der Termin der ausserordentlichen Generalversammlung bekanntgegeben werden.

Veraison gibt sich zuversichtlich, dass die Mehrheit der Aktionäre in ihrem Sinn abstimmen werde. Der britische Vermögensverwalter JO Hambro, der weitere 4% der Aktien halte, habe schon Unterstützung bekundet, sagt Greber. Auch Analytiker räumen ein, das Know-how der vorgeschlagenen Manager könne das Vertrauen in die Firma erneuern und den Aktionären Mehrwert bringen.

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