Switzerland

Autokauf im Web: Garagisten zittern vor Online-Autohandel

Der grösste Autohändler der Schweiz steigt ins Onlinegeschäft ein. Anfang März eröffnet Amag Retail im Zuge eines Relaunchs der Webseite ein Onlineverkaufsportal. Mit den Amag-Marken VW, Audi, Seat und Skoda kommen auf einen Schlag einige der meistverkauften Brands in der Schweiz ins Web. Der Shop soll 6500 Lagerfahrzeuge, Vorführwagen und auch Occasionen bieten.

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Der Onlineshop des Branchenriesen provoziert Reaktionen. Zwar halten sich die meisten angefragten Autohändler bedeckt, manche scheinen eingeschüchtert vor dem Grosshändler. Ein Garagist, der anonym bleiben will, befürchtet eine Verdrängung der kleinen Anbieter. Er sagt aber auch, dass Erfolg von Philosophie und Mitarbeitern eines Unternehmens abhängt und nicht vom Onlineshop. Ein weiterer Händler sagt: «Schlechter kann es uns ohnehin nicht mehr gehen, die Marge ist schon jetzt kaputt.»

«Das Auto ist emotional»
Einige Garagisten glauben, dass die Amag mit dem eigenen Onlineshop in erster Linie unabhängiger von Plattformen wie Autoscout werden will. Die meisten glauben ohnehin nicht an den Onlinetrend beim Autokauf. «Das Auto ist emotional, das wollen Kunden in der Schweiz vor dem Kauf sehen und riechen», sagt ein Händler, der anonym bleiben möchte. Modelle ab Stange könnten Kunden problemlos online kaufen, doch sobald sie Anpassungen wünschten, werde es online zu komplex.

Markus Aegerter, Geschäftsleiter des Autogewerbeverbands AGVS, sieht den Schritt von Amag positiv: «Ich finde es gut, dass Amag mit dem Onlineshop einen zusätzlichen Verkaufskanal ausprobiert.» Es gebe Händler, die Respekt vor Amags Shop hätten. Aegerter sagt aber auch, dass die grosse Mehrheit der Schweizer Kunden sehr treu zu ihrem Garagisten ist. Auch der Verband freier Autohandel Schweiz VFAS «begrüsst die Onlinekonkurrenz, die das Geschäft belebt». Der Schweizer Händlerverband der Volkswagen-Konzernmarken hofft, von den Erfahrungen, die Amag mit dem Onlineshop macht, profitieren zu können.


Die Amag will mit dem Onlineshop laut Sprecher Dino Graf eine zusätzliche, bequeme Alternative zum klassischen Handel anbieten. Der ganze Kaufprozess soll sich online abwickeln lassen, das Auto soll fixfertig zu Hause eintreffen.

Doch der Shop ist auch ein Risiko für Amag. Bisher kaufen Kunden in der Schweiz neue Autos bevorzugt beim Autohändler vor Ort. Der Onlineanteil am Neuwagenverkauf betrug im vergangenen Jahr nur knapp 2 Prozent, wofür vor allem Tesla verantwortlich zeichnet. Der US-Hersteller verkauft seine Autos nur online. Auf das Nachfragepotenzial angesprochen verweist Graf auf den Onlinetrend beim Autokauf in den USA und Asien.


Der deutsche Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen glaubt an den Autoverkauf im Internet. «Online ist nicht mehr wegzudenken und im Gebrauchtwagenhandel schon heute Standard», sagt Dudenhöffer. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssten Autohändler ihr Vertriebsmodell neu definieren. Sie sollen stärker auf Werkstattdienste setzen. Denn die Konkurrenz wird laut Dudenhöffer noch grösser: «Grosse Unternehmen wie Amazon werden auch in den Autovertrieb einsteigen.»

Um online erfolgreich Autos zu verkaufen, muss das Angebot laut dem Experten günstiger als im stationären Handel sein. Weil online kaum Personal etc. nötig ist, wären deutlich tiefere Preise möglich. Dudenhöffer schätzt, dass Autohändler mit etwa 17 Prozent Marge arbeiten. 10 Prozent Marge bräuchten sie, um die Kosten im stationären Handel zu decken, online bräuchten sie nur 2 Prozent. Ob der Amag-Onlineshop günstiger als der stationäre Handel sein wird, beantwortete Amag-Sprecher Graf nicht.