Switzerland

Ansteckungsgefahr nimmt zu: Grippewelle breitet sich weiter aus

Die 139 Ärzte des sogenannten Sentinella-Meldesystem meldeten in der letzten Woche 44,7 grippeähnliche Erkrankungen pro 1000 Konsultationen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch mitteilte. Das entspricht hochgerechnet 345 Ansteckungen pro 100'000 Einwohner.

Drei Virenstämme kursieren in der Schweiz

Der epidemische Schwellenwert von 69 Verdachtsfällen pro 100'000 Einwohner war bereits in der zweiten Kalenderwoche kurz vor Mitte Januar erreicht worden. Die Grippe ist in allen Landesteilen weit verbreitet.

Zur Zeit kursieren drei Virenstämme gleichzeitig, was eher untypisch ist. Die Intensität der Grippe ist mit anderen Jahren zwar vergleichbar.

«Normalerweise setzt sich ein Virus gegen andere durch, das ist bislang noch nicht geschehen», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

So zirkuliert dieses Jahr unter anderem jenes Virus, das im Jahr 2009 die Grippepandemie auslöste. Das Virus sei jedoch nicht gefährlicher als andere. Zudem sei es normal, dass solche Viren später in Form von normalen saisonalen Grippeviren kursierten. Die Immunität dagegen sei in der Regel grösser und die Viren seien nicht mehr so aggressiv.

Vergleich mit Coronavirus wenig sinnvoll

Gemäss BAG werden alle Virenstämme von den diesjährigen Impfstoffen abgedeckt. Neben der tatsächlichen Grippe werden vom Impfstoff auch grippeähnliche Erkrankungen abgedeckt, die durch das Influenzavirus ausgelöst werden, nicht aber Erkältungen. Die Zusammensetzung wird jeweils ungefähr im Februar oder März für die kommende Grippesaison von der WHO zusammengestellt.

Fragen und Antworten zur Grippeimpfung

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Mit dem Winterbeginn kommt auch die Grippesaison zurück. Den zuverlässigsten Schutz gegen eine Ansteckung bietet die alljährliche Impfung.


Insgesamt bewegt sich die diesjährige Grippewelle im Jahresvergleich bislang im normalen Rahmen. Eine abschliessende Einschätzung ist aber gemäss Daniel Koch schwierig, da sich die Welle noch in der stark ansteigenden Phase befindet. Eine Prognose über den weiteren Verlauf sei extrem schwierig und hänge von vielen Faktoren ab. Das Wetter spiele sicher auch immer eine Rolle.

Jedes Jahr sterben gemäss Koch europaweit bis zu 40'000 Menschen an der Grippe, in der Schweiz dürften es zwischen 500 und 1500 sein. «Es ist aber extrem schwierig zu messen, wie viele Menschen effektiv an der Grippe gestorben sind», betont Daniel Koch.

Ein Vergleich der Ansteckungsrate oder Mortalität mit dem Coronavirus lasse sich noch nicht ziehen. Dafür ist gemäss Daniel Koch über den neuartigen Erreger noch viel zu wenig bekannt.

Wie werden die Fälle erfasst?

Das BAG misst die Intensität der Grippewelle anhand der Anzahl grippeähnliche Erkrankungen, welche die Ärzte dem sogenannten Sentinella-Meldesystem melden. In der aktuellen Woche wurden von den Ärztinnen und Ärzten 37,8 grippeähnliche Erkrankungen pro 1000 Konsultationen gemeldet, wie die neusten Zahlen des BAG vom Mittwoch zeigten. Das sind hochgerechnet 292 Ansteckungen pro 100'000 Einwohner.

Am stärksten betroffen sind weiterhin Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis 14 Jahre. Die Grippe ist in allen Regionen ausser in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie Solothurn weit verbreitet. In diesen Kantonen sowie in der Innerschweiz ist der Trend konstant, in allen anderen Regionen steigend.

Darum schlägt die Grippe im Winter zu

Wie genau die Viren zwischen einzelnen Personen übertragen werden, ist noch nicht vollständig erforscht. Ein Forschungsprojekt soll nun Licht ins Dunkel bringen. Es ist bekannt, dass der direkte Kontakt mit einer infizierten Person oder Tröpfchen, die beim Atmen produziert werden, dabei eine Rolle spielen. Dass der Übertragungsweg aber auch von umweltbedingten Faktoren wie beispielsweise Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängig ist, darüber ist noch wenig bekannt, wie es im Newsletter der Universität Zürich (UZH) heisst.

So komme es im Winter viel häufiger zu Übertragungen als im Sommer. Ein interdisziplinäres Forscherteam möchte nun verstehen, wieso sich Grippeviren in der kalten Jahreszeit so wohl fühlen und welche Rolle dies bei der Verbreitung und Übertragung spielt.

«Einerseits spielt die Temperatur eine Rolle, andererseits die Luftfeuchtigkeit», wird Professorin Silke Stertz vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Zürich im Newsletter zitiert. Bei Trockenheit im Winter seien die Grippeviren stabiler und deshalb die Ausbreitung effizienter. Unbekannt sei jedoch der Mechanismus, der dahinter stecke. «Wir möchten herausfinden, was mit den Viren unter solchen winterlichen Bedingungen im Vergleich zu sommerlichen genau passiert.» (SDA)

Grippe vs Erkältung
Einen Nieser zu unterdrücken kann böse enden, wie bei einem Patienten in England, über den Ärzte im «British Medical Journal» berichteten. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/ROBERTO PFEIL

Taschentücher werden in der Grippezeit zum notwenigen Begleiter. (Symbolbild)

Die Grippe greift gerade wieder um sich. Doch was sind eigentlich die Unterschiede zu einer normalen Erkältung? Und wie kann man sich am besten schützen? Mehr Informationen gibt es hier.