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Analyse zur Wahl in Kanada: Wie Trudeau sich fast verzockt hätte

Analyse zur Wahl in KanadaWie Trudeau sich fast verzockt hätte

Kanadas Premierminister Justin Trudeau feiert in der Wahlnacht zusammen mit seiner Frau Sophie Grégoire. Der Sieg fiel aber nicht so deutlich aus wie erhofft.

Warum eigentlich Neuwahlen?

Was die Frage aufwirft: Warum hat Trudeau ohne grosse Not Neuwahlen ausgerufen, mitten in einer vierten Welle der Corona-Pandemie?

Als Trudeau im August einigermassen überraschend die Neuwahl ausrief, ist er sich ziemlich sicher gewesen, mehr oder weniger souverän die absolute Mehrheit zurückzugewinnen. Die hatte er 2015 geholt, mit 43, als Shootingstar der kanadischen Politik. Doch 2019, vier Jahre und einige Affären über die Verquickung politischer und persönlicher Interessen später, verloren Trudeau und seine Liberalen kräftig Sitze. Seitdem steht er einer Minderheitsregierung vor. Das ist zwar nichts absolut Aussergewöhnliches in Kanada, aber es ist mühselig, weil sich Trudeau für jedes Vorhaben neue Bündnispartner suchen muss, denn feste Regierungskoalitionen sind unüblich.

Szenen des Protestes gegen Trudeaus Corona-Politik lagen wie ein Schatten über seiner Kampagne.

Und es sah ja auch gut aus vor etwas mehr als einem Monat. Die Umfragewerte jedenfalls sprachen deutlich für Trudeau, unter anderem wohl wegen seiner relativ erfolgreichen Corona-Eindämmung durch Hygieneregeln, Masken und Impfkampagne. Auch im Wahlkampf ist es dann viel um Corona gegangen, allerdings nicht so, wie sich Trudeau das vorgestellt haben dürfte. Erstens warfen ihm Kritiker vor, für die Sicherung seiner Macht die Gesundheit der Kanadier aufs Spiel zu setzen, indem er wertvolle Zeit für die Pandemiebekämpfung verschwendet und sie in Wahllokale lockt. Sein Konkurrent O'Toole nannte den Schritt gar «unkanadisch».

Zweitens machten es ihm die Gegner seiner Corona-Politik nicht leicht. Es waren vor allem Menschen, die mutmasslich jede Schutzmassnahme für überzogen halten und Impfungen ablehnen, die Trudeau bei seinen Wahlkampfauftritten ausbuhten und beschimpften. Einmal, in der Provinz Ontario, warf einer sogar mit Kieselsteinen nach dem Premier. Solche Szenen lagen wie ein Schatten über Trudeaus Kampagne.

Und es stellte sich relativ schnell heraus: So einfach wird es dann doch nicht. Zumal sich sein konservativer Herausforderer Erin O'Toole stärker zeigte, als Trudeau erwartet hätte. Losgelegt hatte der Konkurrent ohne nennenswerte Vorschusslorbeeren, die meisten Kanadier kannten den Wirtschaftsanwalt O'Toole nicht einmal, bis er vergangenes Jahr den Parteivorsitz der Konservativen übernahm. Da gab er sich noch als Hardliner, der CO2-Steuern wie LGBT-Rechte gleichermassen als Unfug abtat. Im Wahlkampf trat O'Toole allerdings deutlich gemässigter auf, man könnte sagen: liberaler – auch, um enttäuschte Wähler von Trudeaus Liberalen abzugreifen.

Doch weil die Mehrheiten der Konservativen sich auf recht wenige Regionen konzentrieren, vor allem in der Provinz Alberta, hätte O'Toole den Stimmanteil noch weiter ausbauen müssen. Den Liberalen kommt das kanadische Mehrheitswahlrecht zugute, weil sich ihre Anhänger über mehr Wahlbezirke verteilen und sie dementsprechend mehr Wahlbezirke gewinnen.

Mit dem ziemlich unbefriedigenden Ergebnis, dass sich praktisch nichts verändert hat, endet für Trudeau nun ein knapper Monat Spontanwahlkampf mitten in der Pandemie. Bei seiner Siegesrede in der Wahlnacht sagte der neue alte Premier: «Ihr wollt uns nicht mehr über Politik oder Wahlen reden hören. Ihr wollt, dass wir uns auf die Arbeit konzentrieren, die wir für euch erledigen müssen.» Er dürfte recht haben.

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