Switzerland

Am Ende bleibt hoffentlich die Dividende

Die Corona-Krise hat auch die Dividendenaktien getroffen. Wie sehen nun die Anlagestrategien aus, die auf hohe Ausschüttungen setzen?

Im Mai konnten «Dividendenjäger» etwas aufatmen, das Parlament verzichtete auf ein Dividendenverbot für Unternehmen.

Im Mai konnten «Dividendenjäger» etwas aufatmen, das Parlament verzichtete auf ein Dividendenverbot für Unternehmen.

Joël Hunn / NZZ

Der «Zins der Aktien» ist den Zinsen der Obligationen überlegen. Das ist den Anlegern in den vergangenen Jahren von vielen Seiten gepredigt worden. Während Anleihen von soliden Unternehmen und Staaten kaum mehr etwas abwarfen, schütteten solide Unternehmen hohe Dividenden aus. Doch mit der Corona-Pandemie ändert sich die Ausgangslage – zumindest für einige Sektoren. Industriebereichen, die bisher stabil aussahen, brachen grosse Teile der Umsätze weg. Im Frühling wuchs die Zahl der Unternehmen rasch an, die auf eine Ausschüttung verzichteten oder diese reduzierten.

Obwohl sich die Schweizer Dividenden im Vergleich zum europäischen Umland erstaunlich stabil zeigten, gab es auch hierzulande namhafte Kürzungen. Von den SMI-Unternehmen verzichtete Alcon komplett auf eine Ausschüttung, und Swatch reduzierte die Dividende um rund einen Drittel. Die Banken einigten sich unter dem Druck der Finanzmarktaufsicht darauf, im Frühling erst die Hälfte der geplanten Dividenden auszuschütten.

Im SPI verzichteten rund 20% der Firmen auf eine Ausschüttung. Andere suchten kreative Lösungen: Kühne + Nagel reduzierte die Dividende und hielt den Rest für einige Monate auf einem Konto zurück, um die Liquidität zu stärken. Dieses vorübergehende Aussetzen der Ausschüttung beim Logistikdienstleister überraschte Pascal Seidner, Fondsmanager bei zCapital: «Sonst waren die meisten Fälle nachvollziehbar, viele Firmen haben mitten in der Dividendensaison kurzfristig die Liquiditätsposition gesichert.»

Parlament baut noch keine Hürden

«In der Schweiz gab es relativ wenige Kürzungen – wir hatten Mitte März mehr und grössere erwartet», sagt Remo Rosenau, Leiter Research bei der Helvetischen Bank. Das sei insofern überraschend, als die Pandemie hartnäckiger als erwartet ausgefallen sei. Obwohl in der ersten Jahreshälfte viele negative Nachrichten die Unternehmenswelt erschütterten, war Lorenz Reinhard, Fondsmanager bei Pictet, von den Kürzungen doch überrascht: «Denn 2019 war für die Unternehmen ein gutes Jahr, und dementsprechend erwarten die Aktionäre eine angemessene Beteiligung am Gewinn.»

Im Mai konnten «Dividendenjäger» etwas aufatmen, das Parlament verzichtete auf ein Dividendenverbot für Unternehmen, die in der Corona-Krise auf Kurzarbeit zurückgegriffen hatten. Dies hätte einige treue Dividendenzahler getroffen. «Die Diskussion, ob Unternehmen, die Kurzarbeit eingeführt haben oder Entlassungen vornahmen, Ausschüttungen vornehmen sollen, wird 2021 zurückkommen», sagt Reinhard. Das erfordere Fingerspitzengefühl bei den Unternehmen, denn die Reputation sollte nicht beschädigt werden. Viele Unternehmen hätten mit Städten und Kantonen Kunden aus dem öffentlichen Bereich.

Perle bleibt Perle

Die zukünftigen Auswirkungen der Pandemie auf die Dividendenzahlungen sind noch kaum abschätzbar. «Nimmt man die konjunkturellen Frühindikatoren der Einkaufsmanager-Indizes PMI in ganz Europa als Grundlage, sind die Unternehmen für 2021 wieder deutlich zuversichtlicher eingestellt», sagt Remo Rosenau. «Bei einigen Unternehmen, die aufgrund der Covid-19-Krise einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen, dürften die Ausschüttungen reduziert werden», sagt Seidner. Industrien, die wegen Corona in existenzielle Nöte kommen, wie etwa Autobauer und deren Zulieferer, befanden sich gemäss Rosenau schon vor der Pandemie in Schwierigkeiten. Die Airlines bewegten sich immer am Limit, die Industrie gerät praktisch in jeder Rezession in Existenznot.

Die Corona-Krise hat die Definition für eine «Dividendenperle» nicht verändert – das sind gemäss Rosenau Titel, die über Jahre eine stabile oder steigende Ausschüttung und ein geringes Kürzungsrisiko aufweisen. Das Geschäftsmodell ist stabil und zukunftsträchtig und generiert einen hohen Cashflow, der Investitionen in Innovation und Ausschüttungen erlaubt. Das hängt gemäss Reinhard auch mit der Einstellung des Managements zusammen: «Eine Ausschüttung wird von solchen Unternehmen höher gewichtet als etwa Lohnerhöhungen oder riskante Investitionen.»

Pandemie stand im Szenarien-Buch

Eine «Vorzeige-Perle» ist Nestlé: Das Unternehmen hat seit 1959 die Dividende nie reduziert und seit 1994 in jedem Jahr erhöht. Die Rendite muss dabei nicht rekordhoch sein. Bei Nestlé beträgt sie 3%. Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich können auf Probleme hinweisen. Meist hat sich der Aktienkurs schwach entwickelt, und der Markt bezweifelt wohl, dass diese Dividenden mittelfristig haltbar sind.

Die Covid-19-Pandemie darf man gemäss Reinhard nicht als «Schwarzen Schwan» aus der Historie von Dividendenpapieren herausrechnen – weil man damit ja nicht rechnen konnte. Pandemien standen schon immer auf der Liste der möglichen Events. Umsichtige Manager hätten diese Gefahr auf dem Radar gehabt. Es braucht keine grundsätzliche Änderung in der Strategie mit Dividendenpapieren. Vielleicht müsse man sich aber wieder einmal die Realität vor Augen führen, sagt Rosenau: Aktien seien eben keine Obligationen und würden Risikopapiere bleiben. Die Investoren müssten den «total return» im Auge behalten. Eine Dividendenrendite von 5% nützt wenig, wenn die Aktien in einer Baisse mit dem Gesamtmarkt einen Grossteil ihres Wertes verlieren. «Reine Dividendenstrategien begeistern mich nicht», fügt Rosenau an.

Pharma und Food stabil

Die Dividendenperlen kommen nach Ansicht der Experten auch in Zukunft vor allem aus den Bereichen Pharma und Nahrungsmittel. Reinhard zählt auch Technologie zu den attraktiven «Dividenden-Branchen». Die Versorger und Energieunternehmen hätten es wegen ihrer grossen Anlagevermögen und des CO2-Fussabdrucks schwer, als Dividendenzahler zu glänzen. «Auch ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) gewinnen in Zukunft an Bedeutung und belasten diese zwei Sektoren.»

Auch die Versicherungen, die in der Vergangenheit zu den Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen gehörten, werden in und nach der Pandemie Mühe haben, die Ausschüttungspolitik aufrechtzuerhalten. «Die Dividenden im Versicherungssektor für das kommende Jahr sind sehr sicher, zumal es auch in diesem Jahr keine Kürzungen gab und sich die Kapitalausstattung nach wie vor sehr solide präsentiert», wendet aber Pascal Seidner ein.

Die zehn höchsten Dividendenrenditen im SMI

Name Rendite in %
UBS 5,78
Swiss Re 5,25
Zurich Insurance 4,63
Swisscom 4,29
Swiss Life Holding 4,12
Lafarge-Holcim 3,72
ABB 3,31
Novartis 3,11
SGS 3,02
Swatch Group 2,96

Ende Oktober verkündeten die grossen Schweizer Banken, dass sie die im Frühling zurückbehaltene Dividende auszahlen würden. Im Frühling mahnte die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Banken zu besonderer Vorsicht, da diese Druck auf die Kreditbücher und Investitionen erwarten müssten. Die Europäische Zentralbank (EZB) empfahl den Banken in der EU, mindestens bis zum 1. Oktober 2020 keine Dividenden zu zahlen und auch keine Aktienrückkäufe vorzunehmen. Die Schweizer Institute wählten mit der Staffelung eine Zwischenlösung.

Für das nächste Jahr ändern die Grossbanken ihre Ausrichtung: Die UBS wird die Dividende nächstes Jahr senken und stattdessen mehr Aktien am Markt zurückkaufen, und auch die CS setzt auf Rückkaufprogramme.

Banken ändern Politik

Mit der Politik, sowohl auf Ausschüttungen als auch auf Aktienrückkäufe zu setzen, sollen gemäss Seidner verschiedene Investorengruppen abgeholt werden. Einkommensorientierte Anleger erhalten eine Dividende, und mit den Aktienrückkäufen adressieren die Banken Investoren aus dem angelsächsischen Raum. «Die höhere Flexibilität eines Rückkaufprogramms ist ein weiteres Argument für diesen Schritt», so Seidner. Die Banken befänden sich in dauerndem Kontakt mit der Finma, müssten zahlreiche Auflagen erfüllen und Bewilligungen einholen. «Würden da noch jährlich die Dividenden erhöht, würde das die Gespräche erschweren», sagt Reinhard. Aktienrückkäufe seien weniger problematisch.

Die zehn höchsten Dividendenrenditen im SPI

im laufenden Jahr

Name Rendite in %
Bellevue Group 16,74
Aevis Victoria 14,93
Conzzeta 6,23
Orell Fuessli 6,03
Carlo Gavazzi 5,88
Mobilezone 5,52
Valiant 5,08
Burkhalter 4,86
Hochdorf 4,81
Cie Fin. Tradition 4,74

Die Grossbanken sind zum Teil auch klar unter ihrem Buchwert bewertet. Nach Ansicht des Managements sind die Aktien zu günstig. Die Banken signalisieren gemäss Rosenau, dass mit überschüssiger Liquidität besser eigene Aktien zurückgekauft werden, statt die Mittel an die Mitbesitzer zu verteilen.

Viele Unternehmen schütteten in den vergangenen Jahren ihre Dividenden aus Kapitalreserven aus und machten so die Dividenden für Schweizer Privatanleger steuerfrei. Die dritte Unternehmenssteuerreform schränkt diese Praxis wieder ein – maximal die Hälfte der Dividende darf nun noch aus Kapitalreserve erfolgen. Für die Fonds für institutionelle Anleger habe das noch nie Relevanz gehabt, sagt Reinhard, dort habe man die Verrechnungssteuer immer zurückfordern können. Für Privatanleger – mit einer langfristigen Ausrichtung – ändert die neue Bestimmung nicht viel. Die Kapitalreserven reichen nun länger für steuerfreie Ausschüttungsanteile. Am Ende wird gleich viel steuerfrei ausgeschüttet – einfach über eine längere Zeitdauer.

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