Switzerland

Alt Landratspräsident Hannes Schweizer zieht bald in die Exekutive von Oberdorf ein

Hannes Schweizer ist es sichtlich unwohl ohne Politik. Bloss sieben Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Kantonsparlament, das er zum Ende seiner 16-jährigen Amtszeit präsidiert hatte, bewirbt sich der SP-Vollblutpolitiker in Oberdorf als Gemeinderat. Dort ist eine Nachwahl nötig, nachdem an der Gesamterneuerungswahl am Wochenende nur vier Personen das absolute Mehr von 227 Stimmen geschafft haben. Der Bisherige Salman Fistik (SP) hat die Wahl verfehlt und zieht sich nun zurück.

Schon bald reicht Schweizer seine Kandidatur ein. Ist er bis kommenden Montagabend der einzige Bewerber, ist er in stiller Wahl gewählt und wird sein neues Amt am 1. Juli antreten. Noch selten war es so einfach, eine Wahlprognose zu stellen. Gegen den populären Schweizer wird kaum jemand antreten, ihm könnte bei einer Kampfwahl niemand das Wasser reichen.

«Fast unfassbar» sei es für ihn gewesen, als er am Sonntag das Wahlresultat sah. Obwohl Schweizer nicht kandidiert hatte, stand sein Name auf 119 Wahlzetteln, Parteikollege Fistik kam auf 195 Stimmen. Der 67-jährige Landwirt hat immer wieder betont, dass er in keine Kampfwahl steigen werde, bei Personalnot aber zur Verfügung stehe, was nun in Oberdorf der Fall ist. «Viele Leute – auch solche mit einer politischen Gesinnung jenseits meiner – haben mich dazu ermuntert, schon zum ersten Wahlgang anzutreten und nicht aus Loyalität gegenüber Bisherigen und Neuen zurückzustehen», erzählt Hannes Schweizer. Dieser vermutet, dass diese Leute das weiterverbreitet haben und so die Stimmen für ihn zusammengekommen sind.

Schweizer spürt «einen unheimlichen Support». «Viele wünschen mich im Gemeinderat und dass ich wieder Stabilität in die Behörde bringe», glaubt er. Er sieht in der Oberdörfer Exekutive primär Handlungsbedarf bei der Umsetzung von Zielen. Diese habe man zwar in der Vergangenheit mit Arbeitsgruppen immer wieder formuliert, aber bei der Umsetzung hapere es. Hannes Schweizer: «Mit den vier bereits Gewählten und meinem Beitrag erhoffe ich mir ein wenig Aufbruchstimmung.» Das Gemeindepräsidium ist für ihn aber kein Thema. Der erfahrene Politiker präsidierte einst auch die landrätliche Bau- und Planungskommission, während 15 Jahren war er Gemeindepräsident von Titterten.

Pierre Bayerdörfer, Präsident der SP Bezirk Waldenburg, befürchtete diesen Wahlausgang vom Sonntag. «Aber wir wollten Salman Fistik die Chance geben, in die Wahl zu steigen und seinen Fauxpas zu korrigieren.» Fistik vergass, bis 23. Dezember seine Bewerbung einzureichen, was eine stille Wahl ermöglicht hätte. Über Salman Fistiks Gemeinderatsarbeit kann sich Bayerdörfer nicht äussern, weil dieser nicht im Dorf wohnt. Er habe jedoch nicht gehört, dass sich Fistik Fehler irgendwelcher Art habe zu Schulden kommen lassen.

«Ich hätte gerne noch weitergemacht, um von meiner vierjährigen Erfahrung zu profitieren», meint Salman Fistik, der 2016 gewählt worden ist und damals Gemeindepräsident Ewald Fartek aus der Exekutive verdrängt hat. Er akzeptiere aber das Resultat.