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Alaba auf dem Absprung: Die Bayern müssen von ihrem Abwehrchef Abschied nehmen

Dass David Alaba den FC Bayern im Sommer verlässt, wird immer konkreter. «Damit muss man rechnen», sagt Trainer Flick – und denkt schon an Ersatz.

Wir sehn uns: David Alaba dürfte Bayern München im Sommer ablösefrei verlassen.

Wir sehn uns: David Alaba dürfte Bayern München im Sommer ablösefrei verlassen.

Foto: Sven Simon (Imago Images)

Zum Lieblingsverein seiner Jugend wird David Alaba eher nicht wechseln. Als Kind, das hat er mal verraten, mochte er den FC Arsenal, der um die Jahrtausendwende unter dem Trainer Arsène Wenger den aufregendsten Fussball in England spielte, mit Thierry Henry im Sturm. Wenn man sich einmal für einen Club entschieden hat, bleibt man bekanntlich ein Leben lang Fan. Es sind also nicht unbedingt romantische Gründe, die nun die Entscheidung über seine Zukunft beeinflussen.

Alaba, 28, seit inzwischen zwölfeinhalb Jahren Spieler des FC Bayern, werde im Sommer nach Ablauf seines Vertrages in München zu Real Madrid wechseln, das berichtete am Montagabend die spanische Sportzeitung «Marca». Er habe gar schon die für den Transfer notwendige medizinische Untersuchung hinter sich. Alabas Vater George dementierte die Meldung am Dienstag zwar im Gespräch mit mehreren Medien, und Hansi Flick sagte in der Pressekonferenz zum Spiel beim FC Augsburg an diesem Mittwoch: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Aber der Münchner Trainer sagte auch: «Die Voraussetzungen sind eher so, dass er den Verein verlässt, damit muss man rechnen.» Und so steht wohl das Ende einer Geschichte bevor, die den FC Bayern nun schon lange beschäftigt.

Rückkehr des «FC Hollywood»

Es ist zweieinhalb Monate her, dass sich Alabas Kollege Thomas Müller an den «FC Hollywood» erinnert fühlte, den Spitznamen des FC Bayern zu turbulenteren Zeiten. Der Club hatte Anfang November öffentlich ein Angebot zur Vertragsverlängerung zurückgezogen. «Wir haben David Alaba den roten Teppich ausgerollt und sind an unsere Grenzen gegangen. David und speziell sein Berater Pini Zahavi sind nicht über diesen roten Teppich gegangen», sagte Bayern-Vorstandsmitglied Oliver Kahn dazu später der Sportbild. Vom Angebot eines Vertrags bis 2024, das an 20 Millionen Euro Jahresgehalt heranreiche, berichtete der Kicker.

In Madrid, schreibt nun «Marca», werde Alaba ein Vierjahresvertrag angeboten, der ihm den Verdienst von knapp elf Millionen Euro im Jahr zusichert. In Spanien werden bei solchen Branchengerüchten allerdings keine Brutto-, sondern Nettobeträge kolportiert.

Vertrag von Ramos läuft aus – und das Verhältnis zu Real ist schwierig

Entscheidend in den Verhandlungen ist auch das Wissen von Berater Zahavi, den Alaba im Frühjahr 2020 engagierte. Der Israeli, 77, berüchtigt für sein stures Verhandeln, bekannt auch für gute Beziehungen zu Real Madrid und von Uli Hoeness einst «geldgieriger Piranha» genannt, hatte zuvor bereits den neuen Vertrag von Robert Lewandowski in München ausgehandelt. Er kennt also Inhalte aus den Verträgen anderer Spieler. Als Alaba im November über fehlende «Wertschätzung» sprach, musste man das wohl als Synonym dafür verstehen, wie viel er im Verhältnis zu seinen Kollegen verdienen wollte. Dass Alaba in der Verdienstrangliste hinter Lewandowski und Torwart Manuel Neuer stehe, hatte Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic auch selbst erklärt.

Ein berüchtigter Verhandlungspartner: Berater Pini Zahavi.

Ein berüchtigter Verhandlungspartner: Berater Pini Zahavi.

Foto: Andy Rowland (Imago Images)

Diese Rangliste spielt nun wohl auch in Madrid eine Rolle. Auf der Position des Abwehrchefs, die Alaba bei den Bayern unter Trainer Hansi Flick innehat, spielt bei Real seit Jahren Sergio Ramos, 34. Dessen Vertrag läuft ebenfalls im Sommer aus. Dass er als langjähriger Mannschaftscaptain zu einem solch späten Zeitpunkt der Saison noch keinen neuen Kontrakt unterzeichnet hat, deutet auf ein schwieriges Verhältnis hin. Und so wäre eine Einigung Reals mit Alaba auch ein Signal an Ramos. Die kolportierten künftigen Bezüge des Österreichers sollen jenen des Spaniers ähneln.

Noch ist aber nichts unterschrieben, ausserdem sind angeblich auch Manchester United und Paris Saint-Germain an Alaba interessiert. Sicher ist aber offenbar tatsächlich, dass Alaba München verlässt. Flick dürfte trotzdem auf ihn setzen, solange er da ist. Er erlebe den Abwehrchef «sehr fokussiert», sagte er am Dienstag.

Solange Alaba noch da ist, wird Flick wohl auf ihn setzen

Beim mühsamen 2:1 gegen den SC Freiburg am Sonntag hatte insbesondere die Defensivleistung der Bayern unter Beobachtung gestanden. Alaba hatte auffällig mehr Kommandos gerufen als zuletzt, wie von Flick gefordert. Und auch wenn der Sieg mehr nach Arbeit als nach Vergnügen aussah, waren immerhin die in den vergangenen Wochen typischen Fehler ausgeblieben, die zu gegnerischen Kontern durch die Mitte und immer wieder ähnlichen Gegentreffern geführt hatten. Die Organisation der Abwehr stimmte. Alaba habe eine sehr gute Leistung gezeigt, sagte der Trainer.

Es war bekanntermassen Flick, der die Bedeutung des Österreichers beim FC Bayern nochmals gesteigert hat. Alaba wollte immer am liebsten zentraler Mittelfeldspieler sein; Flick machte ihn in einer seiner ersten Entscheidungen als Trainer vom Linksverteidiger zum Innenverteidiger, zu einem Teil der für das Triple 2020 massgeblichen Münchner Achse. Er traue diese Rolle auch dem Franzosen Lucas Hernández zu, sagte Flick am Dienstag auf Nachfrage; jenem Abwehrspieler also, für den der FC Bayern im Sommer 2019 80 Millionen Euro bezahlte in dem Wunsch, einen herausragenden Innenverteidiger zu bekommen. Hernández spielt unter Flick eher als Linksverteidiger, gegen Freiburg spielte er zum wiederholten Male gar nicht.

Flick sagte am Dienstag bezogen auf Alaba auch: «Klar ist, wenn ein Spieler von der Qualität den Verein verlässt, dass der Verein natürlich dann auch einen anderen Spieler holen muss und holen wird.» Änderungen, sagte er, seien oft auch dafür da, «um die Entwicklung der Mannschaft voranzutreiben».

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