Switzerland

Abgasproblem: Steht der Verbrenner vor dem Aus?

In Europa mehren sich die Anzeichen für ein absehbares Ende des Verbrennungsmotors. Die Schweiz hält sich mit einem Verbot noch zurück.

Abgase aus dem Auspuff sollen in Europa bald der Vergangenheit angehören – zumindest bei Neuwagen.

Abgase aus dem Auspuff sollen in Europa bald der Vergangenheit angehören – zumindest bei Neuwagen.

Bild: Gaëtan Bally (Keystone)

Der Verbrennungsmotor scheint schneller als gedacht aufs Abstellgleis zu geraten. Mit Ford hat vergangene Woche erstmals ein grosser Volumenhersteller den Ausstieg aus Benziner- und Diesel-Technologie konkret terminiert: Ab 2030 sollen zumindest in Europa alle neuen PW der Marke rein elektrisch fahren. Kurz zuvor hatte auch die britische Luxusmarke Jaguar den Umstieg angekündigt – bereits ab 2025 will der zum indischen Tata-Konzern gehörende Hersteller nur noch Modelle mit reinem Elektroantrieb (BEV – Battery Electric Vehicle) verkaufen.

Die Liste der mehr oder weniger konkreten Ausstiegsankündigungen ist noch länger. General Motors, in Kontinentaleuropa nur noch mit Nischenautos vertreten, will bis 2035 komplett auf E-Mobilität umsteigen, Mercedes-Benz spätestens ab 2039 nur noch emissionsfreie Neuwagen ausliefern, während Kleinstwagentochter Smart die Transformation schon hinter sich hat. Auch der Volkswagen-Konzern hat sich dem E-Auto verschrieben. Selbst wenn die Wolfsburger ihre Ankündigung, die letzte Plattform für Verbrennungsmotoren 2026 auf den Markt zu bringen, in der Zwischenzeit wieder zurückgenommen haben, hat immerhin Luxustochter Bentley mit 2030 schon ein Datum für das Ende des Verbrenners genannt.

Drei Gründe für das Aus

Auch wenn sich die Ankündigungen der Brache in feinen Details unterscheiden – etwa, ob Plug-in-Hybride (PHEV) zu den E-Autos gezählt werden oder nur reine Batteriemobile gelten –, ist die Stossrichtung klar. Drei Gründe spielen dabei für die Autohersteller die Hauptrolle: die frühestens ab 2025 geltende Abgasvorschrift Euro 7, lokale Fahrverbote (beispielsweise in Paris und Amsterdam) und die drohenden Verkaufsverbote in zahlreichen Märkten. Norwegen hat vorgelegt und lässt ab 2025 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zu. Das Gleiche will Grossbritannien ab 2030 tun. Einzelne chinesische Provinzen wollen dann ebenso dichtmachen, genauso wie Dänemark, Irland, Israel, die Niederlande und Slowenien. Spanien und Frankreich haben 2040 als Deadline angekündigt, die USA dürften irgendwann zwischen 2035 und 2050 so weit sein, in Deutschland gilt zurzeit noch 2050 als Ausstiegsdatum.

Und die Schweiz? Die hält sich mit einem Verbot noch zurück, doch es sind verschiedene Bestrebungen dafür im Gange: Die Grünen fordern einen Verkaufsstopp für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025, der Elektromobilitätsverband Swiss E-Mobility will ein Aus ab 2035. «Die jüngsten Bekanntgaben einiger Hersteller von Personenwagen zeigen aber, dass es kein Verbot braucht», ist Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz, überzeugt. «Zudem werden wir auch in der Schweiz noch lange auf den Verbrennungsmotor angewiesen sein, gerade beim Gütertransport.» Burgener plädiert stattdessen für die Entwicklung von synthetischen Treibstoffen: «Damit können Benzin- und Dieselmotoren ihren CO2-Ausstoss auf der Strasse schneller senken.»

Selbst dort, wo Benziner und Diesel noch länger in Neuwagen verkauft werden dürfen, könnte die Abgasnorm Euro 7 das Aus durch die Hintertür bedeuten – das zumindest befürchtet der deutsche Branchenverband VDA. Noch sind die neuen Grenzwerte und Daten des Inkrafttretens, das wohl zur Mitte des Jahrzehnts stufenweise erfolgen wird, nicht fixiert. Doch klar ist, dass die Grenzen bei Stickoxid und Kohlenmonoxid für Verbrennungsmotoren nur noch mit enormem technischem Aufwand einzuhalten sein werden. Verbrenner dürften durch die gesetzlichen Anforderungen für Kunden und Hersteller zunehmend unwirtschaftlich werden. Vor allem exklusive Motoren – etwa für Sportwagen oder Luxuslimousinen – die nur auf geringe Stückzahlen kommen, geraten unter Druck. Schon seit Jahren ist ein Sterben grossvolumiger Triebwerke zu beobachten, für die sich der aufwendige Anpassungs- und Zulassungsprozess nicht mehr lohnt.

Ohne Stromer geht es kaum

Zu den Anforderungen der Luftreinhaltung kommt der Druck durch die CO2-Grenzwerte in Europa. Die Autohersteller müssen in den kommenden Jahren ehrgeizige Vorgaben erfüllen, was den Gesamtausstoss der Neuwagenflotte angeht. In der Schweiz gilt aktuell und voraussichtlich bis 2024 ein Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer. Zu erreichen sind die Vorgaben nur mit einem hohen Anteil an Elektroautos. Wer in Europa Neuwagen verkaufen will, kommt an den Stromern daher kaum vorbei.

In anderen Regionen der Welt könnte dem Verbrenner hingegen noch ein längeres Leben beschieden sein. Konzerne, die ihren Fokus nicht so stark auf Europa, die USA oder China ausrichten, sind bislang vorsichtiger, was ihre Ankündigungen angeht. Der weltweit grösste Autohersteller Toyota etwa will zwar Medienberichten zufolge ab 2050 keine reinen Diesel und Benziner mehr anbieten, aber durchaus noch Hybridfahrzeuge. Der neue Stellantis-Konzern aus PSA und Fiat scheut ebenfalls ein klares Bekenntnis zum E-Mobil und sieht für den Verbrenner vor allem in Osteuropa und Afrika durchaus noch eine Zukunft. Und auch der stark in der Elektromobilität engagierte Hyundai-Konzern rechnet zwar mit hohen E-Auto-Anteilen bis 2030, hält sich mit Ausstiegsszenarien beim Benziner aber zurück.

Stecker statt Stutzen: Elektroautos könnten Modelle mit Verbrennungsmotor bald verdrängen.

Stecker statt Stutzen: Elektroautos könnten Modelle mit Verbrennungsmotor bald verdrängen.

Bild: zvg

Immer strengere Abgasvorschriften zwingen die Autohersteller zum Handeln.

Immer strengere Abgasvorschriften zwingen die Autohersteller zum Handeln.

Bild: GTÜ

Auch grosse Tankstellenbetreiber rüsten nach und nach auf die E-Mobilität um.

Auch grosse Tankstellenbetreiber rüsten nach und nach auf die E-Mobilität um.

Bild: Shell

1 / 3

Football news:

Saka, Jacko, Huan-Bissaka und Gérard Moreno beanspruchen den Titel des Spielers der Woche in der Europa League
Real und Modric haben sich auf eine Vertragsverlängerung um ein Jahr geeinigt. Mittelfeldspieler Luka Modric wird eine weitere Saison bei Real Madrid verbringen. Die Parteien hätten sich auf eine Vertragsverlängerung bis Sommer 2022 geeinigt, teilte die As mit. Der 35-Jährige stimmte der vorgeschlagenen cremigen Lohnsenkung zu
Roma hat zum ersten Mal seit 1991 das Halbfinale des UEFA-Pokals/der UEFA Europa League erreicht
Kontrast vor dem Abpfiff in Prag: Slavias Spieler reihen sich vor dem Knie
Unai Emery: Er hat sich an die Spiele gegen seine Ex-Klubs gewöhnt, so dass die Spiele gegen Arsenal nichts Neues sind
Ich trinke Bier, Champagner, Rotwein. Ich esse Käse und Kaviar. Figo über das Ansehen von Fußball
Figo über Messi und Ronaldo: Trüffel mit Kaviar schwer zu vergleichen