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70 Personen sterben auf der Pazifikinsel Samoa an Masern – Schuld sind ein Gesundheitsskandal und die Propaganda der Impfgegner

Die Regierung von Samoa greift zu Zwangsmassnahmen, um eine Masernepidemie in Griff zu bekommen. Auch weltweit ist die durch Impfung vermeidbare Krankheit auf dem Vormarsch.

Rote Flaggen zeigen in Apia, der Hauptstadt von Samoa, an, wo Personen wohnen, die nicht gegen Masern geimpft sind.

Rote Flaggen zeigen in Apia, der Hauptstadt von Samoa, an, wo Personen wohnen, die nicht gegen Masern geimpft sind.

Chikara Yoshida / Getty

Samoa ist auf einer Weltkarte höchsten zwei kleine Punkte im grossen weiten Pazifik. Die Bevölkerung zählt gerade mal knapp 200 000 Personen.

70 Einwohner des kleinen Inselstaats sind bis Montag an Masern gestorben. Umgerechnet auf die Schweiz wären das rund 3000 Todesfälle, auf Deutschland gar 30 000. Das ist ein Gesundheitsnotstand von beängstigender Grösse.

Öffentliches Leben stillgelegt

Insgesamt sind auf Samoa mehr als 4700 Personen an Masern erkrankt, weitere Fälle kommen dazu. Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Die Schulen blieben geschlossen und Woche vergangene Woche verfügten die Behörden für zwei Tage einen Stillstand des öffentlichen Lebens: Die Einwohnerinnen und Einwohner mussten zu Hause bleiben, der Personentransport zwischen den Inseln wurde eingestellt.

Acht Personen wurden verhaftet, weil sie sich nicht an die Anordnungen hielten.

Wer ungeimpfte Personen in seinem Haushalt hatte, musste ein rotes Stück Stoff raushängen. So wussten mobile Impfteams, wo sie die in der Zwischenzeit für obligatorisch erklärte Impfung verabreichen mussten.

Laut der Regierung sollen mittlerweile 89 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Bei Kleinkindern unter 5 Jahren sind es 82 Prozent. Kinder sind besonders gefährdet durch Masern: 61 der 70 Verstorbenen waren jünger als fünfjährig.

Vor allem Kleinkinder sterben an Masern

Anzahl der Verstorbenen auf Samoa (Stand 9. 12.)

Masern, einst ein weitverbreiteter Killer, ist dank Impfungen vermeidbar. Dass das hochansteckende Virus auf Samoa so wüten konnte, liegt an der tiefen Impfrate. 2018 erhielten laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur 31 Prozent der Kleinkinder eine Masernimpfung.

Gesundheitsexperten peilen eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Gesamtbevölkerung an. Dann sind genügend Menschen immun, dass sich das Virus nicht mehr weiterverbreiten kann.

Impfprogramm zeitweise eingestellt

Ein Grund für die tiefen Impfraten ist das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in das lokale Gesundheitssystem. Im Juli 2018 starben zwei Kleinkinder, kurz nachdem ihnen eine MMR-Kombinationsimpfung (gegen Masern, Mumpf und Röteln) verabreicht worden war.

Daraufhin stellte die Regierung zeitweise das Impfprogramm ein.

Mittlerweile ist erwiesen, dass nicht der Impfstoff für den Tod der Kinder verantwortlich war, sondern ein schwerwiegender Anwendungsfehler. Zwei Krankenschwestern hatten die Impfung statt mit Wasser fälschlicherweise mit einer Lösung verdünnt, die die Muskeln entspannt.

Die beiden Verantwortlichen sind wegen fahrlässiger Tötung zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Impfgegner verhaftet

Obwohl die Sachlage geklärt ist, instrumentalisieren Impfgegner den Fall. Der Kommunikationsminister von Samoa, Afamasaga Rico Tupai, beklagte sich gegenüber dem neuseeländischen Fernsehen, dass Impfgegner mit Falschnachrichten die aktuelle Impfkampagne behinderten.

Laut einem Bericht der britischen BBC wurde ein bekannter lokaler Impfgegner festgenommen, weil er sich den Zwangsmassnahmen zur Masernbekämpfung widersetzt hatte.

Auf sozialen Medien berichten Impfgegner über «wundersame Heilungen» von Masernerkrankungen gemeldet durch Vitamineinnahme oder traditionelle Heilmethoden. Laut einer neuseeländischen Expertin verläuft eine Masernerkrankung in einem Land mit dem Entwicklungsstand von Samoa statistisch gesehen in 2 von 100 Fällen tödlich.

Virus kam aus Südostasien via Neuseeland nach Samoa

Nach Samoa gelangt ist das hochansteckende Virus wahrscheinlich von Südostasien über Neuseeland. In Vietnam und danach auf den Philippinen kam es Ende 2018 und Anfang 2019 zu grossen Ausbrüchen von Masern.

Ungeimpfte Reisende schleppten das Virus von den Philippinen nach Neuseeland ein. Dort registrierte die WHO zahlreiche Fälle, dank der hohen Impfrate konnte sich das Virus aber nicht weiter verbreiten.

In Neuseeland lebt eine grosse samoanische Gemeinde, die auf über 110 Personen geschätzt wird. Entsprechend intensiv ist der Personenverkehr zwischen Neuseeland und Samoa. So gelangte das Virus in den kleinen Pazifikstaat, wo es eine ungeschützte Bevölkerung fand und sich praktisch ungehindert verbreiten konnte.

Obwohl effektive Impfstoffe gegen Masern schon lange weit verbreitet sind, ist die Krankheit weltweit auf dem Vormarsch. 140 000 Personen starben laut Statistiken der WHO 2018 an der vermeidbaren Krankheit. Innert zweier Jahre hatten sich die Zahlen verzweieinhalbfacht.

Eine Krankenschwester aus Hawaii, die zur Unterstützung nach Samoa geflogen ist, impft in Apia ein Kind gegen Masern.

Eine Krankenschwester aus Hawaii, die zur Unterstützung nach Samoa geflogen ist, impft in Apia ein Kind gegen Masern.

Chikara Yoshida / Getty

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