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Finnland entschliesst sich zum Nato-Beitritt – «Ein neues Zeitalter beginnt»

23 Bilder, die Russlands Militärparade auf den Punkt bringen

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23 Bilder, die Russlands Militärparade auf den Punkt bringen

quelle: imago-images

Russlands Militärparade für den «Tag des Sieges»

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Jussi Hanhimäki ist Finne. Er ist Professor für internationale Geschichte am Graduate Institute of International and Development Studies (IHEID) in Genf. Er ordnet die am Donnerstagmorgen von der Regierung bekannt gegebene Bereitschaft Finnlands, der NATO beizutreten, für uns ein.

Die finnische Regierung kündigte am Donnerstagmorgen ihren Willen an, dass das bislang neutrale Finnland «unverzüglich» der NATO, dem grossen westlichen Militärbündnis, beitreten könne. Die russische Reaktion erfolgte sofort. Es betrachtet den Beitritt Finnlands zur Atlantischen Allianz als eine «Bedrohung» für sich selbst. «Die NATO bewegt sich auf uns zu», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber der Agentur Interfax.

Sanna Marin

Sanna MarinBild: keystone

Finnland will Mitglied der Nato werden. Das Land werde einen entsprechenden Antrag zur Aufnahme in die Militärallianz stellen, teilten der finnische Präsident Sauli Niinistö und Regierungschefin Sanna Marin am Sonntag in Helsinki mit. Das finnische Parlament muss dem Schritt noch zustimmen, eine Mehrheit gilt aber als sicher. Niinistö sprach am Sonntag mehrfach von einem «historischen Tag» für das skandinavische Land. «Ein neues Zeitalter beginnt», so der Präsident.

Finnland war seit Jahrzehnten bündnisfrei und teilt sich mit Russland eine rund 1300 Kilometer lange Grenze. Lange galt ein Beitritt in die Militärallianz als undenkbar - schliesslich wollten es sich die Finnen nicht mit dem grossen Nachbarn im Osten verscherzen. Doch der Angriffskrieg Moskaus auf die Ukraine hat bei den Politikerin und in der Bevölkerung zu einem Umdenken geführt.

Der Entscheidung gingen eine intensive gesellschaftliche Debatte und umfassende politische Beratungen voraus. Sowohl Niinistö als auch Marin hatten zuletzt für den Beitritt in die Militärallianz geworben. Erst am Samstag hatte sich auch Marins sozialdemokratische Regierungspartei SDP für den Schritt ausgesprochen. Damit gilt eine Mehrheit im Parlament für einen Nato-Beitritt als sicher. Auch die Bevölkerung befürwortet den Schritt laut jüngsten Meinungsumfragen inzwischen mehrheitlich.

Auch im ebenfalls bisher bündnisfreien Schweden hat der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eine grosse Debatte über einen Nato-Beitritt ausgelöst. Noch am Sonntag wurde dort mit einer Entscheidung der Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Magdalena Andersson in der Frage gerechnet. Andersson führt eine Minderheitsregierung an, an der nur ihre Partei beteiligt ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete den geplanten Nato-Beitritt Finnlands in einem Telefonat mit Niiinistö am Samstag als Fehler. Von Russland gehe keine Bedrohung für das Nachbarland aus, betonte Putin nach Kremlangaben bei dem Gespräch. Finnlands Abkehr von der traditionellen Neutralität werde zu einer Verschlechterung der bislang guten nachbarschaftlichen Beziehungen führen.

Finnland und Schweden sind heute bereits enge Partner der Nato, aber keine offiziellen Mitglieder. Blockiert werden könnte ihre Aufnahme in die Militärallianz theoretisch noch durch das Veto eines Mitgliedstaats, die einstimmig über Aufnahmen entscheiden müssen. Kritisch hatte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geäussert, der Finnland und Schweden vorwarf, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sicheren Unterschlupf zu bieten.

Russischer Panzer explodiert in der Ukraine

Video: watson

Aussenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zeigte sich bei einem Treffen der Nato-Aussenminister in Berlin irritiert über die Äusserungen aus Ankara. Ihrer Ansicht nach müsste jedes demokratische Land eigentlich erfreut sein, wenn Demokratien mit starken Verteidigungsfähigkeiten das gemeinsame Bündnis stärker machten. Bei dem Treffen nahmen auch die Aussenminister Schwedens und Finnlands, Pekka Haavisto und Ann Linde, als Gäste teil.

Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu bekräftigte in Berlin die Vorbehalte seines Landes, sagte aber auch, dass die Türkei immer für eine «Politik der offenen Tür» stehe. Haavisto sagte: «Ich bin mir sicher, dass wir für diese Sache eine Lösung finden werden.» (aeg/sda/dpa)