Was steckt hinter dem angeblichen Angriff auf Moskau?

Wolodymyr Selenskyj bedankt sich für Luftabwehr, welche «hunderte Menschenleben gerettet» habe. Derweil beschliesst die Ukraine Sanktionen gegen den Iran für die nächsten 50 Jahre – hier ist das Nachtupdate.

Nach den massiven russischen Angriffen mit Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Flugabwehr des Landes für die Rettung Hunderter Menschenleben gedankt. Es habe zwar einige Einschläge gegeben, aber die meisten Drohnen und Raketen seien abgeschossen worden, sagte Selenskyj in seiner am Montagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft. «Die Welt muss sehen, dass der Terror verliert», sagte er. Es seien mindestens einige Hundert Menschenleben durch die Flugabwehr an einem Tag gerettet worden, lobte er.

Russland macht die Ukraine für einen angeblichen Drohnenangriff auf seine Hauptstadt verantwortlich, Kiew weist das zurück. Was steckt dahinter?

Mutmassliches Drohnenteil in Moskau.Bild: keystone

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Seit mehr als 15 Monaten führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In den vergangenen Wochen häuften sich auch in russischen Regionen Beschuss und Drohnenattacken.

Nun erregt ein angeblicher Drohnenangriff auf die russische Hauptstadt Aufsehen. Vieles ist noch unklar. Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Was ist passiert?

In den frühen Morgenstunden am Dienstag sind offenbar mehrere Drohnen über der russischen Hauptstadt Moskau abgeschossen worden. Das russische Verteidigungsministerium sprach von insgesamt acht solchen Flugobjekten, die alle zerstört worden seien.

Drei seien von ihrer ursprünglichen Flugbahn abgebracht worden, die restlichen fünf von der Flugabwehr abgeschossen worden, hiess es. Russische Medien hingegen hatten zuvor von bis zu 25 Flugkörpern berichtet.

Die Polizei sperrt einen Bereich ab, in dem Ermittler Teile einer ukrainischen Drohne einsammeln: Berichten zufolge sollen die herabstürzenden Teile ein Wohnhaus beschädigt haben.Bild: keystone

In den Onlinenetzwerken geteilte Fotos aus Moskau zeigen Rauchspuren am Himmel. Auf anderen Aufnahmen aus der russischen Hauptstadt ist das zerstörte Fenster eines beschädigten Gebäudes zu sehen.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin zufolge wurden Bewohner zweier angegriffener Wohngebäude in Moskau vorübergehend evakuiert. Einige Wohngebäude seien geringfügig beschädigt und zwei Menschen leicht verletzt worden, so Sobjanin weiter. Mindestens zwei der Drohnen seien in Wohntürme gestürzt, berichteten russische Staatsmedien unter Berufung auf Angaben von Rettungsdiensten.

Einem hochrangigen russischen Politiker zufolge wurden drei Drohnen über Teilen des Moskauer Nobel-Vororts Rubljowka abgeschossen. Eine der betroffenen Wohngegenden liege nur zehn Minuten von Putins Residenz Nowo-Ogarjowo entfernt, erklärte der Abgeordnete der Regierungspartei Einiges Russland, Alexander Chinschtein. Rubljowka ist ein Zusammenschluss exklusiver und gut gesicherter Wohngegenden im Westen Moskaus. Auch Ex-Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Michail Mischustin sowie viele reiche Geschäftsleute sollen Berichten zufolge dort Anwesen haben.

Der Angriff folgte auf einen russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew im Laufe der Nacht, bei dem nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko mindestens eine Person starb. Die ukrainische Luftwaffe teilte am Dienstag im sozialen Netzwerk Telegram mit, sie habe bei dem nächtlichen Luftangriff auf die Hauptstadt und die Umgebung – dem dritten innerhalb von 24 Stunden – 29 von insgesamt 31 Drohnen abgeschossen.

Wer steckt dahinter?

Was hinter den angeblichen Drohnenangriffen auf Moskau steckt, ist bislang offen.

Beschädigtes Wohnhaus in Moskau: Zwei Menschen sollen verletzt worden sein. Bild: keystone

Russland hat die Ukraine für die Drohnenangriffe auf Moskau verantwortlich gemacht –und von einem «Terrorakt» gesprochen. «Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt», so das russische Verteidigungsministerium. Beweise für die Anschuldigungen legte Moskau nicht vor.

Die ukrainische Regierung hingegen weist Vorwürfe zurück, wonach sie für die jüngsten Drohnenangriffe auf Moskau direkt verantwortlich sein soll. Selbstverständlich freue er sich über die Angriffe, sagt der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak in einer YouTube-Sendung. «Aber natürlich haben wir damit nichts direkt zu tun.»

Auch Experten können bislang nur spekulieren. Der Politikwissenschaftler Carlo Masala deutet auf Twitter zwei Möglichkeiten an: Dass die Ukraine hinter dem Drohnenangriff steckt. Oder dass Russland den Drohnenangriff inszenierte, um die Ukraine dafür verantwortlich zu machen – es sich also um eine sogenannte «False Flag»-Operation handelt (deutsch: Aktion unter falscher Flagge). Dadurch könnte Russland versuchen, die Angriffe auf die Ukraine vor der eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen.

Gab es bereits ähnliche Vorfälle?

In den vergangenen Wochen häuften sich in russischen Regionen Beschuss und Drohnenattacken. Der wohl spektakulärste Vorfall ereignete sich Anfang Mai, als unmittelbar über dem Kreml zwei Flugobjekte abgeschossen wurden.

Video: twitter/@Gerashchenko_en/@MikeSington/@spectatorindex

Moskau machte für den angeblichen Anschlagsversuch auf Präsident Wladimir Putin die Führung in Kiew verantwortlich. Diese stritt eine Beteiligung ab.

Viele internationale Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Kreml-Attacke von Moskau selbst inszeniert gewesen sein könnte, um die brutalen Angriffe auf die Ukraine zu rechtfertigen. US-Geheimdienste allerdings gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Angriff der Ukraine handelte.

(t-online, dpa, afp, Reuters)


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