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Zypern ist doppelt geteilt – und diese Kluft ist soeben noch einmal grösser geworden

In der «Türkischen Republik Nordzypern» hat sich ein Statthalter Erdogans als Präsident durchgesetzt. Die kulturelle Identität der türkischen Zyprioten gerät dadurch weiter unter Druck.

Anhänger des türkisch-zypriotischen Politikers Ersin Tatar feiern am Sonntag dessen Wahlsieg in den Strassen von Nikosia.

Anhänger des türkisch-zypriotischen Politikers Ersin Tatar feiern am Sonntag dessen Wahlsieg in den Strassen von Nikosia.

Harun Ucar /Reuters

Der Gegner ist manchmal einfach übermächtig: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in der «Türkischen Republik Nordzypern» am Sonntag hat der bisher amtierende Mustafa Akinci formal gegen Ministerpräsident Ersin Tatar verloren. Doch sein eigentlicher Rivale war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Türkei hatte massiv in den Wahlkampf eingegriffen, inklusive Morddrohungen an Akinci, und im Falle eines Wahlsiegs Tatars Finanzspritzen versprochen. Von Beginn an stand fest, dass dieser ein Statthalter Ankaras ist.

Tatar erhielt rund 52 Prozent der Stimmen, 48 Prozent der Wähler hätten aber lieber Akinci gesehen. Dies zeigt, dass die Insel nicht nur in einen griechischzypriotischen Süden und einen türkischzypriotischen Norden geteilt ist, sondern auch ein gesellschaftlicher Riss innerhalb des Nordteils verläuft. Akinci wusste den Teil der Wähler hinter sich, die wie er auf die Wiedervereinigung in einem föderativen Staat hoffen. Es sind zum einen ältere Nordzyprioten, die sich – wie der 72-jährige sozialdemokratische Politiker Akinci – noch an die Zeiten erinnern, als beide Volksgruppen gemeinsam auf der Insel lebten. Zum anderen unterstützte ihn eine jüngere, gebildete Generation, die ihre Zukunft eher in einem EU-Staat als in einem isolierten, weltweit nur von der Türkei anerkannten und von Ankara in jeder Hinsicht abhängigen Staatsgebilde sieht. Dieser Teil der Nordzyprioten, von denen sich viele als Minderheit im eigenen Land fühlen, ist liberal, lebt säkular und schätzt die Meinungs- und Pressefreiheit, die unter Akinci gegeben war. Hier darf Erdogan kritisiert werden, ohne dass man fürchten muss, für einen Tweet im Gefängnis zu landen. Nicht umsonst galt die Wahl als Referendum über die künftige kulturelle und politische Identität des Inselteils.

Die Befürchtungen nehmen zu, dass der Teil der Bevölkerung, der vor allem aus Siedlern aus der Türkei und deren Nachkommen besteht, die Gesellschaft und die Politik des Nordens nun noch stärker prägen wird. Die säkular eingestellten Zyprioten sind wenig erfreut über die riesige Hula-Sultan-Moschee, die – zusammen mit vielen weiteren Moscheen – in den letzten Jahren auf der Insel gebaut wurde. Lehrer fürchten, dass das säkulare Bildungssystem von Hunderten aus der Türkei entsandten Imamen, die die Kinder der Zugezogenen unterrichten sollen, unterwandert wird. Sie wollen nicht eine weitere Provinz der Türkei werden. Wahrscheinlich ist, dass künftig noch mehr Türkischzyprioten die Insel verlassen werden.

Auch wenn es nicht zu einer Annexion durch die Türkei kommt, ist zumindest die Wiedervereinigung der Insel zu einem gleichberechtigten Bundesstaat mit der Wahl Tatars in weite Ferne gerückt. Tatar befürwortet ein Zweistaatenmodell und wird darin von Ankara unterstützt. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die griechischzypriotische Seite unter Präsident Nikos Anastasiades darauf einlassen wird. Schon als die Voraussetzungen für eine Einigung wesentlich günstiger waren, wie 2017 bei den Gesprächen in Crans-Montana, scheiterte der Dialog – unter anderem an der Weigerung der Türkei, ihre Soldaten aus Nordzypern abzuziehen. Die bereits jetzt existierenden sozialen und wirtschaftlichen Kontakte zwischen den beiden Inselteilen werden wohl bestehen bleiben, doch auf lange Sicht wird die Zypernfrage ein eingefrorener Konflikt bleiben.

Was die Situation zusätzlich kompliziert, ist der Streit um Erdgasreserven und die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer, in die neben der Türkei und Griechenland auch die beiden Teile Zyperns involviert sind. Die Türkei betrachtet die Gewässer im Norden der Insel als Teil ihrer beziehungsweise von Nordzyperns exklusiver Wirtschaftszone. Akinci hatte kein Interesse, den Streit zu eskalieren, wie es Ankara tut. Mit Tatar als Statthalter in Nikosia wird nun auch an dieser Front keine Ruhe einkehren.

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