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Switzerland

Zwei Menschen totgefahren: «Ein Leben ist mehr wert als 10'000 Franken»

Für P. W.* war es eine Fahrt, die sein Leben verändern sollte. Am 3. April 2019 sass der Mann aus Liechtenstein im Auto und wechselte auf seinem Handy Lieder. So war er für Sekunden abgelenkt. Zeitgleich war ein Pannenhelfer auf der A1 bei Oberbüren SG daran, das Rad bei einem Lieferwagen auf dem Pannenstreifen zu wechseln.

Hier passierte der tödliche Unfall. 20 Minuten ist die Strecke abgefahren. (Video: mig)

W. erfasste in der Folge mit seinem Wagen den Pannenhelfer. Er gab am Mittwoch vor Gericht an, er habe den Mann nicht gesehen. Für den 24-jährigen Pannenhelfer und den 50-jährigen Lieferwagenfahrer endete der Unfall tödlich: Der Pannenhelfer starb noch am gleichen Abend, der Lieferwagenfahrer erlag 20 Tage später den Folgen des Unfalls.

W. sagte vor Gericht: «Ich bin seit dem Unfall nicht mehr am Steuer gesessen. Schon nur wenn ich in einem Auto sitze, sind meine Gefühle anders als vor dem Unfall.» Er sei seither auch in Therapie. Er wirkte gefasst und beantwortete die Fragen des Richters in klaren Worten. Bilder und Geschehnisse würden ihn regelmässig an das tragische Ereignis erinnern: «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Unfall denke.»

Briefe an die Hinterbliebenen

Für ihn sei klar: Wenn er jemals wieder selbst fahre, werde er das Handy ausser Reichweite haben. Er sei sich auch bewusst, dass er seinen Fehler nicht wieder gutmachen könne. Mit den Hinterbliebenen der Opfer nahm der Beschuldigte Kontakt auf:
Er schrieb einen Brief und entschuldigte sich für die Tat.

Laut seinem Anwalt sind die Briefe angenommen worden, eine Antwort blieb allerdings aus. Strafmindernd sei zu bewerten, dass sein Mandant von Beginn an echte Reue gezeigt habe und stets Auskunft gegeben habe. Auch deshalb soll die von der Staatsanwaltschaft geforderte bedingte Freiheitsstrafe von 18 auf sechs Monate gesenkt werden und eine Busse verhängt werden.

Forderung von Genugtuungen

Die Staatsanwaltschaft anerkennt die Kooperation des Beschuldigten. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass zwei Personen verstorben sind. Die Anwälte der Opfer verlangen neben der bedingten Freiheitsstrafe eine Genugtuung für die Hinterbliebenen: Der Pannenhelfer hinterliess eine Ehefrau, seine Eltern und einen Bruder, der Lieferwagenfahrer eine Frau und fünf Kinder. Diese Genugtuungszahlungen anerkennt die Verteidigung.

Besonders die Familie des Pannenhelfers leidet bis heute sehr stark. Ihr Anwalt sagt: «Sie konnten heute nicht an den Prozess kommen. Sie hatten Angst, das nicht gut zu überstehen.» Bekannte des jungen Mannes waren im Saal anwesend. Nicht alle konnten ihre Tränen zurückhalten.

Im Schlusswort sagte der Beschuldigte, es sei schwierig, seine Gefühle zu beschreiben. Er hoffe, die Familien der Opfer könnten in Zukunft trotz der Lebenssituation wieder schöne Momente erleben.

Das Kreisgericht Wil verurteilt den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Es folgt damit den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Zudem wurde die Genugtuung für die Familienmitglieder der beiden Opfer festgelegt. Es sind dies Beträge von 3000 bis 20'000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Ehefrau des toten Lieferwagenfahrers bekam eine Genugtuung von 10'000 Franken zugesprochen. Der Anwalt sagt dazu (im Video ganz oben): «Ich hätte mir mehr erhofft. Ein Leben ist mehr wert als 10'000 Franken.»

* Name der Redaktion bekannt

(mig)

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