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«Zürich philosophisch»: Weshalb die Neujahrsvorsätze schnell wieder Schnee von gestern sind

Neujahrsvorsätze sind schwierig einzuhalten. Unsere Philosophinnen Patrizia Hausheer und Vanessa Sonder fragen sich, weshalb der Wunsch, sich zu ändern, ausgerechnet am Jahresende auftaucht.

Wie lange halten die Zürcherinnen und Zürcher ihre Neujahrsvorsätze ein? Jogger an der Limmat.

Wie lange halten die Zürcherinnen und Zürcher ihre Neujahrsvorsätze ein? Jogger an der Limmat.

Annick Ramp / NZZ

Der Jahreswechsel liegt hinter uns, und allmählich kehrt wieder die Normalität ein. Als ich Patrizia kurz vor Weihnachten das letzte Mal sah, sassen wir bis tief in die Nacht in meiner Küche und hörten Musik. Jetzt sitze ich wieder in der Küche und frage mich, wie es ihr wohl im neuen Jahr geht. Ich wähle ihre Nummer.

Patrizia Hausheer: Hey, hallo! Schon lange nicht mehr gehört!

Vanessa Sonder: Stör ich dich?

P: Eigentlich schon – ich wollte gerade meinen Neujahrsvorsatz umsetzen: mehr joggen . . .

V: Du machst dir Vorsätze? Das wusste ich gar nicht. Ich fasse nie welche.

P: Klar! Ich möchte das Jahr jeweils neu beginnen.

V: Neu? Es beginnt doch alles wieder von vorne. Die gefühlte Aufbruchstimmung, so fulminant sie auch anhebt, so rasch ebbt sie wieder ab – nämlich über Nacht.

P: Rate mal, wie oft ich diesen Vorsatz schon gefasst habe . . .

V: Eben – warum tust du es dann immer wieder? Viele haben bereits jetzt, kaum hat das Jahr begonnen, wieder von ihren Vorsätzen abgelassen.

P: Weshalb ist es nur so schwierig, Vorsätze einzuhalten? Hat man etwa keine Macht über sich selbst?

V: Gewohnheiten aufzubrechen, braucht enorme Überwindung. Der einzige Weg, sich von ihnen zu befreien, führt vermutlich darüber, neue Gewohnheiten an ihre Stelle zu setzen. Quasi blind Dinge zu wiederholen, einzuüben. – Aber warum überhaupt der Wunsch, sich zu ändern?

P: Weil man dazu – zu dieser Freiheit – verdammt ist? Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht. Er ist sozusagen gezwungen, sich in eine offene Zukunft zu entwerfen. Im Sinne Sartres: Existieren heisst sein eigenes Leben schaffen.

V: Einverstanden, aber bedeutet Existieren in diesem Sinne, dass man sich fortwährend ändern muss? Mir scheint manchmal der Drang nach Veränderung eher eine Flucht vor sich selbst zu sein, eine anhaltende Verneinung von dem, was ist.

P: Aber was ist man? Wir haben uns nicht selbst erschaffen – das ist das Problem. Der Existenzialist würde sagen: «L’existence précède l’essence» – unsere Existenz geht unserem Wesen voraus. Wir existieren, ohne zu wissen, warum und wofür. Den Lebenssinn müssen wir uns selber erschliessen.

V: Brauchen wir denn einen Sinn im Leben?

P: Ich sag’s mal so: Eine Richtung hat unser Leben so oder so, weil wir in die Welt geworfen sind und dann für alles, was wir tun, verantwortlich sind.

V: Jahr für Jahr wähnen wir uns am Anfang einer neuen Zeit. Dabei ist es jedes Jahr dasselbe, inklusive Vorsätze. Das Leben ist eine «ewige Wiederkehr des Gleichen», wie Nietzsche es fasst. «Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht.»

P: Vanessa, ich . . .

V: Dieses Zyklische anzunehmen, ist im Grunde die höchste Form, das Dasein, das Leben zu bejahen.

P: Sorry, ich unterbreche dich ungern, aber ich will jetzt wirklich los – bevor es dunkel wird.

V: Kein Problem. Ruf mich an, wenn du wieder zurück bist.

Zehn Minuten später. Mein Handy klingelt. Zu meinem Erstaunen ist es Patrizia.

V: Schon zurück?

P: Ähm, ja, es ist heute nicht so der Tag zum Joggen, zu kalt . . .

V: 2021 dann . . .

Stadtleben

Wer bin ich, und was soll das alles? Was ist so typisch zürcherisch, dass man es unbedingt behalten muss – und sei es nur in der Erinnerung? Antworten geben zwei neue samstägliche Kolumnen: «Zürich philosophisch» und «Zürcher Inventar». Sie erscheinen jeweils im Vierwochenrhythmus. Mit den schon länger bestehenden Kolumnen «Nachtfalter» und «Wir Stadttiere» bilden sie ein Quartett zum Thema Stadtleben. Hier geht es zu allen erschienenen Kolumnen.

Die Philosophinnen Patrizia Hausheer (links) und Vanessa Sonder.

Die Philosophinnen Patrizia Hausheer (links) und Vanessa Sonder.

Annick Ramp / NZZ

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