Switzerland

Zürich hat die Schulhausplanung verschlafen, deshalb braucht es noch länger Pavillon-Provisorien

Jedes Jahr muss die Stadt Zürich sechs bis sieben provisorische Schulbauten des Typs Züri-Modular aufstellen. Der Gemeinderat hat diese pflichtschuldig auch jetzt wieder bewilligt, er hofft jedoch, dass sich die Situation dank neuer Schulhausbauten bald entspannt.

Im Quartier Affoltern musste eine ganze Serie von Provisorien erstellt werden, um den Mangel an Klassenzimmern zu beheben.

Im Quartier Affoltern musste eine ganze Serie von Provisorien erstellt werden, um den Mangel an Klassenzimmern zu beheben.

Karin Hofer

Die provisorischen Schulbauten haben in Zürich eine lange Tradition: Kurz nach 1900 kaufte die Stadt Holzbauten als Klassenzimmer, die eigentlich als behelfsmässige Spitäler konzipiert waren. Später entwarfen die Stadtbaumeister Fissler und Steiner eigenhändig Barackenbauten, um zusätzliche Schulräume zu schaffen. Wie langlebig solche Provisorien in Zürich sein können, zeigt das Beispiel der ältesten Schulbaracke, die 1904 nach Zürich kam und erst vor drei Jahren dem Neubau der städtischen Siedlung Hornbach weichen musste.

Kritisierte Erfolgsgeschichte

Seit gut zwanzig Jahren kommt nun das Modell Züri-Modular zum Einsatz, das vom Büro Bauart Architekten erfunden und später weiterentwickelt worden ist. Die Einzelteile für die zwei- bis dreistöckigen Bauten aus Holz werden in der Fabrik der Firma Blumer Lehmann in Gossau gefertigt und anschliessend auf dem Bauplatz zusammengesetzt. Diese Art des Bauens spart vor allem Zeit: Braucht es für ein Schulhaus im Schnitt zehn Jahre bis zur Eröffnung, sind es bei einem Züri-Modular-Bau etwa zwei.

Die Züri-Modular-Bauten sind eine Erfolgsgeschichte, und dennoch wird bei deren Beschaffung regelmässig auch Kritik laut. Meist wird den städtischen Behörden vorgeworfen, dass sie Planung und Bau von neuen Schulhäusern verschlafen hätten und dies nun mit den provisorischen Bauten kaschierten. Tatsächlich stehen in der Stadt Zürich bereits 71 Züri-Modular-Bauten – nebst 120 normalen Schulanlagen. Für 7 weitere hat der Zürcher Gemeinderat am Mittwoch die Baukredite von jeweils knapp 3 Millionen Franken gesprochen.

Im Grundsatz waren die Provisorien kaum bestritten; deren Bedarf ist ja auch ganz klar ausgewiesen. Die Prognosen zeigen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler (Kindergarten und Volksschule) von gut 33 000 im derzeitigen Schuljahr auf gegen 40 000 im Schuljahr 2027/28 steigen dürfte. Allein im Schulkreis Letzi im Westen der Stadt rechnet man mit einer Zunahme von 1470 Schülern, was etwa 33 Prozent entspricht.

Es braucht die Pavillons also noch, aber richtig begeistern konnte sich auch niemand für sie. Man habe eine richtige Hassliebe ihnen gegenüber, sagte etwa Balz Bürgisser von den Grünen. Das zentrale Problem sei, dass sie auf Pausen- und Sportplätze oder andere Freiräume gestellt würden. Man werde aber zähneknirschend zustimmen.

Ähnlich tönte es von den andern Parteien. Letztlich stimmten ausser der SVP alle den Krediten zu, was auch dadurch erleichtert wurde, dass die Beschaffung neuer ZM-Modular-Bauten vielleicht bald nicht mehr nötig sein wird. Die Stadt verspreche hoch und heilig, dass man sie ab 2027 allmählich abbauen könne, sagte Bürgisser. «Schön wär's», fügte er an. Auch die SP lobte den «Turnaround», die neue «Schulraumoffensive», dank der bald mehrere Projekte für neue Schulhäuser beraten werden können. «In nächster Zukunft dürfte sich die Situation entspannen», sagte Ursula Näf.

Strittig war noch, wer für den Turnaround verantwortlich zeichnet. Die SP wollte ihren Bauvorsteher André Odermatt unbedingt miterwähnt haben, doch SVP und FDP betonten, dass dies einzig dem FDP-Schulvorsteher Filippo Leutenegger zu verdanken sei, der seit 2018 neue Schulhausprojekte aufgegleist und so richtig Gas gegeben habe. Sogar der AL-Vertreter Walter Angst empfahl der SP, die Rolle ihres Stadtrats beim Turnaround nicht zu stark zu betonen. Dieser war ja tatsächlich schon in jener Zeit fürs Bauen zuständig, als die Schulraumplanung verschleppt wurde.

«Enger, dichter, grauer»

Allzu sehr frohlocken über eine mögliche Wende mochte auch Stefan Urech von der SVP nicht. Man müsse in den nächsten Jahren über eine Milliarde Franken für neuen Schulraum ausgeben, um das enorme Bevölkerungswachstum bewältigen zu können. «Es wird noch enger und dichter und grauer», sagte er. Mehrere andere SVP-Vertreter äusserten sich in ähnlicher Art und verwiesen im selben Atemzug auf die Begrenzungsinitiative, über die am Wochenende abgestimmt wird.

Mit einem Postulat wollte die SVP erreichen, dass geplante Neuerungen und Verbesserungen der ZM-Pavillons vorläufig zurückgestellt und zunächst in einem Pilotversuch getestet werden. Es geht um die Optimierung des Sonnenschutzes und dickere Wände, um die Dämmung zu verbessern. Stefan Urech fragte sich, warum es überhaupt Änderungen brauche, die zu Mehrkosten von je 130 000 Franken führen würden. Klagen von Lehrern und Schülern habe er jedenfalls keine gehört. «Es geht doch einfach darum, aus einem Mercedes einen Tesla zu machen.»

Dem widersprach Stadtrat und Schulvorsteher Filippo Leutenegger heftig: In jenen Pavillons, die direkt der Sonne ausgesetzt seien, herrsche im Sommer ein Klima wie in der Sauna. Wenn man die Situation für die Schülerinnen und Schüler verbessern könne, müsse man dies auch tun. Der Gemeinderat lehnte das SVP-Postulat am Ende mit 79 zu 32 Stimmen klar ab. Das alljährliche «Ritual» zur Bewilligung der Schulpavillons, wie es die SP nannte, war damit vollzogen. Immerhin aber stimmen die Aussichten für die nächsten Jahre zuversichtlicher als auch schon.

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