Switzerland

Zürcher Stadtärztin Gabriela Bieri: «Gegenüber der ersten Welle gibt es nun beim Pflegepersonal sehr viel mehr Infizierte»

Eigentlich sollten Pflegende bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion in Quarantäne sein. Doch was tun bei Personalmangel? Die Zürcher Stadtärztin Gabriela Bieri rechnet damit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Isolation aufzubieten.

Eine Pflegerin bereitet Gaze vor im Alterszentrum Herzogenmühle in Zürich.

Eine Pflegerin bereitet Gaze vor im Alterszentrum Herzogenmühle in Zürich.

Christian Beutler / Keystone

Frau Bieri, wegen personeller Engpässe sollen in einem Effretiker Alterszentrum Pflegende arbeiten, die Kontakt mit Sars-CoV-2-Infizierten hatten und in Quarantäne sein sollten. Was halten Sie davon?

Wir müssen unsere Dienstleistungen aufrechterhalten können. Auch wir haben viele Personalausfälle. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zürich diese Möglichkeit ebenfalls punktuell nutzen werden.

Offenbar wäre das schon während der ersten Welle möglich gewesen.

Bereits im Frühling schlug das Nationale Zentrum für Infektionsprävention vor, bei Personalknappheit in Spitälern und Altersheimen Fachleute aus der Quarantäne aufzubieten. Bund und Kantone setzten die Empfehlung aber nicht um. Inzwischen sieht der Kanton Zürich diese Möglichkeit vor. Die Aufhebung der Quarantäne gilt nur während der Arbeitszeit.

Gäbe es andere Möglichkeiten bei Personalengpässen? Zum Beispiel das Militär?

Es bestünden andere Möglichkeiten. Bereits während der ersten Welle versuchten wir militärische Unterstützung zu erhalten. Aber das Militär kommt nur im Spital zum Einsatz. Wir setzten Zivilschützer ein, das war aus verschiedenen Gründen nicht ideal. Momentan intensivieren wir die Rekrutierung von zusätzlichem Personal, auf unsere Inserate sind innert wenigen Tagen 60 Bewerbungen eingegangen. Die Aufhebung der Quarantäne, die wir natürlich nicht gerne ins Auge fassen, betrifft nur Einzelfälle. Es müssen Pflegekräfte ohne Symptome sein, die für den Betrieb sehr wichtig sind. Um sie einzusetzen, müssen die Heime zuerst beim Kanton begründen, weshalb sie Leute aus der Quarantäne aufbieten wollen und wie hoch die Zahl der Ausfälle ist.

Gabriela Bieri, Direktorin der Stadtzürcher Pflegezentren.

Gabriela Bieri, Direktorin der Stadtzürcher Pflegezentren.

PD

Wie angespannt ist die Situation in den Stadtzürcher Pflegeheimen?

Häuser mit Covid-19-Ausbrüchen können recht schnell an ihre Grenzen kommen. In einem Haus haben wir einen Ausbruch mit mehreren Bewohnern. In zwei Häusern hatten wir bis jetzt nur einen einzigen Fall.

Wie sieht es bei den Pflegenden aus?

Wir haben viele Pflegende, die sich angesteckt haben – wie es überall in der Bevölkerung der Fall ist. Gegenüber der ersten Welle gibt es nun generell sehr viel mehr Infizierte, auch beim Personal.

Ist es nicht gerade in der momentanen Situation grobfahrlässig, Mitarbeitende aus der Quarantäne an die medizinische Front zu schicken?

Wir gehen davon aus, dass die Schutzmassnahmen nützen. Es sind dieselben wie jene, die in den Covid-19-Abteilungen gelten. Dazu gehören Händehygiene und das Tragen von Masken. Ausgebildete Fachpersonen setzen die Schutzvorkehrungen und Hygienemassnahmen konsequent um. So lässt sich die Übertragung des Virus minimieren. Schaut man sich aber im Zug um, sieht man kaum Profis im Maskentragen. Die allerwenigsten desinfizieren sich die Hände, bevor sie die Maske aufsetzen.

Schützt sich nur das Gesundheitspersonal richtig?

Das ist genau der Grund, weshalb das Zentrum für Infektionsprävention bei Engpässen erlaubt, Fachleute aus der Quarantäne aufzubieten. Im Moment sind gut 20 Prozent der Tests positiv. Bis das Testresultat da ist, gehen alle in Quarantäne, die Kontakt mit der betroffenen Person hatten. Acht von zehn Menschen gehen also umsonst in Quarantäne.

Weshalb sollten also Angehörige, die bloss ein Verdachtsfall sind, aber die Masken fachgerecht tragen, nicht auch ins Heim kommen dürfen?

Im Unterschied zu den Angehörigen übt unser Personal seit Anfang März, wie mit Masken umzugehen ist. Weil es bei den Angehörigen nicht immer funktioniert, haben wir aufgehört mit Besuchen auf den Zimmern. Wir erlauben Besuche nur noch im öffentlichen Bereich. Angehörigen, welche die Maske unter der Nase tragen oder unters Kinn gezogen haben, erklären wir, worauf es zu achten gilt.

Nächste Woche wird Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli neue Anordnungen für die Alters- und Pflegeheime kommunizieren. Welche Verschärfungen erwarten Sie?

Es wird um Anpassungen des Schutzkonzepts gehen.

Ist mit einem Besuchsverbot zu rechnen?

Das glaube ich nicht.

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