Switzerland

Zürcher ergattern innert weniger Stunden 180 000 Impftermine. Doch die Behörden sagen: «Bis zu einer Herdenimmunität ist es noch ein weiter Weg»

Die Impfbereitschaft schnellt im Kanton Zürich in die Höhe. Trotzdem planen die Behörden eine neue Kampagne.

Der Betrieb in den Zürcher Impfzentren soll in den nächsten Wochen markant ausgebaut werden.

Der Betrieb in den Zürcher Impfzentren soll in den nächsten Wochen markant ausgebaut werden.

Christoph Ruckstuhl / NZZ

Die Waadt hat es gemacht, Bern und Uri auch, und nun ist es auch im Kanton Zürich so weit. Seit Freitagmorgen können sich alle Personen über 16 Jahre für eine Impfung gegen das Coronavirus anmelden. Zeitgleich hat die Zürcher Gesundheitsdirektion 180 000 Termine für Ende Mai und Anfang Juni auf der Anmeldeplattform aufgeschaltet.

Schon nach sechs Stunden meldete der Kanton: ausgebucht. Sämtliche neuen Termine seien reserviert. Zeitweise hatten mehrere zehntausend Personen auf das System zugegriffen, um einen der begehrten Termine zu ergattern. Patrick Borer, Sprecher der Zürcher Gesundheitsdirektion, sagt: «Da wir die Freischaltung bewusst nicht im Voraus angekündigt hatten, hat sich der Ansturm etwas über den Vormittag verteilt.» Er zieht denn auch eine positive Bilanz. «Die Impfbereitschaft ist erfreulich, und das System hat dem Ansturm standgehalten.»

Bereits am Mittwoch hatte die Gesundheitsdirektion 50 000 Termine an über 50-Jährige vergeben. «Das bringt unsere Impfaktion ein grosses Stück weiter», sagt Borer. Der Erfolg kommt gerade rechtzeitig, denn bis jetzt bildet Zürich noch immer das landesweite Impfschlusslicht.

In Zürich sind nur 8 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft

Anteil der geimpften Personen nach Kanton, in Prozent

0102030UriAppenzell-I.NeuenburgGenfAppenzell-A.Basel-Landsch.ZugTessinGlarusSchaffhausenGraubündenWallisSolothurnObwaldenAargauNidwaldenWaadtSt. GallenBernLuzernThurgauJuraBasel-StadtSchwyzFreiburgZürich

Absichtlich auf Vorankündigung verzichtet

Abgesehen vom Verzicht auf eine Vorankündigung trafen die Behörden keine weiteren Vorkehrungen. Borer hält fest, es habe keine wesentlichen Probleme gegeben. Der Ansturm brachte die digitale Infrastruktur am Freitagmorgen zwar zeitweise an die Belastungsgrenze, doch sie hielt. Insbesondere der SMS-Dienst ächzte unter den zahlreichen Besuchern so stark, dass die Eingabe des SMS-Codes zum Einloggen zeitweise ausgeschaltet werden musste. Auch die SMS mit der Bestätigung der beiden Impftermine verspäteten sich.

Dafür waren die Webserver der Last gewachsen – ganz anders als im Kanton Bern, der für die Terminbuchung ebenfalls die Plattform VacMe einsetzt. Nachdem Bern am Mittwoch die Impftermine für die über 18-Jährigen freigegeben hatte, waren die Server unter der Last der vielen Anfragen zusammengebrochen. Um dies zu verhindern, hatte Zürich eine digitale Warteschlange im Einsatz, die nur eine bestimmte Anzahl Nutzer gleichzeitig auf die Buchungsplattform liess.

Für Kritik sorgt die digitale Oberfläche der eigentlichen Buchungsplattform. Sie ist so benutzerunfreundlich konzipiert, dass sie manchen zum Verzweifeln brachte.

So fehlt insbesondere eine Übersicht, an welchen Standorten es überhaupt noch freie Termine gibt. Erst nach dem Auswählen eines der 137 Standorte erscheint die Mitteilung: «In diesem Impfzentrum gibt es aktuell keine freien Termine.» Eine Übersicht der Tage, an denen im gewählten Impfzentrum noch freie Termine verfügbar sind, gibt es ebenfalls nicht. Wer nach einem freien Impftermin suchte, musste deshalb am Freitag in erster Linie rasch klicken können.

Patrick Borer sagt, man habe sich bei der Übernahme der Anwendung vom Kanton Bern aufs Wesentliche konzentrieren müssen. «Ja, man könnte es benutzerfreundlicher machen, und wir analysieren das auch gemeinsam mit den Tool-Entwicklern, aber das Tool erfüllt seinen Zweck.»

Bis zu 30 000 Impfungen pro Tag

Mit den zusätzlichen Terminen wird sich die Impfkampagne im Kanton Zürich stark beschleunigen. Für eine volle Auslastung der Impfzentren und der Apotheken genügt der vorhandene Impfstoff aber noch immer nicht. Anfang der Woche wurden im Kanton 9500 Personen geimpft, am Donnerstag und am Freitag waren es je rund 14 000 Injektionen. Bis am Donnerstagabend sind im Kanton insgesamt fast 460 000 Impfungen verabreicht worden.

Laut Angaben der Gesundheitsdirektion wird die volle Auslastung Anfang Juni erreicht sein. Das sei jedoch abhängig davon, ob die angekündigten Impfstoffmengen tatsächlich ausgeliefert würden. Klar ist: Dann wird Zürich auch die Öffnungszeiten der Zentren erweitern. Bis zu 30 000 Impfungen am Tag sollen dann möglich sein.

Zusätzliche Kampagne geplant

Stark zugenommen hat in der Zwischenzeit auch die Zahl der impfwilligen Zürcherinnen und Zürcher. Hatte sich die Zahl der Registrierungen bis letzte Woche bei rund einer halben Million eingependelt, ist sie laut Angaben der Gesundheitsdirektion inzwischen auf rund 750 000 Personen hochgeschnellt. Um die Impfbereitschaft weiter zu erhöhen, planen die Zürcher Behörden nun eine neue Kampagne. «Die Impfbereitschaft ist gut, aber bis zu einer Herdenimmunität ist es noch ein weiter Weg», sagt Patrick Borer.

Seit dieser Woche können sich die Zürcherinnen und Zürcher auch in der Apotheke impfen lassen. In Apotheken wird nur der Moderna-Impfstoff verabreicht. Weil dieser bis jetzt nur für Personen ab 18 Jahren zugelassen ist, müssen sich 16- und 17-Jährige im Impfzentrum anmelden. Dort gibt es das Vakzin von Pfizer/Biontech. Für den Mai haben die Apotheken 36 000 Impfdosen zugesprochen erhalten.

Ihre volle Kapazität schöpfen die Apotheken aber erst im Juni aus, wie der Präsident des Zürcher Apothekerverbands, Lorenz Schmid, sagt. Ab dann würden sie pro Monat 75 000 bis 80 000 Impfungen vornehmen. Insgesamt beteiligen sich 160 Apotheken im Kanton am Impfprogramm.

Die Hausärzte verabreichen derweil noch die letzten Impfdosen der Zweitimpfungen, die sie für den Mai erhalten haben. Wie es danach weitergeht, ist offen. Noch sei unklar, wie viele Hausärztinnen und -ärzte sich danach beteiligen würden, sagt Josef Widler, der Chef der Zürcher Ärztegesellschaft, auf Anfrage. Man sei froh, dass man die meisten Risikopatienten habe impfen können. Doch mit den jetzigen Tarifen werde man nicht mit den Impfungen fortfahren. «Auch mit einer Krankenkassenabgeltung von 33 Franken für unter 65-Jährige schreiben Praxen noch rote Zahlen», sagt Widler.

Diese Tarife gelten noch bis Ende Juni. Ab dann würden die Ärzte pro Impfung 16 Franken 50 erhalten. «Alleine die Administration kostet schon mehr, als man uns zahlt», sagt Widler. Es könne gut sein, dass die Hausärzte im Herbst für die Auffrischung der Impfungen wieder zum Zuge kommen würden. Dafür benötigten die Ärzte aber einen «anständigen Tarif», findet Widler.

Impftempo bleibt konstant

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