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Zur Zukunft der Freiheit in Zeiten der Krise

Naturkatastrophen wie Stürme, Erdbeben oder Pandemien gehören zum Leben der Menschen dazu. Sie passieren unabhängig des vorherrschenden politischen oder wirtschaftlichen Systems. Die Reaktionen und Auswirkungen solcher Schocks können jedoch je nach Ordnungsrahmen völlig unterschiedlich sein. Während beispielsweise bei Erdbeben und Überschwemmungen in ärmlichen Ländern regelmässig ganze Existenzen vernichtet werden, wurden unzählige Menschenleben in den tendenziell marktwirtschaftlicheren und daher wohlhabenderen Ländern durch den Bau stabilerer Häuser und Dämme gerettet.

Die Gefahr der aktuellen Pandemie besteht über die Tragik und das Leid der Betroffenen hinaus darin, dass sie zum Anlass für eine Abkehr von erfolgserprobten Prinzipien genommen werden könnte. Zwar findet schon seit geraumer Zeit eine Distanzierung von den Tugenden des Liberalismus statt. Die derzeitige Krise könnte diese schädliche Entwicklung jedoch noch beschleunigen. Nachfolgende Klischees, die bereits jetzt in die Debatten eingebracht werden, dürften dabei unter anderem eine Rolle spielen.

Es wird nun behauptet, die Globalisierung sei gefährlich, weil sie einem sich ausbreitenden Virus nichts entgegenzusetzen habe. Es bedürfe nun einer Rückbesinnung auf eine autarkische Produktion. Diese Forderung ignoriert jedoch die Kernursache für den unglaublichen Wohlstandsschub, der in den letzten 50 Jahren den Anteil jener Menschen, die in extremer Armut leben, von rund 50 Prozent auf weniger als 10 Prozent reduzierte: die internationale Arbeitsteilung. Greift der Protektionismus und die Abschottung von internationalen Lieferketten nach der Krise vermehrt um sich, dürfte dies aufgrund der weltweiten Wohlstandsvernichtung unzählige Menschen zurück in die Armut katapultieren und wesentlich mehr Todesopfer als die aktuelle Pandemie fordern.

Anstatt die weltweiten Marktkräfte nach optimalen Lösungen suchen zu lassen, die Ausfälle bei Produktionsstandorten flexibel an anderen Orten, mit anderen Materialien oder durch andere Methoden kompensieren könnten, erhofft man sich naiverweise Lösungen durch mehr staatliche Planung, Kontrolle und die Einschränkung der Wahlfreiheit.

Ins andere Extrem gehen Forderungen nach einer Verstärkung der internationalen Kooperation. So schreibt etwa der Historiker Yuval Noah Harari, dass Regierungen, die nur ihr eigenes Ding durchziehen, das Chaos und die Krise verschärften: «Wir brauchen einen globalen Plan, und wir brauchen ihn schnell.» Auch wenn internationaler Austausch wissenschaftlicher Ideen wünschenswert ist, tendiert ein globaler Plan jedoch rasch dazu, eine globale Behördenstruktur mit Weisungs- und Kontrollbefugnissen zu stärken – also eine Art WHO-Weltregierung.

Das Problem solcher Einrichtungen ist einerseits das vom Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek beschriebene Wissensproblem: Einer zentralen Stelle, die nur aus wenigen Köpfen besteht, fehlt es an den nötigen Informationen, um eine optimale Strategie zur Bewältigung eines Problems zu implementieren. Diese kann sich nur auf dem freien Markt – also unter Nutzbarmachung aller Köpfe – im Wettbewerb der Ideen herausbilden, in welchem Versuch und Irrtum möglich sind und sich die besten Lösungen durch Nachahmung durchsetzen können. Andererseits wird die Macht bei solchen zentralistischen Institutionen regelmässig missbraucht, um die Freiheitsrechte der Bürger auszuhöhlen – mit gravierenden Konsequenzen.

Anstatt auf noch mehr Zentralismus, sollten wir vielmehr vermehrt auf Märkte und Dezentralität setzen, weil das die rasche und unbürokratische Anpassungsfähigkeit im Krisenfall erhöht. Das gilt auch für das Gesundheitswesen, welches unter einer voranschreitenden Kollektivierung in den letzten Jahrzehnten gelitten und an Resilienz eingebüsst hat. So wurden Drittzahlern selbst jene Kosten aufgehalst, die fast jeder selbst hätte bezahlen können, was die Prämien aufgrund der staatlichen Fehlanreize explodieren liess. Vielmehr sollte man sich wieder auf die Versicherung grosser Risiken konzentrieren, damit die Kosten nicht überborden und man für den Ernstfall gewappnet ist.

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