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Zugreisen in Europa: Start-Up sagt SBB-Ticketknorz den Kampf an

Zugreisen per Handy buchen: Noch ist dies für die Kundinnen oft alles andere als einfach. bild: shutterstock

Zugreisen in Europa: Start-Up sagt SBB-Ticketknorz den Kampf an

Das Zürcher Start-up Simpletrain will Zugtrips ins Ausland leichter machen. Die Buchungsplattform für ausgefallene Bahnreisen will trotz Corona durchstarten. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Bei den SBB geht Digitalisierung bei internationalen Ticketverkäufen auch im 2021 so: «Für eine Preisauskunft oder eine definitive Bestellung melden Sie sich im SBB Contact Center oder an einer Verkaufsstelle». Diese Meldung erscheint bei Kundinnen und Kunden im Online-Ticketshop, die etwa Ende Mai eine Reise von Bern nach Budapest buchen wollen. Auf der Seite der österreichischen Bahnen ÖBB ist die Verbindung hingegen ohne Probleme buchbar.

Wer bei den SBB ein Ticket nach Ungarn buchen will, kann dies online nicht tun. printscreen

Das wissen aber längst nicht alle Reisenden. «Viele Leute glauben nach wie vor, dass Europareisen mit dem Zug sehr kompliziert und teuer sind. Das muss nicht sein», sagt Marius Portmann.

Das kann die neue Buchungs-Plattform

Der Zürcher Jungunternehmer gibt Gegensteuer. Zusammen mit weiteren Bahn-Enthusiasten hat er Anfang April das Schweizer Zugreisen-Buchungsportal Simpletrain lanciert. Ihr Ziel: möglichst viele Menschen für Bahnreisen zu motivieren und die Buchung von internationalen Zugtickets radikal zu vereinfachen.

Mit Simpletrain lassen sich Reisen an exotische Bahn-Destinationen wie Rumänien buchen. Bild: Shutterstock

Nutzerinnen können mit wenigen Klicks Reisen an exotische Zugdestinationen – etwa das rumänische Transsilvanien – buchen. «Die mühsame Sucherei auf verschiedensten Buchungsseiten soll ein Ende haben», so Portmann. Via Chat-Funktion können die Reiselustigen direkt mit den Mitarbeiterinnen kommunizieren. Ganz ohne Wartezeit geht es aber nicht. Innert 24 Stunden erhalten die Kunden in der Regel das elektronische Ticket.

Marius Portmann. bild: Zvg

Das Projekt hat Portmann 2019 mit einer Facebook-Seite gestartet. Im ersten Jahr konnte er über 500 Reisen in 35 Länder verkaufen. «Wir sind vom Ansturm total überrascht worden», sagt der 22-jährige Zürcher Student. Damals profitierte er vom grossen Zugboom wegen der Klima-Bewegung. Dann kam Corona. Davon lassen sich die ÖV-Fans nicht unterkriegen.

Grosse Online-Konkurrenz

Das Handwerk hat Portmann früh gelernt. Ob für den grossen Wandertrip durch Schottland oder für die alljährliche Fussballreise: Stets sei es seine Aufgabe gewesen, die Anreise mit dem Zug zusammenzustellen. Nun hat der Student in Soziologie und Umweltwissenschaften sein Hobby zum (Teilzeit-)Job gemacht. Mit Erfolg: So unterstützt der Migros-Pionierfonds das Unternehmen, das mit einer kleinen Buchungsgebühr sein Geld verdienen will.

Die Konkurrenz schläft aber nicht. In Europa preist Ticket-Anbieter Trainline Online-Zugbillette quer durch den Kontinent an. Was macht Simpletrain anders? «Wer eine möglichst schöne Route fahren will oder ein Velo dabei hat, ist bei uns sicher besser aufgehoben. Wir können auf ausgefallene Sonderwünsche eingehen», so der ÖV-Fan.

Die Bahn-Enthusiasten hoffen nun, dass die Corona-Beschränkungen wegfallen und Zugreisen bald wieder boomen. «Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Nachfrage rasch zunimmt, wenn eine Destination ohne grössere Einschränkungen erreichbar ist», sagt Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern. Digitale Buchbarkeit über Smartphones werde dabei immer wichtiger und sei entscheidend für den Erfolg.

Das wissen auch die SBB. Deren Chef Vincent Ducrot hat das internationale Ticketing jüngst im watson-Interview als «Schwachpunkt» bezeichnet und einmal mehr Verbesserungen angekündigt. «Wir arbeiten hart an Verbesserungen.» Das Problem sei, dass jedes Land andere Bahn-Philosophien habe.

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