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Zug ist erstmals seit 23 Jahren wieder Meister: «Es ist wie in einem Film»

Zug ist erstmals seit 23 Jahren wieder Meister: «Es ist wie in einem Film»

Der EV Zug ist zum zweiten Mal nach 1998 Schweizer Eishockey-Meister. Die Zentralschweizer gewinnen auch Spiel 3 des Playoff-Finals gegen Genève-Servette, diesmal 5:1.

Zweimal Grégory Hofmann und Carl Klingberg schiessen den Eissportverein Zug zum lang ersehnten, akribisch geplanten und deshalb auf der ganzen Linie verdienten Meistertitel, das 4:1 und 5:1 sind nur noch Zugabe. Die Entscheidung fällt im Schlussdrittel nach einem der seltenen Abwehrfehler der Genfer. Gregory Hofmann zündet in der 49. Minute den Turbo, enteilt Roger Karrer und bezwingt Goalie Daniel Manzato technisch brillant. Hofmann gegen Karrer – ein Duell wie TGV gegen Döschwo, und für Hofmann nach dem einzigen Tor im Spiel 1 und dem 1:0 am Freitagabend bereits der dritte Treffer in diesem Final.

Nur 19 Sekunden macht Carl Klingberg mit dem 3:1 in Überzahl den Deckel drauf. Der stämmige Schwede lenkt direkt vor Manzato einen der gefährlichen Schüsse von Raphael Diaz ab. Für den nach Freiburg abwandernden Captain ist es der dritte Assist auf die genau gleiche Art. Darauf können die Genfer nicht mehr reagieren.

Die Stimmen zum Zug-Titel:

Grégory Hofmann (Stürmer EVZ):

«Es ist ein unglaubliches Gefühl – was für eine Truppe, was für eine Saison, was für ein Team. Ich habe in Zug unterschrieben, um den Pokal zu holen. Letztes Jahr konnten wir das nicht wegen der Pandemie. In diesem Jahr hat es nun geklappt. Beim zweiten Tor komme ich gleich von der Bank und ich dachte, das ist meine Chance.»

mysports

Raphael Diaz (Captain EVZ):

«Es fühlt sich unglaublich an. Vor allem hier, in Zug. Es war immer sehr knapp. Wir haben alle von diesem Moment geträumt, den Kübel nach Hause zu holen. Jetzt haben wir es geschafft, aber man realisiert es noch gar nicht. Das ist wie in einem Film. Aber es ist wunderschön! Ein riesiges Kompliment an die Mannschaft. Wir haben die ganze Saison über eine Super-Leistung gezeigt.»

Raphael Diaz: «Wir haben Charakter gezeigt und den Titel nach Hause gebracht.» Video: YouTube/MySports

Dan Tangnes (Trainer EVZ):

«Ich bin überwältigt von den Gefühlen – und soo stolz auf die Mannschaft. Es ist ein enormes Gefühl, wenn man lange auf etwas hinarbeitet und dieses Ziel dann erreicht. Als ich vor zwei Jahren den Fans den Titel versprach, ahnte ich, dass wir weitere Chancen bekommen würden.»

srf

Assistenztrainer Josh Holden: «Ich bin so stolz auf die Jungs.» Video: YouTube/MySports

Leonardo Genoni (Torhüter EVZ):

«Ich verspüre vor allem Freude! Wir haben die ganze Saison lang super für diesen Titel gearbeitet. Die nur zwei Gegentore? Natürlich freut mich das, aber es ist der Riesenverdienst der ganzen Mannschaft, die alles gegeben hat und extrem viele Schüsse blockiert hat.»

srf

Carl Klingberg (Stürmer EVZ):

«Dieser Titel bedeutet mir alles. Ich habe fünf Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Es ist einfach grandios!»

Tanner Richard (Stürmer Servette):

«Gewiss: Zug ist eine sehr gute Mannschaft. Aber für uns wäre mehr dringelegen. Natürlich waren sie sehr stark. Sie stellten in der Qualifikation einen Punkterekord auf. Aber zu stark für uns waren sie sicher nicht. Wir hatten beim 0:1 in Spiel 1 und beim 1:2 in Spiel 2, wo nur Powerplay-Tore fielen, durchaus auch unsere Chancen. Und auch das dritte Spiel war kein typisches 5:1-Spiel. Ich bin überzeugt: Wir werden zurückkommen und im nächsten Jahr nochmals eine Chance erhalten.»

srf

Servette beisst sich Zähne aus

Sie tun sich in der Meisterschaftsentscheidung sowieso äusserst schwer mit dem Tore schiessen. Der Grund ist schnell gefunden: die überragende Defensive der Zuger mit Goalie Leonardo Genoni, der seinen sechsten Meistertitel nach drei mit Davos und zwei mit Bern feiert. Zwei Gegentore (1:0, 2:1, 5:1) in einer Best-of-5-Finalserie sind Rekord. 1987 hatte das Grande Lugano gegen Kloten deren vier kassiert (6:2, 3:1, 4:0).

Drei Minuten vor Schluss erzielt Yannick-Lennart Albrecht noch das 4:1, Dario Simion trifft in den Schlusssekunden ins leere Goal, mit 3,33Toren pro Spiel ist es dennoch der torärmste Playoff-Final der Geschichte (2007 gab es zwischen Davos und Bern 3,7 Tore). Die wenigen Tore sind aber auch eine Folge zweier lange Zeit enorm solider Teams.

Auch im dritten Finalspiel neutralisieren sich die beiden Teams zum dritten Mal zu einem 0:0 nach dem ersten Drittel. Dann geht – ebenfalls wie in den ersten beiden Spielen - Zug in Führung und steht ein erstes Mal kurz vor dem Titelgewinn. Gregory Hofmann darf es nach einem schönen Durchspiel dreimal versuchen, eher er den Puck hinter Servette-Goalie Manzato versteckt. Die Führung ist verdient, denn im ersten Drittel gelingt den Genfern kaum ein gefährlicher Angriff.

Der Rückstand könnte so gesehen eine Vorentscheidung sein, er weckt aber im Gegenteil die Offensivlust der Grenats. Sie steigern sich deutlich, und kurz vor Ende des Mitteldrittels entscheidet Servettes PostFinance-Topskorer Henrik Tömmernes das Privatduell mit seinem Zuger Antipoden Jan Kovar für einmal für sich. Kovar muss für einen Bandencheck zehn Minuten auf die Strafbank, Tömmernes nützt das Powerplay zum 1:1-Ausgleich in der 39. Minute. Es ist aber nur ein Strohfeuer, am Ende gehört der Schwede mit Servette, die auch den dritten Playoff-Final nach 2008 und 2010 verlieren, zu den Verlierern.

Der Sieg fällt zwar um zwei Tore zu hoch aus, doch der Titel der Zuger ist hochverdient, nachdem sie bereits die Qualifikation wie nie ein Team zuvor dominiert hatten. Um 22:21 fliegen dann die Stöcke und Helme aufs Eis. Die Eishockey-Saison 2020/21 hat trotz Corona regulär zu Ende gespielt werden können. Das ist für das ganze Schweizer Hockey ein grosser und wichtiger Erfolg.

Das Telegramm:


50 Zuschauer. - SR Stolc/Stricker, Progin/Steenstra.
Tore: 24. Hofmann (Simion, Kovar) 1:0. 39. Tömmernes (Richard, Winnik/Ausschluss Kovar) 1:1. 49. (48:46) Hofmann 2:1. 50. (49:04) Klingberg (Diaz, Hofmann/Ausschluss Winnik) 3:1. 57. Albrecht (Klingberg) 4:1. 60. (59:20) Simion 5:1 (regeltechnisches Tor/ins leere Tor).
Strafen: 3mal 2 plus 10 Minuten (Kovar) gegen Zug, 5mal 2 Minuten gegen Genève-Servette.
PostFinance-Topskorer: Kovar; Tömmernes.
Zug: Genoni; Diaz, Stadler; Cadonau, Zgraggen; Schlumpf, Geisser; Gross; Simion, Kovar, Hofmann; Martschini, Shore, Abdelkader; Klingberg, Albrecht, Zehnder; Leuenberger, Senteler, Bachofner; Langenegger.
Genève-Servette: Manzato, Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Le Coultre; Völlmin, Kast; Guebey; Vouillamoz, Winnik, Omark; Rod, Richard, Vermin; Moy, Fehr, Miranda; Montandon, Berthon, Patry; Smirnovs.
Bemerkungen: Zug ohne Wüthrich (verletzt), Alatalo (gesperrt) und Thorell, Genève-Servette ohne Asselin (beide überzählige Ausländer), Descloux, Maurer, Mercier und Smons (alle verletzt). - Genève-Servette von 57:03 bis 59:20 ohne Torhüter. (pre/sda)

Der Liveticker zum Nachlesen:

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