Switzerland

Zehn starke Stimmen zum Weltfrauentag – Bundesrätin Viola Amherd: «Gemischte Teams sind erfolgreicher»

Im März 1911 gingen mehr als eine Million Frauen weltweit auf die Strasse. Es war eine bis dahin beispiellose Massenbewegung und die Geburtsstunde des Internationalen Frauentags, der heute weltweit am 8. März gefeiert wird. Damals protestierten Frauen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark und in den USA. Sie forderten das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. In der Schweiz wurde dies vor 50 Jahren Realität, national überall umgesetzt wurde es aber erst fast 20 Jahre später.

Auch heute, 110 Jahre nach diesem Aufstand der Frauen, zeigt sich: Es gibt noch viel zu tun. In der Medienberichterstattung sind Frauen unterrepräsentiert. In 75 Prozent aller Berichte schweizweit kommen nur Männer zu Wort. Bei BLICK liegt der Frauenanteil bei 32 Prozent. Um Frauen in den Medien sichtbarer zu machen, hat Ringier vor einem Jahr die Initiative EqualVoice lanciert. Sie hat zum Ziel, Frauen und Männer die gleiche Stimme zu geben und weibliche Rollenmodelle sichtbar zu machen. Warum das gerade – aber nicht nur – in den Medien und zum heutigen Weltfrauentag wichtig ist, sagen Schweizer Persönlichkeiten.

Viola Amherd (58), Bundesrätin und erste Verteidigungsministerin der Schweiz
«Ich setze mich seit jeher für die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen ein. In meinem Departement ist das besonders wichtig, weil es einen grossen Nachholbedarf gibt. Studien zeigen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Das will ich auch in meinem Departement nutzen und den Frauen vermehrt interessante Tätigkeiten im Sicherheitsbereich zugänglich machen und ihnen spannende Aufgaben und Karrieremöglichkeiten zeigen. Zum Internationalen Tag der Frau veröffentlichen wir den Bericht der Arbeitsgruppe ‹Frauen in der Armee›, die ich eingesetzt habe, um konkrete Massnahmen aufzuzeigen. Der Bericht ist veröffentlicht – jetzt geht es an die Umsetzung.»

Monisha Kaltenborn (49), erste Teamchefin der Formel 1
«Der Internationale Tag der Frau hat eine zukunftsweisende Bedeutung. Damit soll, mehr als sonst, eine globale Aufmerksamkeit für die Rechte der Frauen erzielt werden. Es geht um Freiheit, Toleranz, Menschenwürde und Chancengleichheit für Frauen. In unserer von Digitalisierung und Medien geprägten Gesellschaft ist EqualVoice ein wichtiges Instrument, das nicht nur über Frauen berichtet, sondern ihnen auch eine starke Kommunikationsplattform bietet. So wird verdeutlicht, dass Frauenrechte eine Verantwortung aller sind und die Förderung dieser Rechte von sozialem wie medialem Fortschritt zeugt.»

Simonetta Sommaruga (60), Bundesrätin und Medienministerin
«Medien haben eine zentrale Funktion in unserer Demokratie: Sie informieren die Öffentlichkeit und sie tragen zur Meinungsbildung bei. Das heisst, sie können auch mit Vorurteilen über Geschlechter aufräumen, indem sie Frauen nicht über ihr Äusseres definieren oder sie auf die Dekoration eines einflussreichen Mannes reduzieren. Frauen sind heute Chefinnen, Polizistinnen, Physikerinnen, Elektrikerinnen – und seit wenigen Jahrzehnten auch Bundesrätinnen! :-) In dieser Vielfalt möchten wir Frauen auch in den Medien sehen und kennenlernen.»

Christa Rigozzi (37), Moderatorin
«In diesem Jahr feiern wir eine sehr wichtige Etappe, den 50. Jahrestag des Frauenwahlrechts. Als Frau bin ich stolz, so weit gekommen zu sein, aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Es dauert viel länger, die Einstellung der Menschen als ein Gesetz zu ändern. Ich hoffe, die jüngere Generation wird für die Rechte der Frauen kämpfen. Am 8. März feiern wir den Internationalen Weltfrauentag: Wir müssen bei unseren Entscheidungen frei sein. Eine Frau sollte in der Lage sein, ihre Träume wie ein Mann zu verwirklichen. Nicht zehnmal härter dafür kämpfen müssen, nicht zuerst um Erlaubnis bitten oder automatisch nachgeben müssen. Wir verdienen die gleichen Freiheiten. Und das auch in der Medienberichterstattung. Männer und Frauen müssen in den Medien gleichwertig positioniert sein. Daher begrüsse ich EqualVoice. Es gibt mehr Frauen, über die es sich zu berichten lohnt. Zu diesem wichtigen Tag wünsche ich allen Frauen, dass sie ihre Ziele ohne Kompromisse erreichen und weiter träumen können.»

David Allemann (50), Mitbegründer On-Schuhe und Mitglied des EqualVoice Advisory Board
«Die Schweiz ist bekanntermassen eine Willensnation. Wir schöpfen unseren Erfolg aus dem persönlichen Einsatz. Und Frauen leisten gleich viel und mehr als Männer: unternehmerisch, politisch, kulturell, sozial und sportlich. Nur wenn Schweizer Medien erfolgreiche Frauen gleichwertig zeigen, schaffen wir weibliche Vorbilder für die nächste Generation und eine reichere Zukunft für die Schweiz. EqualVoice ist richtig und überfällig. Die Initiative verhindert nachlässigen Journalismus, der immer die gleichen und meist männlichen Darsteller aus der Garderobe holt.»

Niccel Steinberger (55), Autorin, Künstlerin und Lachtrainerin
«Es erstaunt mich nicht, dass der Anteil von Frauen in den Medien so gering ist, erlebe ich doch selbst, dass ich nicht mit meinem eigenen Schaffen – «LachsemiNarre», Bücher, Kunst –, sondern meist nur als Anhängsel meines Mannes in den Medien präsent bin. Erstaunlich ist, dass es dann ab und zu heisst: ‹Tritt aus dem Schatten ihres Mannes›, und ich frage mich dann, wer mich denn in diesen Schatten gestellt hat. Bevor ich mit Emil verheiratet und total unbekannt war, hatte ich mehr Presseaufmerksamkeit als ab meiner Heirat. Ich finde es sehr gut, dass die Medien so eine Ungleichheit selber feststellen und auch etwas daran ändern wollen. Zeigt, was die Frauenwelt zu bieten hat und was sie leistet und porträtiert sie in Euren Blättern! Ich bin gespannt, wie hoch der Prozentsatz nächstes Jahr ist.»

Sabine Keller-Busse (55), Chefin UBS Schweiz und Mitglied des EqualVoice Advisory Board
«Bei Genderdiversität spielen die Rahmenbedingungen eine grosse Rolle, aber auch die vielen Initiativen der Unternehmen in unserem Land. Für mich persönlich sind drei Sachen wichtig: dort ansetzen, wo man einen Hebel hat, ein langfristiges Engagement sowie das Messen der Veränderung. Und deshalb engagiere ich mich auch bei EqualVoice. Diese Initiative nimmt einen weiteren, wichtigen Aspekt auf: Rollenmodelle. Wir brauchen mehr weibliche Fach- und Führungskräfte, insbesondere in noch immer männerdominierten Bereichen. Deshalb müssen wir uns schon heute um die sogenannte «Pipeline» kümmern. Die Vision, was später aus einem werden soll, wird auch von den Medien geprägt – das gilt für Frauen wie für Männer. Indem EqualVoice Rollenmodelle sichtbar macht und bestehende Rollenbilder hinterfragt, setzt die Initiative dort an, wo sie einen Unterschied machen kann. Ein pragmatischer und wirkungsvoller Ansatz – ganz im Sinne des diesjährigen Frauenwelttag-Mottos ‹Choose to Challenge›».

Tatjana Haenni (54), Ex-Fussballerin, Direktorin Frauenfussball SFV
«Diversität sowie gleichwertige und repräsentative Zusammensetzungen von Gremien müssten heutzutage eine Normalität sein. Nicht nur weil es ein aktuelles Thema ist, sondern auch gesellschaftsrelevant, aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und mitentscheidend für grösseren Unternehmenserfolg. Die Frauensport-Berichterstattung steht bei einem sehr tiefen prozentualen Wert. EqualVoice unterstützt die Sichtbarkeit der Frauen in den Medien und schafft damit eine andere Wahrnehmung der Frauen. Damit erhalten der Frauensport und die Sportlerinnen, mehr Medienaufmerksamkeit, mehr Visibilität. Durch seriöse Berichterstattung wird die Sportart und die Person als Sportlerin anerkannt und respektiert. EqualVoice unterstützt damit alle Sportlerinnen und die Frauensportart auf dem Weg in die gleichwertige Beachtung und Unterstützung.»

Philomena Colatrella (52), CEO CSS Versicherung
«Es braucht Initiativen wie EqualVoice. Sie leisten ihren Beitrag dazu, dass Frauen in der öffentlichen Debatte besser gehört und dargestellt werden. Dazu gehört auch, mit stereotypen (Rollen-)Bildern zu brechen – im wahrsten Sinn des Wortes. Oft werden Frauen anders als ihre männlichen Kollegen porträtiert und in der Folge auch kritisiert. Jüngstes Beispiel sind die «Grossmutter»-Zuschreibungen zum Stellenantritt der neuen Direktorin der Welthandelsorganisation (WTO) Ngozi Okonjo-Iweala in anderen Medien. Mit EqualVoice werden Schlagzeilen solcher Art hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.»

Urs Berger (69), Verwaltungsratspräsident Mobiliar und Verwaltungsratsmitglied von Ringier
«Während der Corona-Pandemie ist es mir besonders stark aufgefallen: In den Medien kamen viele verschiedene Persönlichkeiten zu Wort – Patienten, Wissenschaftler, Politiker, Ärzte und viele andere. Es war frappant, wie viele davon Männer waren. Dabei gibt es mit absoluter Sicherheit ebenso viele Patientinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen und Ärztinnen, die etwas Entscheidendes zu sagen haben. Es ist deshalb wichtig und richtig, dass die Medien ihnen dieselbe Plattform bieten.»

Linda Fäh (33), Schlagersängerin und Moderatorin
«Der geringe Frauenanteil in den Medien ist wirklich krass. Zum Glück ist mit EqualVoice das Bewusstsein für eine Veränderung da, was schon einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. Nach wie vor sind die Posten der Entscheidungsträger mehrheitlich von Männern besetzt. Da wünschte ich mir ebenfalls einen grösseren Frauenanteil.»

Marianne Cathomen (54), Musikerin
«Nur durch eine gleichwertigere Berichterstattung über Frauen, egal, in welchen Positionen, können wir gesamtgesellschaftlich eine Anerkennung der Leistungen von Frauen erreichen. Solange den Medien jedoch Themen wie die Frisuren der Bundesrätinnen, die Strandfotos von jungen Politikerinnen oder Familienfragen wichtiger sind als berufliche Leistungen, werden wir Frauen leider über diese Klischees definiert.»

Helen Keller (56), Richterin und Professorin für Völkerrecht an der Universität Zürich
«Männer prägen in Redaktionen Bilder, welche Frauen ausschliessen. Das ist ein gefährlicher Teufelskreis. Meine Erfahrung an der Uni und am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte lehrt mich, dass sich Frauen häufig für andere Fragestellungen interessieren oder dass sie manchmal auch Probleme anders angehen. Das heisst nicht, dass Frauenthemen besser wären, sie sind einfach anders. Diese Andersartigkeit sollte als gleichwertig akzeptiert werden. Die Berichterstattung über Frauen in wichtigen Positionen sollte junge Frauen ansprechen, sie anspornen und ihnen vermitteln, dass auch sie Karriere machen können. Ich finde es auch problematisch, dass bei Frauen Äusserlichkeiten sehr viel mehr im Vordergrund stehen als bei Männern. Bei keinem Bundesrat war die Frisur je ein Thema; bei verschiedenen Bundesrätinnen hingegen schon. Diese Äusserlichkeiten lenken von den wichtigen Themen, nämlich den Kompetenzen und der Leistungen der Frauen, ab. Diese sollten im Vordergrund stehen.»

Christine Lienhard (51), Präsidentin Stiftung Lebensfreude
«Den Frauenanteil in den Medien hätte ich etwa auf ein Drittel geschätzt. Es liegt aus meiner Sicht absolut in der Verantwortung der Medien, über Frauen und Männer ausgewogen zu berichten. Schliesslich wird ein sehr grosser Teil von dem, was wir wissen oder zu wissen glauben, von den Medien geprägt. Obschon die Gleichstellung eigentlich eine absolute Selbstverständlichkeit sein müsste, sind wir noch ein grosses Stück davon entfernt, und es braucht Initiativen wie EqualVoice. Vom Quotenzwang bin ich nicht unbedingt überzeugt. Das Ziel muss das Miteinander der Geschlechter und nicht das Gegeneinander sein. Persönlich wünsche ich mir mehr Stimmen von Frauen aus allen Domänen, allen sozialen Schichten und Generationen.»

Silvia Affolter (56), Unternehmerin
«Mir ist es egal, ob Protagonist einer Geschichte männlich oder weiblich ist. Hauptsache, die Story ist interessant. Wir müssen das gesellschaftliche Problem an der Wurzel packen: flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuung. Solange sich da nichts tut, werden wir mehrheitlich über Männer in Führungspositionen lesen. Sofortige Abhilfe könnte sein, dass man bei Expertenumfragen die Stimmen von Expertinnen vermehrt sucht.»

Pepe Lienhard (74), Bandleader
«Es gibt keinen Grund, über Frauen anders oder weniger als über Männer zu berichten. Gerade weil Frauen oft eine andere Sichtweise haben als Männer, ist es wichtig, dass alle Meinungen dargestellt werden. Es gehört zu den Grundwerten unserer Demokratie, dass alle eine Stimme haben. Und die lautere ist nicht unbedingt die wichtigere Stimme. Ich denke, dass die Frauen nach wie vor viel stärker nach Äusserlichkeiten beurteilt werden, obwohl eigentlich nur die Leistung zählen sollte.»

Heidi Maria Glössner (77), Schauspielerin
«BLICK versucht, vermehrt Frauen sichtbar zu machen. Das ist gut so! Denn es gibt immer noch unendlich viele Frauen auf dieser Welt, denen Bildung vorenthalten wird, die unterdrückt, missbraucht, ja umgebracht werden, ganz einfach, weil sie Frauen sind und keine Rechte haben! Ihre Stimmen müssen gehört werden und sollten deshalb mehr in den Medien präsent sein. Ich bewundere alle, die sich aktiv für die Rechte dieser Frauen einsetzen – nicht nur am Weltfrauentag, sondern jeden Tag.»

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