Switzerland

Zahl der Infizierten steigt auf über 20.000, Armee rechnet nicht alle Coronavirus-Diensttage an – die neusten Entwicklungen zum Coronavirus in der Schweiz

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen im Inland steigt weiter. Bisher sind 607 Personen in der Schweiz an der Lungenerkrankung Covid-19 verstorben.

Anne Lévy, designierte Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG), spricht während der Pressekonferenz des Bundesrates am Freitag, 3. April.

Anne Lévy, designierte Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG), spricht während der Pressekonferenz des Bundesrates am Freitag, 3. April.

Anthony Anex / Keystone

Das Wichtigste in Kürze

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Schweiz (in Tausend)

1 Wechsel der Datenquelle von Johns-Hopkins-Universität (JHU) zu den Angaben der Kantone

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Was die verschärften Notrechts-Vorschriften im Detail bedeuten, lesen Sie hier.

So schützt man sich und andere: Wir erklären es in unserem Video.

Alles Wissenswerte über das Virus und weitere praktische Tipps für den Alltag finden Sie hier.

  • Die Zahl der in der Schweiz und Liechtenstein nachgewiesenen Covid-19-Infektionen ist laut Bund innerhalb eines Tages um 975 Fälle auf 20 278 gestiegen. Die Kantone meldeten am Samstag (4. 4.) insgesamt 621 Tote – 49 mehr als am Vortag. Dies ergab die Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die sich auf die offiziellen Angaben der Kantone stützt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab am Samstag die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung mit 540 an. Es stützt sich auf Angaben der Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte.
  • Den Militärangehörigen im Einsatz wegen der Coronavirus-Pandemie werden teils nicht alle Diensttage angerechnet. Dies erklärte Verteidigungsministerin Viola Amherd in einem Interview mit dem «Blick» vom Samstag. Zur Begründung fügte sie an, die Armee könne sonst bei der nächsten Pandemiewelle oder im Ereignisfall möglicherweise keine Unterstützung mehr leisten. Wer derzeit aber Dienst leiste, müsse dieses Jahr sicher keinen Wiederholungskurs mehr machen. Amherd stützt sich auf einen Beschluss des Bundesrats. Derzeit stehen wegen der Mobilmachung im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie rund 5000 Soldaten im Einsatz. 
  • Die Polizei umzingelt am Freitag das Champ-Dollon-Gefängnis in Genf, nachdem etwa 40 Gefangene sich geweigert hatten, von ihrem täglichen Spaziergang in ihre Zellen zurückzukehren. Sie beschwerten sich über Massnahmen gegen das Coronavirus, die nach einer bestätigten Infektion im Gefängnis ergriffen worden seien. So hätten etwa Arbeitsateliers geschlossen oder Tätigkeiten umorganisiert werden müssen. Die Besuchsmöglichkeiten seien aber nicht eingeschränkt, sondern Plexiglas-Scheiben montiert worden. Einige Häftlinge forderten sogar ihre vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug. Die erkrankte Person sei ins Spital gebracht worden. Gegen 23 Uhr seien die Protestierenden freiwillig in ihre Zellen zurückgekehrt, berichten Medien aus der Romandie. 
  • Die Tessiner Regierung verlängert die zu Beginn umstrittenen Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus um zwei Wochen. Dazu gehört das Ausgangsverbot für über 65-Jährige. Auch die ursprünglich bis zum 29. März geltende Schliessung aller Industriebetriebe wird bis zum 13. April verlängert.
  • Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte erachtet die Weitergabe von Mobildaten der Swisscom an das BAG als datenschutzrechtlich erlaubt. Die Swisscom habe ausschliesslich Zugang zu anonymisierten Daten gewährt und dies mit einem zeitlichen Abstand von mindestens acht Stunden.
  • Der Bundesrat wird bald über Staatshilfen für die Swiss entscheiden, die wegen der Coronavirus-Krise fast alle Flieger am Boden hat. Es brauche allerdings eine Koordination mit Deutschland und anderen Ländern. Denn beteiligt am Lufthansa-Konzern seien auch die österreichische und die belgische Luftfahrtgesellschaft. Zur Frage der Unterstützung von weiteren Grossunternehmen sagte Finanzminister Ueli Maurer: Die Stossrichtung gehe dahin, dass Gesuche von grösseren Firmen geprüft würden, die für die Infrastruktur des Landes relevant seien. In erster Linie liege der Fokus des Bundes aber auf den KMU. 
  • Der am Coronavirus erkrankte Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann befindet sich im Spital. Der 63-jährige Justiz- und Polizeidirektor ist wegen des Virus geschwächt und daher am Freitag (3. 4.) hospitalisiert worden.
  • Wegen der grossen Nachfrage verdoppelt der Bundesrat das Volumen der Bürgschaften für Notfälle von bisher 20 Milliarden auf 40 Milliarden. Der Bund sichert Kredite bis 500 000 Franken zu 100 Prozent und Kredite zwischen 500 000 Franken und 20 Millionen Franken zu 85 Prozent ab. Unternehmen sollen das Darlehen über fünf Jahre zurückzahlen. Da die unbürokratische Kreditvergabe ein gewisses Missbrauchspotenzial berge, will die Regierung Sicherungen einbauen: Zu Unrecht oder mehrfach beantragte Kredite sollen rasch rückgängig gemacht werden. Durch Verknüpfung von Mehrwertsteuer- und anderen Daten sollen falsche Umsatzangaben eruiert werden. Schliesslich soll das Finanzdepartement Vorschläge zu einer möglichen Verschärfung der Straf- und Haftungsbestimmungen prüfen.
  • Der Bund verpflichtet die Kantone, ihre aktuellen Bestände an medizinischem Material zu melden. So sollen Versorgungsengpässe frühzeitig erkannt und behoben werden. Es geht dabei unter anderem um Beatmungsgeräte, Diagnosetests, chirurgische Masken oder Schutzanzüge sowie gewisse Arzneimittel. Angespannt sei die Lage derzeit bei den Intensivpflegemedikamenten, hiess es an der Medienkonferenz der Behörden am Freitag (3.4.).
  • Die Schweiz holt weitere 117 im Ausland gestrandete Touristen zurück. Am Freitagmorgen (3. 4.) landete in Zürich ein Flug aus Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Es war der sechste organisierte Rückflug aus Südamerika. Am Sonntag ist ein Flug von Australien nach Zürich geplant.
  • Nur jeder fünfte Schweizer (22 Prozent) befürchtet eine Wirtschaftskrise. Das ergab eine am Freitag (3. 4.) in den französischsprachigen Tamedia-Zeitungen veröffentlichte Umfrage. Die Schweizerinnen und Schweizer haben auch die geringste Angst vor Arbeitslosigkeit oder einem Einkommensverlust. Was die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betrifft, so halten 29 Prozent der Schweizer diese für ausreichend. 12 Prozent wünschen sich weniger und ein Drittel mehr.
  • Der Höhepunkt der epidemischen Welle ist nach Ansicht der Behörden noch nicht erreicht. Immerhin sei der Anstieg der Neuinfektionen mit rund 1000 pro Tag nicht mehr so steil wie noch vor Wochen, sagte Daniel Koch, Delegierter des Bundesamts für Gesundheit (BAG), bei der Pressekonferenz der Bundesbehörden am Donnerstag (2. 4.). Für eine verlässliche Prognose sei es aber ebenso zu früh wie dafür, die Massnahmen zu lockern. Es gelte weiterhin, Distanz zu halten, und die Risikogruppen sollten unbedingt vermeiden, angesteckt zu werden. Die Polizei wird die Einhaltung der Regeln in der Öffentlichkeit in den kommenden Tagen verstärkt kontrollieren.
  • In allen Kantonen gilt das aktuelle Schuljahr als vollwertig. Die Schulzeit wird nicht verlängert, die kantonal festgelegten Schulkalender bleiben gültig und die Sommerferien werden nicht für den Unterricht genutzt. Für alle Klassen werden zudem Zeugnisse ausgestellt. Diese sollen mit dem Vermerk «kein Präsenzunterricht während der Zeit der Coronapandemie» ergänzt werden. Die nationale Lösung gilt bis zur Sekundarstufe II.

Bis am Freitag  (3. 4.) sind laut offiziellen Angaben aller Kantone und des Fürstentums Liechtenstein 19 781 Infizierte gemeldet worden. 607 Erkrankte sind bisher an Covid-19 verstorben. Mehr als 2200 Personen sind hospitalisiert. 

Am stärksten betroffen ist der Südwesten des Landes. Die höchste Inzidenz (Fälle pro 100 000 Einwohner) hat das Tessin (642) vor Genf (575) und der Waadt (459).

Die Angaben zu infizierten und verstorbenen Coronavirus-Patienten variieren je nach Quelle. Die NZZ bezieht sich grundsätzlich auf die Informationen der Kantone. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am Freitag (3. 4.) 19 303 Infizierte und 484 Tote.

Der Bundesrat stuft die Situation in der Schweiz als ausserordentliche Lage gemäss Epidemiengesetz ein. Er erlässt Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Institutionen sowie den Kantonen.

Verboten sind Ansammlungen von mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum. Mitglieder kleinerer Gruppen müssen einen Abstand von mindestens zwei Metern zueinander einhalten. Wer dagegen verstösst, muss mit einer Ordnungsbusse bis zu 100 Franken pro Person rechnen. 

Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe bleiben geschlossen. Ebenso wurden Betriebe geschlossen, in denen das Abstandhalten nicht eingehalten werden kann, wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios. Ausgenommen sind Lebensmittelläden, Gesundheitseinrichtungen sowie die Kommunikationsbranche.

Für die Schulen hat der Bundesrat ein Unterrichtsverbot verhängt. Für Kinder, die nicht privat betreut werden können, haben die Kantone für die notwendigen Betreuungsangebote zu sorgen. Kindertagesstätten dürfen nur geschlossen werden, wenn andere geeignete Betreuungsangebote bestehen.

Alle Massnahmen gelten bis vorerst 19. April.

Lesen Sie hier die Regeln im Detail.

Die Innenstadt von Zürich. Die sonst volle Oberdorfstrasse in der Altstadt bleibt auch am Mittag menschenleer.

Die Innenstadt von Zürich. Die sonst volle Oberdorfstrasse in der Altstadt bleibt auch am Mittag menschenleer.

Christoph Ruckstuhl / NZZ

Die Kantone dürfen für begrenzte Zeit bestimmte Branchen einschränken oder ihre Betriebe einstellen, wenn aufgrund der epidemiologischen Situation eine besondere Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung bestehe. 

Eine Voraussetzung für das Gesuch sei, dass im Kanton die Kapazitäten in der Gesundheitsversorgung auch nach Unterstützung durch andere Kantone nicht mehr ausreichten. Eine weitere Voraussetzung sei, dass die betroffenen Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr funktionsfähig seien, weil Grenzgänger ausblieben. Gehen die von einem Kanton getroffenen Massnahmen über die Ermächtigung des Bundesrats hinaus, entfällt die Kurzarbeitszeitentschädigung.

Derzeit erfüllt nur der Kanton Tessin diese Bedingungen. Dieser hatte bereits am 21. März – ohne Erlaubnis vom Bundesrat – weitere Restriktionen beschlossen: Für ältere und gefährdete Menschen gibt es ein «explizites Verbot, selber einkaufen zu gehen», sie dürfen nur in einigen Fällen zum Arzt gehen oder arbeiten. Die ältere Bevölkerung muss sich laut der Tessiner Regierung Hilfe von Verwandten holen oder die kommunalen Dienste für die Hauszustellung nutzen. Zudem müssen im Tessin die Aktivitäten auf den Baustellen sofort eingestellt werden. Ausnahmen gibt es nur, wenn eine eindeutige Dringlichkeit oder ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. 

Mit dem Entscheid aus Bern darf der Kanton Tessin Betriebe nun bis 5. April schliessen. Dafür hat er vom Bundesrat rückwirkend die Ermächtigung erhalten.

Die Detailhändler beschränken die Anzahl der Kunden pro Laden. Auf Anweisung des BAG darf pro zehn Quadratmeter Ladenfläche nur noch eine Kundin oder ein Kunde einkaufen. Auch werden Bereiche mit Waren, die derzeit vor Ort nicht verkauft werden dürfen (Pflanzen, Unterhaltung usw.) vielerorts abgesperrt. 

Bei der Schweizer Post kommt es zu Verzögerungen bei der Zustellung. Aus zahlreichen Ländern werden keine Pakete und Briefe mehr entgegengenommen. Es gebe keine ausreichenden Transportkapazitäten, weil viele internationale Fluggesellschaften ihre Flüge entweder stark reduziert oder ganz eingestellt hätten. Am Freitag (3. 4.) forderte die Post zudem Paketkontigente für die 100 grössten Auftraggeber. Ohne Massnahmen droht der Post der Kollaps.

Die Schweiz hat ihre Grenze für Risikoländer und -gebiete geschlossen. Dazu zählen laut Informationen des Bundes (Stand 25. 3.) derzeit alle Länder mit Ausnahme des Fürstentums Liechtenstein. Die Einreise ist nur noch Schweizern, Personen mit einem Aufenthaltstitel in der Schweiz sowie Grenzgängern erlaubt. Transit- und Warenverkehr sind weiterhin zugelassen. Die Schweiz folgt damit der Praxis der übrigen Schengen-Staaten. Grundsätzlich wird die Schweiz während 90 Tagen keine Schengen-Visa mehr ausstellen.

Nach einer vom Bundesrat beschlossenen Änderung vom  Mittwoch (1. 4.) darf die eidgenössische Zollverwaltung kleinere Grenzübergänge künftig nach eigenem Ermessen schliessen. Sie muss eine Liste der geschlossenen Grenzübergänge publizieren und die geschlossenen Grenzübergänge kennzeichnen. 

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät dauerhaft in der Schweiz wohnhaften Personen, die sich gegenwärtig im Ausland aufhalten, zurückzukommen, wenn es ihnen angesichts von Grenzschliessungen und ausgefallenen Flugverbindungen möglich ist. Derzeit läuft die grösste Rückholaktion in der Geschichte der Schweiz, von der mehrere tausend Personen betroffen sind. Die Heimgekehrten müssen zehn Tage in Quarantäne.

Wer im Ausland festsitze, solle die EDA-eigene «Travel Admin App» auf dem Smartphone installieren, damit die Behörden leichter Kontakt aufnehmen können – wer zurück ist, soll seine Eingabe löschen.

Die Ampeln regulieren ins Nichts: Eine verwaiste Strasse am Sonntag (29. 3.) in Bern.

Die Ampeln regulieren ins Nichts: Eine verwaiste Strasse am Sonntag (29. 3.) in Bern.

Anthony Anex / Keystone

Der Bundesrat geht davon aus, dass der Bedarf der zivilen Behörden nach Unterstützung durch die Armee markant steigen wird. Um den Gesuchen der Kantone entsprechen zu können, erhöht der Bundesrat bis Ende Juni 2020 die Obergrenze für den Assistenzdienst von 800 auf 8000 Armeeangehörige. Zudem müssen sich Armeeangehörige auf eine längere Dienstzeit einstellen.

Für die sanitätsdienstliche Unterstützung – darunter fallen Pflege, Patientenüberwachung, sanitätsdienstliche Transporte oder Spitallogistik wie Bettendesinfektion, Küche, Wäscherei, Reinigung – stehen rund 3000 Armeeangehörige zur Verfügung. Diese werden sofort bereitgestellt. 

Zudem solle die Armee bei Bedarf logistische Aufgaben wie Transporte oder Mithilfe beim Aufbau von improvisierter Infrastruktur übernehmen und im Sicherheitsbereich die kantonalen Polizeikorps entlasten oder Flughäfen unterstützen.

Seit Ende März helfen Militärpolizisten und ein Milizbataillon an den Grenzen aus. Ihr Einsatz ist bis Ende Juni befristet, wie die eidgenössische Zollverwaltung mitteilt. Die Armeeangehörigen arbeiten unter anderem bei Sicherungsaufgaben im Personenverkehr, in der Verkehrsregelung oder der Überwachung von Grenzübergängen und Geländeabschnitten. Ihren Dienst absolvieren sie bewaffnet.

Am Montag (30. 3.) waren 5600 Armeeangehörige einsatzbereit. Tatsächlich im Einsatz sind nach Angaben von Brigadier Raynald Droz nur gut 1500. 1000 davon sind im Sanitätsbereich aktiv, 550 beim Botschaftsschutz und zur Unterstützung des Grenzwachtkorps.

Nicht nur die Kantone, auch das Fürstentum Lichtenstein hat Unterstützung durch Schweizer Soldaten angefordert. Die Schweiz wird der Forderung im Rahmen des Hilfeleistungsabkommens zwischen den beiden Ländern nachkommen, sobald das lichtensteinische Gesundheitswesen an den Anschlag kommt. Konkret stellt die Schweiz dem Fürstentum im Bedarfsfall 16 Sanitätssoldaten zur Verfügung.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht im ersten Semester des Jahres 2020 von einer Schrumpfung des Wirtschaftswachstums von 1,5 Prozent aus. Gegenüber der Dezember-Prognose ist das ein Minus von 2,8 Prozent.

Von Konkursen bedroht sind besonders Gastronomiebetriebe, Reisebüros, Veranstalter sowie die Transportbranche. Den Betrieben fehlen die Einnahmen, während die hohen Fixkosten wie Löhne, Mieten oder Versicherungen bestehen bleiben. Auch Kindertagesstätten und Bauern kommen in eine immer prekärere Lage und werden darum teilweise vom Bund unterstützt.

Der Bundesrat hat der Wirtschaft vorerst eine Finanzspritze in der Höhe von 42 Milliarden Franken zugesichert. Das Geld steht für Kurzarbeitsentschädigung und wirtschaftliche Soforthilfe zur Verfügung. Firmen, die wegen der Corona-Krise in Liquiditätsprobleme geraten, werden einstweilen mit 20 Milliarden Franken unterstützt. Betroffenen Firmen soll mit Überbrückungskrediten zu ausreichender Liquidität verholfen werden. Ziel ist, dass die Unternehmen trotz Umsatzeinbussen ihre laufenden Fixkosten decken können. 

Die Nachfrage nach Überbrückungskrediten sei sehr gross, teilte Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Mittwoch (1. 4.) mit. Zu Wochenbeginn waren bereits sieben Milliarden Franken vergeben. Es zeichne sich ab, dass die dafür vorgesehenen 20 Milliarden Franken nicht ausreichen. Das Massnahmenpaket müsse deshalb möglicherweise verlängert und ergänzt werden.

So gelangt ein Unternehmen an einen Kredit.

Die Finanzmarktaufsicht Finma und die Schweizerische Nationalbank SNB unterstützen das erste Liquiditätspaket des Bundesrats und rollen ihrerseits weitere Massnahmen aus. SNB-Präsident Thomas Jordan gab bekannt, die SNB sorge dafür, dass die Banken die Kredite mit geringen Risiken vergeben könnten. Die Banken sollten dafür die Kreditfazilitäten bei der SNB voll ausnutzen. 

Auch Selbständige wie Taxifahrer, Gärtner oder allgemein praktizierende Ärzte sollen in Härtefällen unterstützt werden. Sie dürfen zwar im Prinzip weiterarbeiten, ihr Geschäft ist aber wegen des fast stillgelegten Wirtschaftslebens weitgehend zusammengebrochen. Der Bundesrat beauftragte am Mittwoch (1. 4.) das Departement des Innern, das Seco und andere Ämter, entsprechende Abfederungsmassnahmen bis zum 8. April zu prüfen. Ziel ist es, Selbständige aufzufangen und Insolvenzen aufgrund von Liquiditätsengpässen zu verhindern.

Die Strassen sind leer, die Restaurants bleiben zu. Das Coronavirus hat die Schweiz fest im Griff. Im Bild: Winterthur.

Die Strassen sind leer, die Restaurants bleiben zu. Das Coronavirus hat die Schweiz fest im Griff. Im Bild: Winterthur.

Karin Hofer / NZZ

Die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Waren des täglichen Gebrauchs ist laut Bundesrat sichergestellt. Lebensmittelläden, Take-aways, Betriebskantinen, Lieferdienste für Mahlzeiten und Apotheken bleiben geöffnet, ebenso Tankstellen, Bahnhöfe, Banken, Poststellen, Hotels, die öffentliche Verwaltung und soziale Einrichtungen. 

Auch die Versorgung mit Schutzmasken ist bis auf weiteres sichergestellt. Laut Bund können die Schutzmasken derzeit länger als nach Standardnorm vorgesehen (zwei bis vier Stunden) getragen werden und müssen daher weniger oft gewechselt werden. Das BAG hat ausserdem Privatpersonen, die viele Schutzmasken vorrätig haben, dazu aufgerufen, diese an Pflege- oder Altersheime abzugeben.

Zudem hat der Bundesrat verschiedene fiebersenkende Mittel rationiert: Es darf nur noch eine Packung pro Person abgegeben werden.

Die Bahn- und Busunternehmen dünnen wegen der Coronavirus-Pandemie ihre Fahrpläne aus. Reisende müssen mit Anschlussbrüchen, Ausfällen und Verspätungen rechnen. Der Verkehr nach Italien wurde auf Anordnung der italienischen Behörden gänzlich eingestellt. Der Online-Fahrplan der SBB soll während der Abbauphase spätestens um 20 Uhr die aktuellen Verbindungen des Folgetags anzeigen.

Auch der internationale Flugverkehr ist beinahe zum Stillstand gekommen. Die Swiss hat auf einen Minimalflugplan mit einem Langstreckenflugzeug und fünf Kurzstreckenmaschinen umgestellt.

Die Forschung in der Schweiz weist aktuell drei Schwerpunkte auf. Das Universitätsspital Zürich forscht mit einem neuen Antikörpertest. Im Gegensatz zu den derzeit verwendeten Tests, bei denen ein Rachenabstrich auf Viruspartikel untersucht wird, testen die Forscher mit ihrer Neuentwicklung das Blut auf Antikörper. Diese werden gebildet, wenn Personen eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben. Auch diejenigen, bei denen die Infektion mit wenigen oder gar keinen Symptomen abgelaufen ist, könnten so erkannt werden.

Ein weiterer Fokus der Forschung in der Schweiz liegt auf der Behandlung erkrankter Patienten. Hier werden in erster Linie nicht neue Medikamente entwickelt, sondern bereits zugelassene auf ihre Wirksamkeit bei Patienten mit Covid-19 getestet. Mehr dazu lesen Sie hier.

Epidemiologen von der Universität Bern und Basel berechnen die Verbreitung des Coronavirus in der Schweiz und prognostizieren, wann die Spitäler an ihre Grenzen kommen. Die Prognosen finden Sie hier.

Zusätzlich setzt der Bund ein wissenschaftliches Gremium ein, das ihn und die Kantone beraten soll. Nebst der wissenschaftlichen Unterstützung der Behörden soll das Gremium auch Forschungsthemen identifizieren, bei denen die Schweizer Wissenschaft rasch einen wichtigen Beitrag zum Verständnis und zur Bekämpfung des Coronavirus leisten kann.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Hygieneempfehlungen zum Schutz vor dem Coronavirus herausgegeben und ergänzt diese laufend. So sollte man unter anderem regelmässig die Hände mit Wasser und Seife oder einer alkoholbasierten Lösung reinigen. Händeschütteln oder Begrüssungsküsschen sollen vermieden werden. Dies, weil ansteckende Tröpfchen aus Husten und Niesen sich an den Händen befinden könnten. 

Muss man husten oder niesen, sollte man Mund und Nase mit einem Taschentuch oder der Armbeuge bedecken. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und die Hände waschen. Zudem darf man nur nach telefonischer Anmeldung in einer Arztpraxis oder einer Notfallstation erscheinen.

Ausserdem rät das BAG, Abstand zu halten. Dies gilt zum Beispiel für das Anstehen in einer Schlange. Um die besonders gefährdeten älteren Menschen zu schützen, soll das Abstandhalten vor allem für sie und ihnen gegenüber gelten. Auch Teilnehmende von Sitzungen sollen körperlich auf Distanz gehen. 

Curafutura, einer der Dachverbände der Krankenversicherungen, bestätigt die Kostenübernahme bei Erkrankungen mit dem Coronavirus. Der Test kostet unter Berücksichtigung der begleitenden Verfahren derzeit rund 300 Franken. Die WHO bekräftigt regelmässig, wie wichtig es sei, so viele potentielle Patienten wie möglich zu testen.

Schauen Sie im Video, wie Sie sich und andere schützen können.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom «neuartigen Coronavirus».

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen «Sars-CoV-2» («Severe Acute Respiratory Syndrome»-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde «Covid-19» (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Mitarbeit: wej., len., gam., cts., cb., ase., alg. toc., ran., med., nil., ni., amü., wde., bso.; mit Agenturmaterial 

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