Switzerland

Wirtschaftshilfe für Corona-Opfer: Jetzt sollen Millionen aus Stiftungen fliessen

Die Schweizer Wirtschaft ächzt unter der Corona-Krise. Doch während Menschen in Existenznot geraten, sitzen private Organisationen wie Stiftungen und Hilfswerke in der Schweiz auf einem riesigen Geldberg. Laut Stiftungsreport 2018 sind insgesamt rund hundert Milliarden Franken in solchen Strukturen gebunden. Da stellt sich die Frage: Welche Hilfe kommt von dort?

In diversen Bereichen bewegt sich etwas, zum Beispiel bei den sogenannten Wohlfahrtsfonds. Etliche Schweizer Unternehmer haben bereits vor Jahrzehnten für ihre Angestellten patronale Stiftungen mit dem Ziel eingerichtet, Härtefälle in der Belegschaft aufzufangen. Die letzte Erhebung von 2015 beziffert dieses Vermögen auf rund zwölf Milliarden Franken, verteilt auf über 1400 Stiftungen. Dieses Geld soll nun zum Teil im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie zum Einsatz kommen.

FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger (52, BL) präsidiert den Verband Patronfonds. Sie sagt: «Es zeigt sich, dass zahlreiche patronale Stiftungen bereit und willens sind, in dieser Krise zu helfen.» Wichtig sei aber, dass sie frei entscheiden dürfen, ob und in welcher Höhe sie Leistungen erbringen.

Per Notverordnung Schatullen öffnen

Damit die Mittel überhaupt fliessen können, braucht es eine Gesetzesänderung. Darum sei man nun, so Schneeberger, an den Bundesrat gelangt. Der Verband möchte, dass die Landesregierung den Stiftungen per Notverordnung ermöglicht, die Schatullen zu öffnen. Zum Beispiel bei Frühpensionierungen oder wenn Sozialpläne erstellt werden. Vor allem aber zielt die Änderung auf von Kurzarbeit Betrof­fene, landesweit sind dies bereits eine Million Angestellte. Diesen zahlt die Arbeitslosenkasse maximal 80 Prozent des Gehalts. Hier könnten die Fonds einspringen.

Etwa bei der Spross-Holding. Für einige Mitarbeitende musste die Zürcher Gartenbaufirma Kurzarbeit beantragen. «Als Arbeitgeber haben wir uns entschieden, aus sozialer Verantwortung für den Moment den Lohnausfall von 20 Prozent zu übernehmen», sagt Natalie Spross (42), die das Unternehmen in der fünften Generation leitet. «Sollte sich die aktuelle Situation weiter hinauszögern oder sogar verschärfen, könnten wir dies aus unternehmerischen Gründen nicht mehr für alle gewährleisten.» Die Nutzung von Mitteln aus dem Fonds «wäre extrem wünschenswert».

Ähnlich tönts beim Berner Warenhaus Loeb. Eine erste Stiftung hätten seine Vorfahren bereits 1947 eingerichtet, sagt François Loeb (79), der das Unternehmen von 1975 bis 2005 leitete. «Während meiner Zeit schufen wir 1981, zum hundertjährigen Bestehen von Loeb, die sogenannte Jubiläumsstiftung», fährt der freisinnige alt Nationalrat fort. «Ich wollte für die nächste grosse Krise vorsorgen. Auch wenn ich mir nicht hätte vorstellen können, dass sie derart heftig ausfällt – jetzt ist sie da.»

Wenn ein Unternehmen gut wirtschafte, müssten einerseits die Aktionäre, aber auch die Mitarbeiter etwas davon haben. Zugleich gelte es immer auch Vorkehrungen zu treffen für schwierige Zeiten. «Und nun sollten wir die Mittel auch nutzen», so Loeb.

Konkrete Projekte gestartet

Im karitativen Bereich gibt es etliche potente Player: die Schweizer Berghilfe zum Beispiel. Sie sitzt laut Jahresbericht 2018 auf einem Anlagevermögen von 123 Millionen Franken. Die Bergregionen, die stark von der Hotellerie und dem Gastgewerbe leben, sind besonders stark gebeutelt. Und sie sind die Kernklientel der Organisation. «Wir sind an unsere Richt­linien gebunden», sagt Kommunikationschef Ivo Torelli jedoch. «Die Berghilfe unterstützt Investitionen bei der wirtschaftlichen Entwicklung und übernimmt keine Betriebskosten.» Ausserdem helfe man subsidiär – man springt also erst ein, wenn die Unterstützung von Bund und Kanton nicht reicht.

Um kurzfristig zu helfen, hat die Berghilfe gemeinsam mit Adlatus, einem Netzwerk von 300 ehemaligen Führungskräften, ein Beratungsangebot entwickelt. Für die betroffenen KMU in den Bergen übernimmt die Berghilfe ein Drittel der Beratungskosten, Adlatus ein weiteres Drittel. Am Freitag ist das Projekt abgesegnet worden. Voraussetzung für ein Corona-Mandat: Der Betrieb muss im Berggebiet sein und darf nicht mehr als zehn Angestellte haben.

Auch die Verwertungsgesellschaften – Suisa für Musik, SSA für Audiovision oder Pro Litteris für Literatur und Journalismus – walten über Millionen. Sie haben ihre Kriegskassen aktiviert: Dank Statutenänderungen soll aus den Solidaritätsfonds geschöpft werden können.

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