Switzerland

«Wieso heisst es nicht Karteikarten-Skandal?»: Bundesrat Berset sorgt für viele Lacher und Applaus

Alain Berset nahm in seiner Eröffnungrede Bezug zum Thema Fichenskandal, der sich zum 30. Mal gejährt hat. Ihm fällt auf, dass im Deutschen viele Dinge, die negativ behaftet sind, auf französisch gesagt werden. Wie eben der «Fichen-Skandal», oder das überfüllte «Perron» im Bahnhof, oder der «Apéro riche», der für ein kleines Abendessen steht. Die Rede schloss er mit dem französischen Namen der Bank «Credit Suisse» ab und wies darauf hin, dass er soeben wieder beim ursprünglichen Thema angelangt sei – der Überwachung.

«Je schneller die gesellschaftlichen Veränderungen, desto wichtiger wird es, dass wir die reale, gegenwärtige Schweiz im Medium Film erleben – sonst erstarrt unser Selbstbild.» Deshalb, so Berset weiter, sollten künftig Streamingdienste auch in den Schweizer Film investieren. Der Kulturminister betonte, solche Regeln seien in Europa mittlerweile üblich. Die Schweizer Pläne würden aber einen «feinen Unterschied» aufweisen: «So sollen Online-Anbieter selber entscheiden können, in welche Filme oder Fernsehserien sie investieren wollen.»

Die ganze Rede von Bundesrat Alain Berset zur Eröffnung der 55. Solothurner Filmtage

Er hats drauf: Bundesrat Berset spricht locker und startet witzig in seine Rede. Drei Mal gibts Szenenapplaus.

Felix Gutzwiller unterstrich die Bedeutung des Filmschaffens für die Gemeinschaft und sprach vom Schweizer Film als «Cinéma Citoyen»: «Wir brauchen ein Kino, das sich engagiert und neue Formen der Solidarität erprobt. Citoyenne oder Citoyen zu sein bedeutet, aktiv und verantwortungsvoll am Gemeinwesen teilzunehmen. Auch das Filmschaffen muss diese Rolle wahrnehmen. Wir brauchen glaubwürdige Bilder und Narrative, die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken.»

Anita Hugi erinnerte mit Blick auf den Eröffnungsfilm «Moskau Einfach!» von Micha Lewinsky daran, wie aktuell das Thema Überwachung gerade heute ist: «Die Komödie über die Fichenaffäre ist auch ein ernsthafter Appell für einen sorgfältigen, demokratisch legimitierten Umgang mit unseren persönlichen Daten.» Für ihre erste Ausgabe als Direktorin der Solothurner Filmtage wünschte sie sich, dass diese im Zeichen des Dialoges stünden: «Film verbindet und ermöglicht Tiefgang. Ich freue mich auf ein mehrsprachiges, engagiertes und offenes Festival». (mgt/sda)

Die erste Eröffnungsrede der neuen Filmtage-Direktorin Anita Hugi