Switzerland

Wieso Geheimdienste Chiffriertechnik made in Switzerland begehrten: Liebesgrüsse aus der Schweiz

Die lockere Exportpolitik der Schweiz ist die Basis für ihre jahrzehntelange Führungsrolle in der Verschlüsselungstechnik. Es war kein Zufall, dass der schwedische Chiffriermaschinen-Erfinder Boris Hagelin (1892–1983) im Jahr 1953 den Standort Zug wählte, um seine Crypto AG zu gründen. Diese ist weltbekannt, spätestens seit die Crypto-Leaks diese Woche aufdeckten, dass der US-Geheimdienst CIA und der deutsche Nachrichtendienst BND über die Firma jahrzehntelang manipulierte Chiffriergeräte in alle Welt verkauften und damit 100 Staaten belauschten.

In Hagelins Heimatland wäre das Unterfangen nicht möglich gewesen. Die Schweden sahen seine Chiffriermaschinen als Kriegsmaterial, das nicht fürs Exportgeschäft taugt. Hagelin arbeitete schon im Krieg eng mit den Amerikanern zusammen. Er hatte mit ihnen ein Gentlemen's Agreement, wonach er die am meisten ausgereiften Verschlüsselungsgeräte nur an Nato-freundliche Länder verkaufte. Dies steht in den Akten des einstigen Chefkryptologen des US-Nachrichtendienstes NSA, William Friedman (1891–1969), die für jedermann einsehbar sind.

Schweizer Regierung drückte ein Auge zu

Ebenfalls nachlesbar: Friedman, der die Chiffriermaschinen mit Hagelin entwickelte, war das Exportregime der Schweiz sehr wichtig. Auf die Frage, ob die Hagelin-Firma von der Schweizer Regierung Exportlizenzen beantragen müsse, sagte er Folgendes: «Ja, aber in der Regel wird dies nicht durchgesetzt. Meistens drücken sie ein Auge zu ...»

Die Crypto AG gelangte Anfang der 70er-Jahre in den Besitz der CIA und des deutschen BND und florierte. Sie exportierte Tausende Chiffriergeräte in über 100 Länder. Die grösste Konkurrentin war die ebenfalls auf Verschlüsselungstechnik spezialisierte Omnisec aus Dällikon ZH. Das Staatssekretariat für Wirtschaft erteilte in den letzten Jahrzehnten Ausfuhrbewilligungen für Chiffriertechnologie im Wert von mehreren Hundert Millionen Franken. Verkäufe nach Saudi-Arabien, Venezuela, Chile, China, Indien usw. wurden zugelassen.

Nur den Russen konnte man die Geräte nie unterjubeln. Sie hatten ihre eigenen legendären Maschinen. An einer russischen Chiffriermaschine namens Lektor biss sich auch James Bond in «Liebesgrüsse aus Moskau» die Zähne aus.

Verbindung zur Schweizer Armee

Omnisec war ausserdem ein wichtiger Lieferant der Schweizer Armee. Auch über die Crypto-Konkurrentin gibt es schon länger Berichte zu Verbindungen mit dem US-Geheimdienst. Besitzer von Omnisec nach der Jahrtausendwende bis zum Ende war Hans-Jörg Bärtschi. Der heutige Präsident der eidgenössischen Rüstungskommission will sich auf Anfrage von BLICK nicht zu Omnisec äussern.

Noch vor fünf Jahren machten Omnisec und die Crypto AG Schlagzeilen mit ihren verschlüsselten, abhörsicheren Smartphones und Netzwerklösungen, die auch Barack Obama (58) und der Bundesrat nutzten. Hochsichere Kryptografie-Handys waren der neuste Schrei. Bärtschi liquidierte Omnisec vor zwei Jahren mit der Begründung, dass der Markt in drei bis fünf Jahren tot sein werde.

Vom Geschäft mit geschützten Kommunikationslösungen lebt auch die IT-Firma Infoguard aus Baar ZG. Der ehemalige Crypto-Chef bezeichnete Infoguard noch 2018 als Schwesterfirma. Die beiden Firmen teilten sich auch Verwaltungsräte, wie die «Aargauer Zeitung» diese Woche berichtet. Eine Verbindung zu Geheimdiensten dementiert die Firma. Infoguard wie auch die Nachfolgerfirmen der Crypto AG haben sich neu ausgerichtet.

Die Digitalisierung hat das Konzept von Chiffriergeräten obsolet gemacht, weil Verschlüsselungen heute über die Software erfolgen und nicht mehr über die Geräte.

So funktioniert Chiffrieren

Bei der Verschlüsselung von Nachrichten ist es entscheidend, dass niemand – ausser dem Absender und Empfänger – die Informationen lesen kann. Ein unbefugter Mitleser soll einzig eine zusammenhangslose Buchstabenreihe zu sehen bekommen. Mit Hilfe eines «Schlüssels» kann diese in die ursprüngliche Nachricht übersetzt werden. Man bedient sich dabei an zwei Prinzipien.

Bei der Transposition wird die Position eines Buchstabens innerhalb eines Wortes oder Textes verändert. Aus dem Wort BLICK wir die kryptische Zeichenfolge «KCIBL». Die Verschiebung der Buchstaben erfolgt nach einem strikten Code. Ist man in dessen Besitz, ist es ein leichtes, das Wort zu lesen.

Bei der Substitution werden Zeichen nach vorgegebenen Regeln mit einem anderen Zeichen ersetzt. Beispielsweise können alle Buchstaben um zehn Stellen im Alphabet verschoben werden. Aus einem «B» wird ein «L», aus einem «K» ein «U», aus BLICK wird LVSMU.

In der Realität werden Verschlüsselungsalgorithmus genutzt, die viel raffinierter aufgebaut sind. Weder durch Knobeln noch Ausprobieren lässt er sich knacken. Ausser der Schlüssel ist manipuliert. So wie es die Crypto AG im Auftrag ausländischer Geheimdienste gemacht haben soll.

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