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Wie SwissCovid dank WhatsApp und Ueli Maurer ein Bombenerfolg wird

App-Werbung im Bahnhof Bern. Jetzt sind junge und alte Smartphone-Nutzer gefordert. Bild: keystone

Kommentar

Wie SwissCovid dank WhatsApp und Ueli Maurer ein Bombenerfolg wird

Die Schweizer Corona-Warn-App braucht mehr Nutzerinnen und Nutzer, um eine grosse Schlagkraft gegen das Virus zu erzielen. Mit diesen 5 Punkten kann es klappen.

Ueli Maurer wird Influencer

Der Schweizer Finanzminister sei populärer denn je, konstatierte die NZZ Anfang Juni. Die Zeitung bezeichnete Ueli Maurer als «Held der KMU und des Patriotismus», nachdem dieser schnelle finanzielle Hilfe in der Krise verkündet hatte.

Leider outete sich Maurer zuletzt als wenig technikaffiner Senior und tat öffentlich seine Unlust kund. In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF sagte er, er werde die SwissCovid-App nicht herunterladen. Als Ausrede meinte der 69-jährige Politiker, er komme nicht draus «mit dem Zeugs».

Tatsächlich sank am Folgetag erstmals die Zahl der aktiven App-User. Über die tatsächlchen Gründe für den erstmaligen Rückgang der Nutzerzahlen lässt sich nur spekulieren. Möglich, dass über zehntausend Smartphone-Nutzer Bluetooth vorübergehend ausschalteten, weil sie am Sonntag zuhause blieben und nicht unter Leute gingen. Oder sie reisten ins Ausland und deaktivierten darum SwissCovid.

Kein Grund zur Panik. Was sicher ist: Bundesrat Ueli Maurer hat das Zeug zum generationenübergreifenden «Technology Evangelist» und SwissCovid-Botschafter. Oder wie es heutzutage heissen müsste, zum Influencer.

Zur Erinnerung: Auf Maurers ausdrücklichen Wunsch hin war das offizielle Bundesratsfoto 2019 erstmals mit einem Smartphone gemacht worden. Von jungen Mediamatik-Lernenden des Bundesamts für Informatik. Und Maurer selber knipste mit einem iPhone (mit aktiviertem Blitz) zurück.

Gruppenbild mit Smartphone. bild: bundeskanzlei

Nun ist die Zeit reif für die Fortsetzung der schönen Geschichte. Und watson hat das perfekte Drehbuch:

Und so wie damals der Bundesrat zu den jungen Berufsfrauen und Berufsmännern sagte, er sei stolz auf sie, können diese jetzt den Spiess umdrehen und betonen, wie stolz sie auf den «Technology Evangelist» im Seniorenalter seien.

Der 1. August wird zum «National App Day»

Einige unser besten Wissenschaftler und IT-Spezialisten haben eine neuartige, verhältnismässig sehr sichere Methode entwickelt, die es uns mit kleinem Einsatz ermöglicht, gegen die schlimmste Pandemie seit der Spanischen Grippe zu kämpfen. Gegen Covid-19. Für unsere persönliche Freiheit.

SwissCovid ist keine staatliche Überwachungs-App, sondern ein digitales Werkzeug für die Bürgerinnen und Bürger. Und genau das sollten wir am Nationalfeiertag feiern.

Wir haben die Chance, den nächsten grossen Ausbruch zu verhindern. Alles was wir dafür tun müssen, ist, auf dem Smartphone (im Hintergrund) eine App laufen zu lassen und die Bluetooth-Verbindung eingeschaltet zu lassen.

Kann die App gewisse Kinderkrankheiten aufweisen? Ja. Ist das 100 Prozent sicher? Nein. Sollten wir deshalb auf die Zweifler hören und SwissCovid nicht probieren? Ganz sicher nicht! Denn die Risiken sind laut der überwiegenden Mehrheit der IT-Sicherheitsexperten vertretbar und die wenigen Nachteile stehen in keinem Verhältnis zu den Vorteilen.

Jetzt braucht es «Guerilla Marketing»

Im Vergleich mit Deutschland und dessen Corona-Warn-App hat der Bund bislang wenig Aufwand betrieben, um der Bevölkerung die SwissCovid-App schmackhaft zu machen.

Ja, es gibt Werbung, im Fernsehen, auf Plakaten und online. Und auch im Internet wird informiert. Allerdings fehlt sogar eine eigene Domain wie etwa swisscovid.ch.

Die offizielle Anlaufstelle für Informationen zu SwissCovid. bild: watson

Ob gewollt defensive PR-Strategie oder Fehleinschätzung seitens des Bundesamtes für Gesundheit (BAG): Wenn die App zu wenig bekannt ist, muss man das unbedingt ändern. Wobei hierbei nicht einfach nur «der Staat» gefordert ist.

Andere dazu zu ermuntern, SwissCovid zu installieren und zu nutzen, ist zwar keine Bürgerpflicht, aber das Gebot der Stunde. Genau so wie man falsche Behauptungen («Überwachungs-App») nicht unwidersprochen lassen sollte.

Damit zu einer heiklen Frage:

Man darf nicht nur, man sollte! 😉 Denn genau dort erreicht man zurzeit auch diejenigen Leute, die die SwissCovid-App noch nicht auf ihrem Smartphone haben. (Und vielleicht auch den einen oder anderen Corona-Skeptiker.)

Was zum Beispiel gut funktioniert, um viele WhatsApp-Kontakte niederschwellig zu erreichen, ist ein neuer Status-Eintrag. Das lässt sich in wenigen Minuten erledigen.

Was ist mit «Kettenbriefen»? Das ist Geschmacksache. Ich persönlich halte nicht viel davon. Es kann sogar kontraproduktiv sein, wenn man massenhaft Mitteilungen weiterleitet.

Faule Ausreden erkennen und bei echten Problemen helfen

Es gibt zweifelsohne gute Gründe, warum jemand die SwissCovid-App nicht nutzt. Dazu gehört das Problem, dass die iPhone-Version nur auf iPhones mit iOS 13 läuft, hingegen auf alten Geräten wie dem iPhone 6 nicht verfügbar ist. (Und auch alte Android-Mobilgeräte bleiben aussen vor.)

In den letzten Tagen habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, andere Leute darauf anzusprechen, ob sie die SwissCovid-App bereits installiert haben. Als «Hündeler» waren dies insbesondere andere Hundehalter verschiedensten Alters und mit unterschiedlichlichem Bildungshintergrund.

Labrador-Hündin Mika war bei den sponanen Passanten-Befragungen behilflich. Als «Icebreakerin». bild: watson

Wie sich in mehreren persönlichen Gesprächen zeigte, zögern sehr viele Leute aus Unsicherheit, weil sie schlicht zu wenig über die SwissCovid-App wissen, oder sie warten lieber noch etwas ab, statt etwas freiwillig zu unternehmen.

Das ist ein bisschen mit dem Tragen von Schutzmasken zu vergleichen. Der grosse Unterschied: SwissCovid wird immer freiwillig bleiben, weil es so im Gesetz steht. Selbst wenn sich die Lage erneut massiv verschlechtert, wird der Bundesrat keine App-Pflicht erklären. Ausgeschlossen.

Umso wichtiger ist es, die Zögerlichen im persönlichen Gespräch von den Vorteilen zu überzeugen.

Überwiegend sehr gute Bewertungen für die iPhone-Version von SwissCovid. screenshot: apps.apple.com

Kleinere technische Probleme dürften von Apple und Google mit kommenden Updates für die mobilen Betriebssystem iOS und Android angegangen werden. Dazu gehören irritierende Fehlermeldungen und ein erhöhter Akkuverbrauch.

App-Gegner ernst nehmen und richtig reagieren

Bei den App-Gegnern ist zu differenzieren. Es gibt nicht nur die unbelehrbaren Wutbürger, die losgelöst von sachlichen Argumenten ein neues Angriffsziel gefunden haben. Es gibt auch die IT-Sicherheitsexperten, die zurecht auf Software-Schwachstellen und technische Mängel hinweisen. Ihre Bedenken gilt es ernstzunehmen, einzuordnen und abzuwägen.

Ist die neuartige Technologie einen Versuch wert? Ja. Verdient das Ganze unsere Unterstützung? Aber sicher. Muss das komplexe System weiter verbessert werden? Unbedingt. Sollten wir das Vorhaben stoppen, wenn es nicht funktioniert? Ja. Aber zuerst müssen wir es richtig wagen.

Zur Erinnerung: Der Kampf gegen die Pandemie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und erst wenn die SwissCovid-App auf vielen Schweizer Smarthones läuft, kann sie ihre volle Schlagkraft entfalten und Infektionen verhindern.

Es spricht nichts dagegen, mit einem vergleichsweise kleinen «Einsatz» zu versuchen, eine schwere Krise zu lindern und Leben zu retten. Und ob Impfung oder SwissCovid-App: Das Mitmachen ist ein freiwilliger Akt der Solidarität.

Noch Fragen zur App? Verständliche Antworten gibts zum Beispiel bei swisscovid-app-facts.ch, einer Initiative von Nicht-Regierungsorganisationen, die sich zusammengetan haben, um über die Corona-Warn-App zu informieren.

Quellen

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

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