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Wie positive Kommunikation Paare zusammenschweisst

Auf negative Ereignisse reagieren wir gegenüber unserem Partner einfühlsam. Und auf gute? Das sagt unser Paarcoach.

Gute Momente soll man gemeinsam feiern: Ein Paar, das weiss, wie positive Kommunikation wirkt. Illustration: Benjamin Hermann

«Never let a good crisis go to waste!» Schon Churchill war der Auffassung, dass man niemals die Chancen und Potenziale einer Krise ungenutzt lassen sollte. In Paarbeziehungen tun sich Menschen oftmals leichter mit adäquaten, einfühlsamen Reaktionen auf negative Ereignisse als auf positive. Denn Krisen schweissen zusammen, geben ein Wir-Gefühl, klare Ziele und vielleicht sogar einen gemeinsamen Gegner. All das wirkt beziehungsstiftend und stärkt die Eltern- und Partnerschaft.

Das Potenzial von guten Neuigkeiten hingegen wird oftmals unterschätzt, wir gehen häufig ungeschickt mit diesen um und vergeben dabei viele Möglichkeiten, um unsere Paarbeziehung zu bereichern und zu stärken. Was also tun? Zum Beispiel vermehrt auf positive Kommunikation setzen!

«Schatz, ich hab den Job!»

Bestimmt (hoffentlich) machen Sie das hin und wieder schon heute. Unbewusst, ohne klares Konzept im Kopf. Zum Beispiel, wenn Sie sich mit Ihrem Partner über dessen neuen Job freuen, interessiert auf eine Erzählung eingehen oder gemeinsam eine kleine Errungenschaft im Alltag feiern. Es kann sich aber lohnen, ab und zu auch ganz bewusst konstruktiv zu kommunizieren. Dabei hilft das Konzept der aktiven konstruktiven Kommunikation der Psychologin Shelly Gable, bei dem es darum geht, wie wir idealerweise auf gute Nachrichten reagieren sollten, um positive Emotionen zu fördern sowie um Nähe und Verbundenheit zu kultivieren:

Nehmen wir als Beispiel folgende Ausgangslage: Sie liegen nach getaner Arbeit mit Ihrem iPad auf dem Sofa. Ihre Partnerin kommt freudestrahlend nach Hause und verkündet voller Stolz ihre langersehnte Beförderung: «Schatz, ich habs geschafft – ich hab den neuen Job!»

Was tun Sie? Was sagen Sie? Und vor allem: Wie sagen Sie es?

Variante 1: «Gratuliere.»

Kurz vom iPad aufgeschaut, ein von Zoom-Calls etwas abgekämpftes, leicht gequältes Lächeln: «Ah, schön. Gratuliere.» Und wieder zurück in die Netflix-Welt, die letzten beiden Folgen von «The Last Dance» sind aber auch wirklich krass!

Die Aufmerksamkeit liegt dabei lediglich ganz kurz auf Ihrer Partnerin. Die Rückmeldung ist energiearm und blutleer, von Enthusiasmus keine Spur. Es handelt sich vielmehr um eine Alibi-Antwort, basierend auf Alltagsmüdigkeit und Nachlässigkeit. Die Partnerin fühlt sich nicht gesehen und nicht wertgeschätzt. Freude und Energie sind verpufft.

Fazit: Eine wunderbare Chance vertan. Next!

Variante 2: «Was gibts zu essen?»

Andere Technik: Die Nachricht wird einfach ignoriert. Sie schauen weiterhin konzentriert aufs iPad, die Miene unbeeindruckt, und schwenken den Fokus auf das, was wirklich zählt. Nämlich auf sich. «Was gibts zu essen?» Netflix macht hungrig.

Die Aufmerksamkeit wird Ihrer Partnerin, der eigentlichen Hauptperson, ohne Umschweife entrissen. Energie und Enthusiasmus werden erstickt oder mitentführt auf ein völlig anderes Themenfeld. Die Partnerin fühlt sich natürlich überhaupt nicht gesehen und wertgeschätzt. Auch bei dieser Variante verwandelt sich die gute Energie ganz schnell in Frustration und andere negative Emotionen.

Fazit: Alles Positive wurde erstickt. Next!

Variante 3: «Wie kannst du uns das nur antun?!»

Zurück aufs Sofa, nächster Versuch. Die Partnerin kommt erneut in die Stube:

«Bravo. Noch mehr Überstunden. Dann krieg ich dich ja überhaupt nicht mehr zu Gesicht!» Zack! «Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass du den Job packen kannst? Du bist doch schon jetzt ständig am Rande der Überforderung!»
Die freudige Nachricht der Partnerin wird direkt zerschmettert durch Bedenken, Ängste, Neid, Verbitterung, Wut oder andere negativ aufgeladene Gefühle, denen hoch emotional Ausdruck verliehen wird. Womöglich sogar mit sarkastischem oder gar zynischem Unterton.

Die gute Nachricht wird ins Gegenteil verkehrt und die Aufmerksamkeit der Partnerin brutal entrissen.

Fazit: So geht Unglücklichsein. Next!

Variante 4: «Let’s dance!»

Kommen wir zum letzten Versuch – hoffentlich: Sie legen das iPad beiseite, stehen auf, lächeln, umarmen und küssen Ihre Partnerin. «Lässig! Ich gratuliere! Komm, lass uns feiern! … Wie war das Gespräch? Erzähl!» Wichtig ist, dass die Antwort gute Energie transportiert, zugleich selbstverständlich ehrlich gemeint ist und authentisch rüberkommt.

Ermuntern Sie Ihre Partnerin dazu, Ihnen die Neuigkeiten im Detail zu erzählen. Damit zeigen Sie Ihre Wertschätzung – und beim Erzählen taucht Ihre Partnerin nochmals in die Geschichte ein und reaktiviert die erlebten positiven Gefühle. Diese Emotionen schwappen auch auf Sie selbst über, denn Gefühle – positive wie negative – wirken ansteckend. Ihre Partnerin freut sich über Ihren Enthusiasmus und fühlt sich durch die positive Resonanz wertgeschätzt. Das erzeugt Nähe und wirkt beziehungsstiftend, die Beförderung wird dadurch zu Ihrem gemeinsamen Erlebnis.

Fazit: Aktiv-konstruktive Kommunikation – das Schweizer Taschenmesser unter den Antworten. Praktisch, einfach, genial. Am besten immer im Sack haben.

Alles zu seiner Zeit

Aber was ist mit vermeintlich guten Nachrichten, die für meine Partnerin zwar positiv sind, für mich persönlich aber vielleicht ambivalent oder gar schockierend? Natürlich gibt es Situationen, in denen es schwierig ist, aktiv-konstruktiv zu antworten. Der bis dato nicht erwähnte Umzug der Familie nach Wladiwostok etwa, oder der übergangsweise Einzug der Schwiegermutter.

Auch jenseits solcher Hiobsbotschaften kann selbst eine an sich eher harmlos und positiv anmutende gute Neuigkeit – wie eine Beförderung – durchaus auch gemischte Gefühle auslösen. Solche Gefühle, Bedenken und Ängste sollten unbedingt angesprochen werden, wenn sie bedeutsam sind. Allerdings: Erst zu gegebener Zeit!

Das richtige Timing ist matchentscheidend. Verkündet die Partnerin euphorisch ihre Beförderung, gehört dieser Moment des Triumphs vor allem ihr. Das Scheinwerferlicht, die Hauptrolle, der Applaus, die Blumen. Sie soll diesen Sieg feiern und auskosten. Wir als Partner spielen in diesem Augenblick nur die Nebenrolle.

Ressourcen der Paarbeziehung stärken

Eine aktiv-konstruktive Kommunikation kann dabei helfen, Ressourcen für die Paarbeziehung klug auszuschöpfen. Studien belegen, dass sie auch für den Einzelnen enorme Vorteile bringt: positive Emotionen, erhöhtes Wohlbefinden und gesteigertes Selbstwertgefühl. In der Paarbeziehung steigt die Beziehungszufriedenheit, das Gefühl von Intimität nimmt zu. Zudem hat es positive Auswirkungen auf das gegenseitige Vertrauen, die gefühlte Nähe und Stabilität der Beziehung.

Das Potenzial dieser Art zu kommunizieren ist beeindruckend – und zudem vielschichtig. Denn sie kann sowohl im Privaten als auch im beruflichen Kontext eingesetzt werden. Egal, in welchem Bereich und in welcher Beziehung: Im Kern geht es immer darum, Beziehungen wertzuschätzen und zu pflegen, indem wir für besondere (gerne auch kleine) Momente bewusst innehalten, diese gemeinsam würdigen – und feiern. Die Psychologin Susan David empfiehlt, dass wir uns dafür eine Scheibe von unseren Kindern abschneiden: «Remember to dance when you can!»

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