Switzerland

Wie kann die Versorgung der Risikogruppen sichergestellt werden? –  Freiwillige helfen und Detailhändler gehen neue Wege

In Zeiten von Corona müssen immer mehr Menschen zu Hause bleiben. Gleichzeitig stösst der Online-Handel an seine Grenzen. 

Ein Szenario ist, dass rund ein Viertel der Bevölkerung mit Lebensmitteln beliefert werden muss.

Ein Szenario ist, dass rund ein Viertel der Bevölkerung mit Lebensmitteln beliefert werden muss.   

Alessandro Crinari / Keystone/Ti-Press

Ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sollten daheim bleiben. Andere stehen unter Quarantäne oder können aus gesundheitlichen Gründen das Haus nicht verlassen. Für manche kaufen Familie, Freunde und Nachbarn ein. Die Lebensmittel zu bestellen, ist für die Betroffenen kurzfristig keine Alternative. Die Online-Shops haben massive Lieferschwierigkeiten. Die Kunden stecken zum Teil längere Zeit in Warteschlaufen fest und haben Mühe, noch ein Lieferfenster zu ergattern. Einzelne Regionen werden derzeit gar nicht mehr beliefert.

Senioren haben Vorrang im Online-Shop

Was können Online-Shops wie LeShop, [email protected] oder Farmy tun, damit die Risikogruppen trotzdem mit Lebensmitteln versorgt werden? Farmy begegnet diesem Problem, indem für besonders gefährdete Menschen zusätzliche Liefertermine geschaffen werden, da die normalen Lieferfenster bis Mitte April ausgebucht sind. Um sicherzustellen, dass die priorisierten Liefertermine tatsächlich nur von Kunden genutzt werden, die einer Risikogruppe angehören, muss ein Nachweis erbracht werden. Das können Bilder sein, ein Ausweis oder andere Erklärungen. Die Belege werden laut Farmy streng vertraulich behandelt und nicht lokal gespeichert. Jeder zu prüfende Fall werde nur von einer Person gesichtet und danach sofort wieder gelöscht. Das Angebot gilt seit dieser Woche; laut einer Sprecherin haben sich bereits sehr viele Kunden gemeldet.  

Für Migros und Coop kommt ein solches Vorgehen dagegen nicht in Frage. Coop verweist darauf, aus Personenschutzgründen keine Informationen über den Gesundheitszustand einzuholen. Bei der Migros heisst es, das Alter wäre zwar technisch prüfbar, aber für alle anderen Risikogruppen und Personen in Quarantäne sei dies unter anderem aus Überlegungen des Datenschutzes nicht möglich.

Wenn Unternehmen Nachweise einfordern, sind die Grundprinzipien des Datenschutzgesetzes einzuhalten. Laut der Pressestelle des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten steht vor allem die Verhältnismässigkeit im Vordergrund. So muss unter anderem sichergestellt werden, dass nicht mehr Daten als erforderlich verlangt werden, dass diese sicher übermittelt werden und dass sie nicht länger aufbewahrt werden als nötig. Laut einer Sprecherin dürfte sich in der Praxis die Umsetzung im Einklang mit dem Datenschutzgesetz und ohne das Risiko, gewisse Bevölkerungsgruppen zu diskriminieren, eher schwierig gestalten.  

Im Tessin gilt ein Verbot 

Die Online-Shops decken in der Schweiz nur einen kleinen Anteil des Umsatzes mit Lebensmitteln ab. 2019 waren es weniger als 3%, der Grossteil der Einkäufe wird in den Supermärkten getätigt. Im Kanton Tessin dürfen nun aber über 65-Jährige nicht mehr in die Läden zum Einkaufen. Um die Versorgung von älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sicherzustellen, arbeitet der kantonale Krisenstab mit Organisationen wie Pro Senectute, Schweizerischen Roten Kreuz (SRK), Pro Infirmis, Spitex, Nachbarschaftshilfen und Gemeinden zusammen. «Diese Zusammenarbeit funktioniert sehr gut», sagt Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation bei Pro Senectute Schweiz . Ähnlich organisieren sich die Krisenstäbe und Organisationen in den anderen Kantonen. «Ein Szenario könnte sein, dass schweizweit zwei Millionen Personen beliefert werden müssten», sagt Burri Follath. Das wäre rund ein Viertel der Bevölkerung. 

Solidarität im Netz

Viele Organisationen stehen dabei vor einer grossen Herausforderung. Rund ein Drittel derjenigen, die bisher Freiwilligenarbeit geleistet hätten, seien selber im Pensionsalter, sagt Thomas Hauser, Geschäftsleiter der Dachorganisation der benevol Fachstellen für freiwilliges Engagement. Gefragt ist deshalb die Unterstützung durch die Jungen. «Viele junge Menschen, besonders jene, die derzeit keine Arbeit haben, melden sich freiwillig», sagt Hauser. Die Anfragen hätten sich vervielfacht. Freiwilligenorganisationen, Quartiervereine, Nachbarschaftshilfen und Kirchgemeinden könnten neue Freiwillige erst jetzt beschäftigen, weil sie zuerst die Strukturen anpassen mussten.

Das freiwillige Engagement geht aber noch weiter. Zahlreiche Initiativen sind in den vergangenen Wochen entstanden, und haben zum Teil grossen Zulauf. Sie organisieren sich über Facebook-Gruppen, Whatsapp-Chats oder sonstige Online-Plattformen. Zentral ist dabei allerdings, dass die Zielgruppe von den Angeboten erfährt. Deshalb haben auch im Internetzeitalter Aushänge im Quartier nicht ausgedient. 

Migros und Coop setzen auf Freiwillige 

Die Grossverteiler Migros und Coop setzen ebenfalls auf Freiwillige und haben entsprechende Initiativen für Gratis-Lieferungen an Risikogruppen ins Leben gerufen. Bei Coop können Kunden ab 65 Jahren Lebensmittel und Hygieneprodukte in haushaltsüblichen Mengen bestellen, die ihnen Freiwillige Helfer des SRK und anderen Partnern kostenlos nach Hause liefern. Diese Dienstleistung gilt vorerst für den Raum Bern, Olten, Zürich und Lausanne und soll auf weitere Regionen ausgeweitet werden.

Die Migros bietet seit dieser Woche in Zusammenarbeit mit der Pro Senectute kostenlose Lieferungen für Risikogruppen an. Nicht nur Ältere, sondern auch Menschen mit Vorerkrankungen oder Personen, die sich momentan in Quarantäne oder Selbstisolation befinden, können Bestellungen aufgeben. Freiwillige, die sich auf der Plattform registrieren, bringen ihnen die Waren nach Hause. Dafür lässt die Migros die Technologie von Amigos aufleben. Der Heimlieferdienst, bei dem Private für Private einkauften, wurde 2019 eingestellt. 

Die Kunden, die das Angebot nutzen, müssen allerdings nicht belegen, dass sie einer Risikogruppe angehören. Die ersten Erfahrungen in den Regionen Bern, Aargau und Solothurn haben laut der Migros zwar gezeigt, dass das Angebot grösstenteils von älteren Menschen beansprucht wird. Die angesprochene Risikogruppe ist aber auf die Solidarität der übrigen Kunden angewiesen. Zudem funktioniert das Angebot nur, wenn sich genügend Freiwillige melden. Die Initiative ist gut angelaufen: Es haben sich bereits Tausende von Helfern registriert.  

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