Switzerland

Wie in der Schweiz Energie gespart wurde

Erstmals zeigt eine Datenauswertung, wie sich der Stromverbrauch in den vergangenen Monaten verändert hat. Der Energieverbrauch ist so tief wie seit Jahren nicht mehr. Wir zeigen wo, wie und warum.

Die sich im Bau befindende Hochspannungsleitung bei Chippis im Wallis.

Die sich im Bau befindende Hochspannungsleitung bei Chippis im Wallis.

Foto: Olivier Maire (Keystone)

Plötzlich standen Bergbahnen still, Büros in den Städten blieben ungenutzt, und die Touristen blieben aus: Diese Auswirkungen des Coronavirus haben einen direkten Einfluss darauf, wie sich unser Stromverbrauch seit dem 16. März und damit seit Beginn des Lockdown entwickelt hat.

Allgemein gesprochen ging der Stromverbrauch in der Schweiz zurück. Erstmals hat die Redaktion Tamedia nun Daten detailliert untersucht. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Sonntag tief, Dienstag hoch

Täglich brauchen Schweizerinnen und Schweizer Gigawattstunden an Strom. Im ausgewerteten Zeitraum zeigt sich, dass dieser am 10. März bei 184 Gigawattstunden am höchsten lag. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Gösgen produziert im Jahr rund 8000 Gigawattstunden an Strom. Am 21. April – wie der 10. März ein Dienstag – lag der Verbrauch bei 139 Gigawattstunden – und damit deutlich darunter. Das gleiche Phänomen zeigt sich an anderen Wochentagen. Weiterhin deutlich am wenigsten Strom verbrauchen wir am Sonntag.

Beim Berner Stromkonzern BKW heisst es, dass der Stromverbrauch insgesamt um fünf bis sieben Prozent abnahm – obschon die Privathaushalte während des Lockdown mehr Strom verbraucht haben. «Der grösste Rückgang konnte bei den KMU registriert werden, rund 16 Prozent», sagt ein Sprecher.

Bei der Axpo, einem weiteren grossen Stromlieferanten in der Schweiz, zeigte sich, dass es bei den grossen Industriekunden «kaum nennenswerte Rückgänge beim Stromverbrauch» gab. Anders als bei den Haushalten. In den ländlichen Gebieten der Nordostschweiz gab es sogar eine leichte Zunahme beim Stromverbrauch, «während es in den städtischen Gebieten genau andersrum war – das könnte auf das verstärkte Homeoffice von vielen Angestellten zurückzuführen sein», sagt ein Sprecher.

Ein anderer Effekt des Zuhausebleibens: Bei der BKW verzeichnet man einen erhöhten Stromverbrauch am Abend. Das Unternehmen geht davon aus, dass dies damit zu tun hat, dass mehr gekocht wurde. Anders als in Deutschland scheinen Schweizerinnen und Schweizer allerdings weiterhin zur ungefähr gleichen Zeit wach zu werden. So zumindest im Einzugsgebiet der BKW. In Deutschland verschob sich dieser erste Peak des Tages nach hinten, die Deutschen schliefen also tendenziell eher aus.

Die Daten zeigen den gesamten Verbrauch der Endkunden – also von Privathaushalten oder auch grossen Industriekunden. Herausgerechnet wird da jeweils der Eigengebrauch der Kraftwerke und die Energie, die es benötigt, um Pumpspeicherkraftwerke zu betreiben. In den kantonalen Zahlen wird Letzteres nicht abgezogen, was zu interessanten Ausschlägen führt.

Die Touristen fehlen, der Verbrauch sinkt

Regional zeigt sich, dass in den stark vom Tourismus abhängigen Kantonen der Strombedarf stärker zurückgegangen ist als im schweizweiten Durchschnitt. So etwa im Kanton Graubünden. Dort seien in gewissen Tourismusregionen die Lastspitzen rund 30 Prozent tiefer als normal, heisst es beim Energiehersteller Repower. Auch im Wallis ging der Stromverbrauch im Vergleich zur Zeit vor dem Lockdown stark zurück. Doch auch in anderen Regionen ist der Rückgang deutlich sichtbar.

Der Kanton Glarus als Ausnahme?

Der durchschnittliche Tagesverbrauch ging in allen Kantonen zurück, ausser im Kanton Glarus. Dort stieg er gar um 40 Prozent. Das hat allerdings wenig mit dem tatsächlichen Verbrauch von Endkunden zu tun, sondern mit der Tatsache, dass der Stromverbrauch im Kanton Glarus hauptsächlich davon abhängt, ob mit viel Strom Wasser in das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern gepumpt wird.

Ein Vertreter des Bau- und Umweltdepartements des Kantons Glarus spricht davon, dass im vergangenen Jahr der Verbrauch für die Pumpspeicherung um ein 4,2-Faches höher war als der übrige Stromverbrauch. Entsprechend hat der Lockdown nur eine kleine, negative Auswirkung auf den Stromverbrauch im Kanton. Im Februar sei zudem weniger Wasser gepumpt worden. «Diese Erhöhung von Februar auf März hat den Verbrauch des Kantons massiv erhöht und alle Verbrauchsrückgänge in Industrie und Gewerbe mehr als kompensiert», heisst es aus dem Departement.

Die Sache mit dem Wetter

Klar: Das Wetter hat einen entsprechenden Einfluss auf die Menge Strom, die wir verbrauchen. Ist es wärmer, brauchen wir weniger Strom im Frühjahr. Das hat auch damit zu tun, dass dann die privaten Fotovoltaik-Anlagen mehr produzieren. Entsprechend müssen diese Haushalte weniger Strom beziehen. Somit fällt zwar nicht so sehr der Stromverbrauch, aber die ausgewiesene Menge der Versorgungsfirmen. März und April waren – im Vergleich zu den vergangenen Jahren – eher milde Monate.

Aber selbst im Vergleich zu noch milderen Monaten in diesem Zeitraum ist die verbrauchte Strommenge tiefer. Als Beispiel: Im März 2015 lag die Durchschnittstemperatur bei 6,4 Grad, und in der Schweiz wurden 4687 Gigawattstunden an Strom verbraucht. Im März dieses Jahres lag die durchschnittliche Temperatur bei 5,9 Grad. Der Verbrauch hingegen lag bei 4435 Gigawattstunden. Selbst im März 2017, als die Durchschnittstemperatur mit 8,9 Grad deutlich wärmer war, brauchten wir mehr Strom als in diesem Jahr. Dies zeigt sich noch deutlicher im April.

Frankreich noch deutlicher

In anderen europäischen Ländern sieht man den Rückgang des Stromverbrauchs ebenso deutlich wie in der Schweiz. In einigen Ländern wie etwa Italien und Frankreich ist der Rückgang noch deutlicher als in der Schweiz. Auch hier spielt wieder das Wetter eine Rolle. Doch man sieht klar, wie der Stromverbrauch aufgrund der jeweiligen Corona-Einschränkungen im Land zurückgeht.

Seit der Öffnung geht es aufwärts

Doch wie sieht es in der Schweiz nach dem April aus, also etwa Mitte Mai, als viele Läden wieder öffneten? Da dafür noch keine Zahlen vorliegen, müssen Einschätzungen von grossen Stromfirmen aushelfen. Eine Umfrage bei ihnen zeigt: Seit den ersten Lockerungsschritten ist der Verbrauch wieder angestiegen. Jedoch liegt er immer noch unter demjenigen von vor der Corona-Zeit.

Den Code und die Daten für die Analyse finden Sie auf unserer Github Seite (https://github.com/tamedia-ddj/2020_05_Stromverbrauch)

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