Switzerland

Wie hoch ist der Testosterongehalt bei Lehrern? – Ja, das wird untersucht!

Ich geb’s ja zu! Sie haben mich erwischt: Manchmal übertreibe ich etwas in meinen Kolumnen, denn so wahrhaftig lustig ist der Schulalltag doch wieder nicht. Gerade in den düsteren Wintermonaten können einem die freien Mittwochnachmittage echt aufs Gemüt schlagen. Oder gehen Sie mal an einem Mittwochnachmittag in eine Wellness-Oase, wo Sie wahrscheinlich einige gestresste Pädagogenkollegen antreffen.

Was ich aber kürzlich auf Twitter gelesen habe, ist Realsatire vom Feinsten: Die Pädagogische Hochschule Bern untersucht tatsächlich den Testosterongehalt bei Lehrern. Ich nehme an, dass man ausschliesslich männliche Individuen studieren will.

In der Ausschreibung der PH Bern geht es um psychobiologische Auswirkungen von Unterrichtsstörungen auf Lehrpersonen. Weiter heisst es zur Studie, die der Schweizerische Nationalfonds fördert: Zuerst wird man mit technischen Geräten (Sensor, Salivetten) vertraut gemacht.

Sie stimmen mir sicher zu: Das alles klingt wahnsinnig wissenschaftlich. Es werden zudem Körpergrösse und Gewicht (BMI) erhoben, Ruheblutdruck gemessen und eine kleine Haarprobe sowie eine Speichelprobe entnommen. Zudem gibt es noch einen «vierstündigen videografierten Unterricht». Das Ganze wird abgerundet mit Fragebögen und Hausbesuchen von Psychologen.

Ich frage mich doch einfach mal ganz still: Findet die PH Bern unter uns durchgenderten Pädagogen wirklich geeignete Forschungssubjekte? Gewiss, man leistet – wieder gemäss Ausschreibung – einen wichtigen Beitrag zur Forschung. Aber wer will schon als testosterongesteuerter Lehrer in einer Studie auftauchen. Und fast schon etwas verzweifelt winkt am Schluss noch ein Wellness-Gutschein über 50 Franken.

Sie möchten wissen, ob ich an der Studie teilnehme? Nein, denn ich möchte nicht in irgendeiner Wellness-Oase über meine Kolumnen mit gestressten Berufskollegen streiten.

*Patrick Hersicky (48) unterrichtet als Sekundarlehrer im Kanton Zürich und schreibt als freier Journalist für die AZ. Die Geschichten aus der «Geschützten Schulwerkstatt» entsprechen der Wahrheit,
sind aber auch satirisch zu verstehen. 

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