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Wie funktioniert Akupunktur?: Das müssen Sie darüber wissen

Sowohl die westliche als auch die östliche Medizin bezeichnen einen Menschen als gesund, wenn in seinem Körper Gleichgewicht herrscht. Dieses Gleichgewicht bezieht die westliche Medizin auf die Konzentration chemischer, körpereigener Stoffe. Die östliche Medizin strebt an, die jedem Menschen innewohnenden auch gegensätzlichen Energien Yin und Yang auszugleichen. Die Energie strömt nach asiatischer Vorstellung auf definierten Bahnen durch den Körper, den sogenannten Meridianen.

Wie funktioniert Akupunktur?

Auf diesen Leitbahnen liegen 365 Akupunktur-Punkte. Man kann sie bremsen oder anregen, beziehungsweise gestaute Energie wieder zum Fließen bringen. Das geschieht, indem feine Nadeln aus Edelstahl, Kupfer oder Gold in bestimmte Akupunktur-Punkte eingestochen werden. Wie lange die Nadeln an Ort und Stelle bleiben, hängt vom Behandlungsziel ab. Manchmal genügen wenige Minuten, teilweise dauert es auch zehn oder bis zu 60 Minuten.

Gemäss der westlichen Fokussierung auf die «Chemie im Körper», suchen hiesige Wissenschaftler nach körpereigenen Stoffen, die sie für den Effekt der Akupunktur verantwortlich machen können. Einige Studien weisen zu den Endorphinen, stark schmerzhemmenden, körpereigenen Substanzen. Die Beschränkung auf das rein stoffliche entspricht allerdings nicht der traditionell chinesischen Anschauung, die bei Diagnose und Therapie den ganzen Menschen einbezieht.

Akupunktur hilft tatsächlich bei Kopfschmerzen und Migräne

Die Auswertung der Daten von 6700 Kopfschmerz-Patienten zeigt: Akupunktur wirkt bei Spannungskopfschmerz und Migräne mindestens ebenso gut wie die schulmedizinische Standardtherapie. Zu dieser Einschätzung gelangen zwei aktuelle Meta-Analysen – also Analysen von Analysen – der internationalen Cochrane Collaboration. Die besagten Untersuchungen von Cochrane geniessen in der Fachwelt jeweils hohes Ansehen und sind die Grundlage für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien.

Cochrane stützt sich unter anderem auf die deutschen Gerac-Kopfschmerz-Studien, an denen rund 1200 Patienten teilgenommen haben. Gabriele Böwing, Ärztin und Autorin der Gerac-Untersuchungen, fasst ihre Erkenntnisse wie folgt zusammen: «Akupunktur lindert Kopfschmerzen, reduziert die Anzahl der Kopfschmerztage und beugt Kopfschmerzen vor. Deshalb sollte Akupunktur die Therapie der ersten Wahl bei Kopfschmerzen sein.»

Nadeln reduzieren Migräne-Anfälle

Bei der Behandlung von Spannungskopfschmerzen zeigte sich, dass die Kombination Akupunktur plus Medikamente einer rein medikamentösen Therapie deutlich überlegen ist: 47 Prozent der Patienten, die mit Akupunktur behandelt wurden, konnten ihre Kopfschmerztage um mindestens die Hälfte senken. In der Pillen-Fraktion waren es nur 16 Prozent. Akupunktur beugt ausserdem Migräneanfällen vor. Das zeigte die Auswertung von 22 Studien mit Migränepatienten. Bei jedem zweiten mit Akupunktur behandelten Patienten halbierte sich die Häufigkeit der Anfälle. Auch die Zahl der Kopfschmerztage sowie die Schmerzintensität war sowohl nach zwei als auch nach drei bis vier Monaten mit Akupunktur deutlich niedriger.

Vergleich mit Betablockern und Antiepileptika

Bei Migräne wurde die Akupunktur auch mit der täglichen Einnahme von Betablockern oder Antiepileptika verglichen. Ergebnis: Elf Akupunktur-Sitzungen wirken genauso gut wie Betablocker oder Antiepileptika, die der Patient über sechs Monate täglich einnehmen muss. «Damit ist die Akupunktur eine echte Alternative zur medikamentösen Prophylaxe und das bei deutlich geringeren Nebenwirkungen», erklärte Böwing, Ärztin der auf Akupunktur spezialisierten Ärztegemeinschaft Böwing-Molsberger.

Akupunktur kann gegen Depressionen helfen

Eine aktuelle Studie hat nun gezeigt, dass Akupunktur hier Linderung verschaffen kann, wenn man keine zusätzlichen Medikamente einnehmen will. Die untersuchten Patientinnen erhielten zwölf Wochen lang entweder ein Antidepressivum oder eine Akupunkturbehandlung und wurden ein Jahr lang weiter beobachtet. In beiden Gruppen konnten die Forscher einen Rückgang der Hitzewallungen und der depressiven Symptome sowie eine Verbesserung der psychischen Verfassung feststellen.

Zudem berichteten die mit Akupunktur behandelten Patientinnen, dass sie sich gesünder und fitter fühlten. Und in der Akupunktur-Gruppe wurden – im Gegensatz zur Medikamenten-Gruppe – keine Nebenwirkungen beobachtet. Das zeigt laut den Forschern, dass Akupunktur bei der Behandlung der unerwünschten Wirkungen der Antihormonbehandlung bei Brustkrebs ebenso wirksam ist wie die medikamentöse Therapie mit einem Antidepressivum. (aponet)

Chinesische Medizin gegen Angstgefühle
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sda

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Angst heisst chinesisch «jing kong» und bedeutet sowohl plötzliches Erschrecken als auch dauerhafter Zustand von Angst und Ängstlichkeit.