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Wie die Zürcher Virus-Detektive vorgehen

Wer mit einem Corona-Infizierten engeren Kontakt hatte, erhält schon bald einen Anruf vom sogenannten Contact Tracer.

Corona-Verdachtsfälle werden täglich von einer medizinischen Fachperson kontaktiert. Archivbild: Nicola Pitaro

Corona-Verdachtsfälle werden täglich von einer medizinischen Fachperson kontaktiert. Archivbild: Nicola Pitaro

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Mittwoch gesagt, Deutschland stehe «am Beginn einer Coronavirus-Epidemie». Es gebe eine «neue Qualität» der Ausbreitung. Und diese besteht laut Spahn darin, dass die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar seien. In Bayern sei die Zurückverfolgung vor kurzem noch möglich gewesen, mit den neuen Fällen, die in Baden-Württemberg bekannt wurden, nicht mehr.

So weit ist der Kanton Zürich noch nicht. Hier ist noch kein Coronavirus-Fall bekannt (zum Bericht). Die Experten sind sich aber einig, dass es bis zu einem ersten Fall nur eine Frage der Zeit ist. «Das Virus wird kommen», sagt etwa Josef Widler, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft.

Die 1-Meter-Regel

Tritt dieser Fall ein, wird die Person isoliert und gepflegt – und es beginnt die Arbeit der sogenannten Contact Tracer. Sie haben die Aufgabe, alle Personen zu ermitteln, die in den vergangenen Tagen engeren Kontakt zur infizierten Person hatten. Zielpersonen sind jene, die mindestens eine Viertelstunde lang in einem Abstand von bis zu einem Meter in Kontakt zur infizierten Person standen.

Zusammen mit dem Corona-Patienten wird eine Liste dieser Personen erstellt. Die Contact Tracer telefonieren ihnen und halten sie an, zu Hause zu bleiben. Zudem erkundigen sich Spezialisten täglich nach dem Befinden. Auch wird bei Bedarf die Versorgung sichergestellt. Weitere Personen, die zum Beispiel mit der Kontaktperson wohnen, sollen ausziehen. Hier kommt bei Bedarf wie bei der Versorgung der Zivilschutz ins Spiel, der Räumlichkeiten vermittelt.

Kritik an der Zahl der Contact Tracer

Contact Tracer sind in der Regel Pflegefachleute sowie Ärztinnen und Ärzte. Im Kanton Zürich gebe es derzeit 20, sagte Kantonsarzt Brian Martin an einer Medienorientierung. Diese tiefe Zahl (am Montag war noch von 17 die Rede) ist von Epidemiologe Christian Althaus in einem Interview mit der NZZ harsch kritisiert worden. «Da ist man bei einem grösseren Ausbruch komplett überfordert», sagte er.

Die Zürcher Gesundheitsdirektion wehrt sich gegen die Kritik. «Im Moment genügt diese Zahl», sagt ein Sprecher. «Wenn nötig, werden wir weitere Personen schulen.» Das sei rasch möglich, versichert er. Infrage kommt etwa Fachpersonal der Spitäler oder der Reisemedizin. Gemäss Kantonsarzt Martin sind sechs Personen andauernd auf Pikett.

Er wies darauf hin, dass Contact Tracing für den kantonsärztlichen Dienst nichts Neues ist. Die Vorgehensweise werde immer wieder auch in Fällen von Masern oder Pocken angewendet. Dann sei man in der Regel zu viert.

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