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Wie Cellular mit seiner innovativen Mobilitäts-App einen Herzenswunsch der Hansestadt Hamburg unterstützt

Alle privaten und öffentlichen Mobilitätsanbieter einer Stadt inklusive Rechnungsprozess in einer App integriert, das gibt es noch nicht. In Hamburg arbeitet die Firma Cellular daran und hilft der Stadt an der Elbe bei der Umsetzung der erhofften Mobilitätswende.

U-Bahn-Station an den Hamburger Elbbrücken: Die Hansestadt hat schon vor Jahren die Mobilitätswende ausgerufen und eingeleitet.

U-Bahn-Station an den Hamburger Elbbrücken: Die Hansestadt hat schon vor Jahren die Mobilitätswende ausgerufen und eingeleitet.

Hauke Hass / Imago

Der ITS-Weltkongress ist so etwas wie das Weltwirtschaftsforum der Mobilitätsbranche. Im Gegensatz zum WEF in Davos hat der Kongress «Intelligent Transport Systems» (ITS) jedoch jeweils eine andere Stadt als Gastgeber. 2021 findet das Treffen im Oktober in Hamburg statt, womit die Hansestadt ihr Image als «smarteste Stadt Deutschlands im Bereich der Mobilität» festigen kann. Diesen Titel erhielt Hamburg vom Digitalverband Bitkom verliehen, der jährlich den Smart-City-Index für 81 deutsche Städte vorstellt.

Die Metropole an der Elbe mit Deutschlands grösstem Hafen verteidigte dabei im Herbst Platz eins und erzielte in allen Themenfeldern hohe Rankings. Ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg ist die Mobilitäts-App HVV Switch, die verschiedene Mobilitätsangebote auf einer Plattform vereinigt. Hinter der App steht die Hamburger Firma Cellular. Die Entwickler sind noch längst nicht am Ende.

Integration aller Anbieter in einer App

Der Cellular-Geschäftsführer Panos Meyer und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Frage, wie sich Menschen künftig durch die Stadt bewegen wollen und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Das Ziel sei es, in die App alle Mobilitätsanbieter der Stadt zu integrieren – vom öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Bahnen über Taxis und Car-Sharing-Angebote bis hin zu E-Scootern und ähnlichem, sagt Meyer im Gespräch. Bis anhin kann man mit der App die Angebote der Hamburger Hochbahn und von einigen Sharing-Dienstleistern buchen sowie Online-Tickets kaufen.

Seit April 2019 ist zudem der in Hamburg aktive Ridesharing-Anbieter Moia, eine Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns, in die App integriert. Die rein elektrischen VW-Minibusse sind eine Mischung aus Linienverkehr und Taxis, welche die Kunden für gewisse Punkt-zu-Punkt-Verbindungen nutzen können. Jüngst integrierte Cellular die Mietwagenfirma Sixt, und dieses Jahr sollen schliesslich Stadtrad (Fahrrad-Sharing), E-Scooter von Tier und Miles (Auto- und Lastwagen-Sharing) hinzukommen.

Der Clou an der App ist, dass die Kunden alle integrierten Anbieter nutzen und kombinieren können und sich zugleich nicht um Tarife und Fahrpreise kümmern müssen, sondern am Ende ihres Weges per E-Mail eine Rechnung erhalten, die durch die hinterlegte Zahlungsmethode Paypal nahezu in Echtzeit beglichen wird. Die Umsetzung dieser schlagenden Idee ist jedoch alles andere als trivial. Die erste Ausschreibung vor drei Jahren habe Cellular gegen den Wettbewerber Sinnerschrader verloren, erzählt Meyer. Offenbar gab es dann allerdings bei der Umsetzung durch die Konkurrenten Probleme, so dass es im Dezember 2019 kurzfristig eine neue Ausschreibung gegeben habe, die Cellular schliesslich gewonnen habe.

Hamburg hat sich der Mobilitätswende verschrieben

Cellular definiert sich mit seinen gut hundert Mitarbeitern als Erfinder von digitalen Ökosystemen und als Entwickler individueller Software für Unternehmen, die überholte Geschäftsmodelle durch zeitgemässe Lösungen ersetzen wollen. Zu den Kunden gehört bei weitem nicht nur die Hamburger Hochbahn, sondern es zählen auch so bekannte Namen wie Bitburger, Edeka, TUI Cruises und das ZDF dazu. Doch mit der Mobilitäts-App arbeitet die Hamburger Firma für eine Herzensangelegenheit der Hansestadt. Hamburg hat sich der Mobilitätswende verschrieben und bereits 2014 einen entsprechenden Beirat eingesetzt, der die Verkehrsentwicklungsplanung durch spezifische Kenntnisse, Fragestellungen und Interessenlagen quasi als Qualitätssicherung unterstützen soll. Die Mitglieder kommen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und anderen Bereichen.

2018 startete die Stadt zudem ein Mobilitätslabor mit Studenten aus verschiedenen Disziplinen, um sich mit der Mobilität von morgen und den dazugehörenden Herausforderungen zu beschäftigen. Der Staatsrat Martin Bill sagt, Hamburg denke die Digitalisierung vom Menschen her, denn die Kombination von diversen Mobilitätsangeboten sei nicht nur innovativ, sondern vor allem auf die Bedürfnisse der Menschen und ihren Wunsch nach Mobilität mit dem Fortbewegungsmittel der eigenen Wahl ausgerichtet. Die Hanseatinnen und Hanseaten werden das gerne hören.

Cellular-Geschäftsführer Panos Meyer.

Cellular-Geschäftsführer Panos Meyer.

PD

Die ursprüngliche App des Hamburger Verkehrsverbundes sowie die Organisation waren allerdings nie darauf ausgerichtet, solche Dienstleistungen anzubieten. Cellular hat hier aus seiner Sicht als Sparringspartner zusammen mit der Hochbahn Pionierarbeit geleistet. Es mussten neben einer klaren Produktstrategie zuerst gemeinsame Entwicklungsprozesse etabliert werden, um ein so komplexes IT-Individualprojekt in enger Zusammenarbeit überhaupt möglich zu machen. Kern des Produktes ist eine Technik, die die unterschiedlichen IT-Systeme des Verkehrsverbundes, aber auch externer Drittanbieter zentral zusammenführt und für die App-Ausspielung zur Verfügung stellt. So können Bestandssysteme mit neuer Technologie von Drittanbietern für die Kunden ein stimmiges Gesamtprodukt erzeugen.

Nahezu einmaliges Projekt in Europa

Rund dreissig Köpfe arbeiten bei Cellular an dem Projekt, 60% von ihnen sind Entwickler. Dazu kommen Digitalstrategen, User-Interface- und User-Experience-Experten sowie das Projektmanagement. Ein Ende des Mammutprojekts ist noch nicht absehbar. Fertig sei man nie, sagt Meyer, denn das Nutzungsverhalten der Kunden ändere sich, und es gebe immer wieder technische Neuerungen und Herausforderungen. Im Durchschnitt betreue man einen Kunden sieben Jahre lang. Ein gleichermassen anspruchsvolles Projekt wie die Integration aller Mobilitätsanbieter in eine App inklusive Bezahlfunktion kennt der 47-Jährige weder in Europa noch in den USA. Lediglich in Litauen gebe es ein ähnliches System, sagt er.

Viele Nahverkehrsbetreiber in Deutschland und darüber hinaus würden andere Anbieter gar nicht wahrnehmen oder sich teilweise in Konkurrenz zu diesen sehen, sagt Meyer. Deswegen sei ein integratives Projekt wie in Hamburg immer noch eher die Ausnahme. Zudem koste die Umsetzung viel Geld, in Hamburg handle es sich um ein siebenstelliges Budget, wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist. Die Mittel für die Finanzierung des Projektes kommen jedoch nicht nur von der Stadt Hamburg, sondern teilweise auch vom Bund. Für die Hansestadt scheint sich das Engagement für die Wahrnehmung als Mobilitäts-Vorzeigestadt auszuzahlen, was sich eben auch daran zeigt, dass der ITS-Weltkongress, der nur alle drei Jahre in Europa stattfindet, in diesem Jahr in Hamburg gastiert.

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