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WHO erhöht Corona-Ausbreitungsrisiko auf «sehr hoch», 17 Tote in Italien, erste Infektionen in Mexiko, BBC meldet 210 Tote in Iran – die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus weltweit

Über 2700 Personen sind bisher in China an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, über 78 000 gelten dort als infiziert. Inzwischen sind mehr als 40 Länder betroffen. 

NZZ-Redaktion

Eine Chinesin mit einer Schutzmaske nimmt am 25. Februar eine Lieferung durch ein notdürftig ausgeschnittenes Loch in einer metallenen Barrikade an. Diese soll verhindern, dass Aussenstehende einen Wohnkomplex in Peking betreten.

Eine Chinesin mit einer Schutzmaske nimmt am 25. Februar eine Lieferung durch ein notdürftig ausgeschnittenes Loch in einer metallenen Barrikade an. Diese soll verhindern, dass Aussenstehende einen Wohnkomplex in Peking betreten.  

Kevin Frayer / Getty

Das Wichtigste in Kürze

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Die neusten Entwicklungen

Lage in Europa:

Plötzlich explodiert die Zahl der Infizierten in Italien

Zahl der Fälle des Coronavirus in Italien

  • In Deutschland verbreitet sich das Coronavirus rapide. Am Donnerstagabend (27. 2.) wurden in Nordrhein-Westfalen 14 weitere Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 bekannt, kurz danach vier weitere in Baden-Württemberg und einer in Bayern. Damit stieg die Zahl der aktuellen Infektionen in Deutschland auf 30. Mehr zu Deutschland
  • In der Schweiz sind mittlerweile acht Coronavirus-Fälle bestätigt, darunter im Tessin, in Genf, Aargau, Zürich, Basel-Stadt und Waadt. Im Kanton Graubünden haben sich zwei Kinder infiziert. Mehr zur Schweiz
  • Auch im restlichen Europa sind immer mehr Staaten vom Coronavirus betroffen. Am Freitag (28. 2.) gaben Litauen und Island den ersten Fall bekannt, am Donnerstag (27. 2.) hatten dies bereits die Niederlande, Estland und Dänemark getan. Am Mittwoch (26. 2.) hatten Kroatien, Griechenland, Nordmazedonien, Norwegen und Rumänien ihre ersten Fälle bestätigt.
  • In Grossbritannien werden zwei weitere Coronavirus-Patienten in Spitälern behandelt. Die beiden Patienten hatten sich auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa und in Italien mit dem Erreger angesteckt, wie die britischen Gesundheitsbehörden am Donnerstag (27. 2.) mitteilten. Auch Nordirland meldete am Donnerstagabend seinen ersten Coronavirus-Fall.
  • In Österreich wurden am Donnerstag (27. 2.) die ersten drei Erkrankungen in Wien bestätigt. Es stehen noch die Testergebnisse zweier Kinder aus. Beim ersten bestätigten Patienten handelt es sich laut Behörden um einen 72-Jährigen, der bereits seit zehn Tagen mit Grippesymptomen im Krankenhaus lag. Der Mann sei «schwer erkrankt» und werde künstlich beatmet. Insgesamt wurden damit in Österreich seit dem Ausbruch des neuartigen Virus fünf bestätigte Fälle gemeldet.
  • Nachdem bereits die Schweiz alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten hat, hat die Regierung in Liechtenstein am Freitag (28. 2.) die gleiche Massnahme erlassen. Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen können durchgeführt werden unter Beachtung strikter Hygienemassnahmen. Aus dem Fürstentum waren bisher (28. 2.) noch keine Fälle des Coronavirus bestätigt worden.
  • In Schweden und Finnland gibt es bisher jeweils zwei bestätigte Fälle.
  • In Frankreich starb am Mittwoch (28. 2.) zudem eine zweite Person an den Folgen der Coronavirus-Infektion. Zudem hat sich die Zahl der Infizierten im Land auf über 50 erhöht. Aus Sorge vor dem Coronavirus wurde nach dem Tod eines Touristen aus Hongkong ein Hotel in Beaune im Burgund zeitweise abgeriegelt. Die Todesursache des Mannes war zunächst unklar. 
  • In Spanien sitzen wegen vier Coronavirus-Infizierten rund 1000 Hotelgäste auf Teneriffa fest. Die Gäste dürfen das Hotelgelände nicht verlassen. Die Gesamtzahl der bestätigten Fälle in Spanien liegt damit bei 17 (27. 2.)
Arbeiter mit Masken und Schutzkleidung versprühen am 27. Februar Desinfektionslösung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Das ostasiatische Land verzeichnet besonders viele Fälle von Coronavirus.

Arbeiter mit Masken und Schutzkleidung versprühen am 27. Februar Desinfektionslösung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Das ostasiatische Land verzeichnet besonders viele Fälle von Coronavirus. 

Chung Sung-Jun / Getty Images AsiaPac

Lage in Asien:

  • Die UAE Tour, das World-Tour-Rennen der Radprofis in den Vereinigten Arabischen Emiraten, musste wegen des Coronavirus zwei Etappen vor dem Ende abgebrochen werden. Im Hotel, in dem alle Teams untergebracht sind, sind zwei italienische Radprofis positiv auf das Virus getestet worden. Dies gaben die Veranstalter und das Sportministerium des Landes am späten Donnerstagabend (27. 2.) bekannt. Alle Fahrer, unter ihnen der Schweizer Danilo Wyss und der Superstar Chris Froome, wurden danach umgehend unter Quarantäne gestellt. Die Fahrer werden nun alle getestet und dürfen bis dahin das Hotel nicht verlassen.
  • Kuwait bestätigt 43 Fälle von erkrankten Personen, wie ein Beamter des Gesundheitsministeriums mitteilte. Der Staat am Persischen Golf werde zudem alle Flugpassagiere zwingen, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach sie für mindestens zwei Wochen unter Quarantäne gestellt werden könnten, sofern die kuwaitische Regierung dies so entscheiden würde.

Hohe Sterberate in Iran

Zahl der Fälle des Coronavirus in Iran, nach Status der Patienten

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So viele Menschen sind in China an der Lungenkrankheit gestorben

Zahl der Todesfälle von Coronavirus-Patienten in China

  • In China belief sich die Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag  (27. 2.) auf 327. Damit stieg die Gesamtzahl auf 78 827. In der Volksrepublik sind an dem Virus bisher 2788 Personen gestorben, am Donnerstag 44. Am 26. Februar hatte die WHO mitgeteilt, dass erstmals seit Ausbruch des Virus in China mehr neu gemeldete Fälle ausserhalb des Landes als dort selbst registriert wurden. Für Empörung sorgte der Fall einer infizierten Frau, die am vergangenen Wochenende trotz Krankheitssymptomen von Familienmitgliedern mit dem Auto aus der abgeschotteten Metropole Wuhan nach Peking gebracht worden war, wo sie ins Krankenhaus kam. Ein derart ernster Verstoss gegen die Kontrollen in der Krisenregion hätte niemals erlaubt werden dürfen, sagte der Parteichef der Provinz Hubei, Ying Yong, nach Angaben des Staatsfernsehens. Offenbar unter Hinweis auf Spekulationen, dass es sich um jemanden mit Geld und guten Beziehungen zu höheren Stellen handele, sagte der Parteichef: «Wir müssen das untersuchen – unabhängig davon, wer es ist.» In China sind viele Städte mit Millionen von Einwohnern seit Ausbruch des Virus abgeschottet.
  • In Südkorea steigt die Zahl der Infektionen unvermindert an: Die Gesundheitsbehörden meldeten am Freitag (28. 2.) 315 neue Fälle. Die Zahl der Personen, die sich nachweislich angesteckt haben, kletterte damit auf 2337. Bisher wurden 13 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Wegen des Virus ist die für März geplante Kommando-Übung südkoreanischer und amerikanischer Streitkräfte auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Entscheidung sei mit Blick auf Südkoreas Ausrufung der höchsten Warnstufe für Infektionskrankheiten getroffen worden, teilte das gemeinsame Truppenkommando am Donnerstag mit. Die USA haben in Südkorea 28 500 Soldaten als Abschreckung gegen potenzielle Bedrohungen durch Nordkorea stationiert.

Massiver Anstieg in Südkorea

Zahl der Fälle des Coronavirus in Südkorea

  • Japan schliesst im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus bis Anfang April alle Schulen. Die Massnahme trete am Montag (2. 3.) in Kraft und umfasse alle Grundschulen, Mittelstufen und Gymnasien, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag (27. 2.). Die Regierung appellierte ausserdem, grosse Veranstaltungen in den kommenden zwei Wochen entweder zu streichen oder zu verschieben. Am Freitag (28. 2.) gab der Betreiber von Tokyo Disneyland und Disney Sea bekannt, die Vergnügungsparks bis 15. März zu schliessen. In der ostasiatischen Industrienation, die ab 24. Juli in Tokio die Olympischen Spiele ausrichten soll, sind derzeit über 200 Ansteckungen und acht Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus bestätigt. Hinzu kommen über 700 Personen, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» in Yokohama infizierten. Japan steht wegen verspäteter und unzulänglicher Massnahmen in der Kritik; es kursieren Gerüchte, wonach die Regierung die Tests bewusst zurückhalte, um die Zahlen nicht nach oben zu treiben. Besorgnis erregte der Fall einer Reiseführerin, die im Januar bereits erkrankte, und bei der zum zweiten Mal das Coronavirus diagnostiziert wurde (27. 2.) – der erste Fall dieser Art in Japan. Wie «Kyodo News» am Freitag (28. 2.) berichtet hat, ist ein Brite, der mit anderen Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess Cruise» isoliert war, gestorben.
  • Der Stadtstaat Singapur meldet bisher 96 Coronavirus-Erkrankte (Stand 27. 2.), von denen sich 30 im Krankenhaus befinden, 66 wurden inzwischen entlassen. In Singapur hat sich das Tempo der Neuansteckungen zuletzt stark verlangsamt. 
  • In Thailand sind inzwischen 41 Infektionen bekannt. Am Freitag (28. 2.) sagte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums, dass der neuste Fall ein 25-jähriger Thailänder sei, der kürzlich aus Südkorea zurückgekehrt war.
  • Taiwan hat am Donnerstag (27. 2.) die höchste Warnstufe für Infektionskrankheiten ausgerufen. Laut der taiwanischen Central News Agency kündigte Ministerpräsident Su Tseng-chang die Entscheidung in einer Kabinettssitzung am Donnerstag an. In Taiwan sind bisher 32 Fälle von Infektionen und ein Todesopfer bekannt. Die ostasiatische Nation mit 24 Millionen Einwohnern hat Reise- und Tourismus-Verbindungen mit China stark beschränkt.

Lage in Nord- und Südamerika: 

Lage in Afrika:

Lage in Australien und Ozeanien:

  • Neuseeland meldete am Freitag (28. 2.) den ersten Coronavirus-Fall – eine Person in ihren Sechzigern, die aus Iran zurückgekehrt war. Sie sei zur Behandlung in einem Krankenhaus in Auckland. Am selben Tag kündigte Neuseeland an, von nun an keine Iran-Reisenden mehr ins Land zu lassen. Wer in den vergangenen zwei Wochen in Iran war, müsse sich selbst isolieren, sagte Gesundheitsminister David Clark in einer Erklärung. Man werde ausserdem mehr Personal an die Flughäfen entsenden, die ankommende Reisende aus Hongkong, Japan, Südkorea, Singapur und Thailand in Empfang nehmen. Derzeit besteht ein Einreisestopp für Personen aus China. 
  • In Australien, wo bisher 23 Infektionen bekannt sind, kündigte Ministerpräsident Scott Morrison am Donnerstag (27. 2.) an, dass man dem Virus nun so begegne, als handele es sich bereits um eine Pandemie. Er rief Krankenhäuser dazu auf, ausreichend Artikel des medizinischen Bedarfs, Schutzkleidung und Personal bereitzustellen. «Es gibt alle Anzeichen, dass die Welt bald in die pandemische Phase des Coronavirus eintritt», sagte er in Canberra. Deswegen habe seine Regierung den Notfallplan initiiert. Australien limitiert die Einreise von Personen aus China stark; betroffen sind viele chinesische Studierende an australischen Universitäten.  

Jeder dritte Patient hat sich bereits vom Virus erholt

Zahl der weltweiten Fälle des Coronavirus, nach Status der Patienten (in Tausend)

1 Zwischen dem 12. und dem 18. 2. wurden in der Provinz Hubei nicht nur Fälle gezählt, die durch Tests bestätigt wurden, sondern auch jene aus klinischen Diagnosen.

Das Wichtigste im Detail

Anfang Januar teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Wann es angefangen hat, ist unklar. Erste Krankheitsfälle waren bereits Mitte Dezember 2019 festgestellt worden.

Es wird davon ausgegangen, dass das neuartige Coronavirus seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan hat. Von dort aus hat es sich weiter verbreitet. Eine Studie von chinesischen Forschern weckt nun (23. 2.) Zweifel an dieser Theorie. Demnach bereitete sich das Virus auf dem Markt zwar schnell aus, hatte seinen Ursprung aber an einem anderen Ort.

Die WHO hat auf einer Konferenz in Genf im Februar 2020 der Krankheit und dem Erreger je einen neuen wissenschaftlichen Namen gegeben. Der Name Covid-19 bezeichnet die neuartige Lungenkrankheit und leitet sich ab von Corona, Virus und Disease (dem englischen Wort für Krankheit), ergänzt um das Jahr der Entdeckung 2019. Auch der Auslöser der Krankheit, das Virus, erhielt einen eigenen Namen: Sars-CoV-2. Die WHO erhofft sich so einen schnellen und fundierten Austausch der bisherigen Erkenntnisse unter den Wissenschaftern. Weiterhin gebräuchlich ist der bisherige Name Coronavirus.

Angestellte des Gesundheitssektors nehmen in einem für die Passagiere der «Diamond Princess» neu gebauten Haus ihre Arbeit auf, Fo Tan in Hong Kong. 20. Februar.

Angestellte des Gesundheitssektors nehmen in einem für die Passagiere der «Diamond Princess» neu gebauten Haus ihre Arbeit auf, Fo Tan in Hong Kong. 20. Februar. 

Tyrone Siu / Reuters

Das Coronavirus wurde bis Mittwoch (26. 2.) bei mehr als 78 000 Personen in Festland-China nachgewiesen. Über 2700 Personen sind in dem Land an der durch das Virus verursachten Lungenerkrankung gestorben. Mittlerweile sind in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Ausserhalb Festland-Chinas wurden bis zum 26. Februar über 50 Todesfälle und über 3000 Infektionen bestätigt. Es sind insgesamt über 40 Länder betroffen. Die grössten Infektionsherde ausserhalb Chinas befinden sich in Südkorea, Italien und Iran. 

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht. Aufnahme vom 11. Februar 2020.

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht. Aufnahme vom 11. Februar 2020.

Stringer / Reuters

Die Zahl der Infektionen und Toten übertrifft die der Sars-Infektionen vor 17 Jahren bei Weitem. An dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) waren 2002/2003 laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 8096 Menschen erkrankt, 774 starben.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Wu Hong / EPA

China hat sofort drastische Massnahmen ergriffen: In der Provinz Hubei wurden 50 Millionen Menschen in mehr als einem Dutzend Städten weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet. Auch in drei Grossstädten ausserhalb der Provinz Hubei hat China die Bewegungsfreiheit von weiteren zwölf Millionen Menschen massiv eingeschränkt. In den betroffenen Städten wurden Flüge sowie Fern- und Nahverkehr gestoppt. Seit dem 16. Februar gilt zudem ein umfassendes Fahrverbot für die Provinz. Private Fahrten sind nicht mehr zugelassen.

Die Regierung verlängerte zudem die Ferien über das Neujahrsfest hinaus. Etliche Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Neujahrsfest in China waren abgesagt worden. Zudem rief die Regierung dazu auf, Hochzeiten zu verschieben und Trauerfeiern in kleinem Rahmen abzuhalten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Da am 3. Februar die wegen des Virus verlängerten Neujahrsferien endeten, nahm der Reiseverkehr in China allerdings wieder zu. Menschen, die nach Peking zurückkehren, müssen sich seit dem 14. Februar für zwei Wochen zu Hause oder in einem speziellen Zentrum unter Quarantäne stellen.

Aus Angst vor einer weltweiten Ausbreitung empfahl die Regierung in Peking zudem allen Chinesen, von Auslandreisen vorerst abzusehen. Zuvor hatte Peking bereits alle Pauschalreisen ins Ausland gestoppt.

Mit dem Coronavirus infizierte Personen können in der Inkubationszeit schon selbst ansteckend sein. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus.

Da vermutet wird, dass das Virus von einem Markt mit wilden Tieren auf den Menschen übertragen wurde, hat der Ständige Ausschuss des chinesischen Volkskongresses am 24. Februar den Handel und Verzehr wilder Tiere umfassend verboten. Die Verfügung erstreckt sich auch auf wilde Tiere, die gezüchtet oder in Gefangenschaft gehalten werden. Die Jagd, der Handel und der Transport für den Konsum sind damit verboten. Jeder Verstoss solle schwer bestraft werden. Auch der Einsatz von wilden Tieren in der wissenschaftlichen Forschung soll streng überprüft werden und sei genehmigungspflichtig. Bereits zuvor hatten die chinesischen Behörden den Handel und Transport wilder Tiere vorübergehend verboten. Zuchtfarmen sind seither unter Quarantäne gestellt. Alle Plattformen – von Frischmärkten über Supermärkte und Restaurants bis hin zu Online-Geschäften – mussten den Verkauf einstellen.

Zur Behandlung der Lungenkranken haben Chinas Behörden inzwischen mehr als 21 000 medizinische Fachkräfte aus dem ganzen Land in die Provinz Hubei entsandt. In Wuhan wurden ausserdem innerhalb weniger Tage zwei neue Spitäler gebaut, wo mit dem Coronavirus Infizierte behandelt werden sollen. Ähnlich war China bei der Sars-Epidemie 2003 vorgegangen, als Peking innerhalb von nur einer Woche mit 7000 Arbeitern ein neues Spital hochzog. Ein Siebtel aller in China an Sars Erkrankten wurde dort behandelt. 

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Getty

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

AP

Immer mehr Länder versuchen sich von China abzuschotten. Australien und Neuseeland haben als erste Länder ein Einreiseverbot für China-Reisende verhängt. Die USA haben wegen des Coronavirus eine «gesundheitliche Notlage» ausgerufen. Viele asiatische Staaten haben die Einreiseregeln für Chinesen verschärft (Singapur und Hongkong) oder lassen gar keine chinesischen Staatsbürger ins Land und machen die Grenzen dicht – so wie Russland. Mehrere Länder und Fluggesellschaften haben die direkten Flugverbindungen von und nach China bis auf Weiteres eingestellt.

Wegen der Lungenkrankheit haben mehrere Länder ihre Staatsangehörigen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan ausgeflogen. Wie etwa in den USA müssen die Menschen auch zum Beispiel in Deutschland zuerst zwei Wochen Quarantäne aussitzen. Der Ausbruch des Virus dauert etwa eine Woche. Damit ist man mit zwei Wochen Isolation auf der sicheren Seite, dass die betroffenen Personen gesund sind.

In Italien sind Ende Februar nach einem Anstieg der Zahl von Infizierten und Toten mehrere Orte nahe Mailand sowie im benachbarten Venetien abgeriegelt werden. Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten.

Der schwedische Möbelkonzern Ikea war eines der ersten Unternehmen, dass aus Sorge um die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern vorübergehend alle Warenhäuser in China schloss. Andere Konzerne wie H&M zogen nach. Auch Automobilhersteller wie Volkswagen und Flugzeughersteller wie Airbus oder Boeing schlossen ihre Fabriken in China vorübergehend.

Die vietnamesischen Behörden haben die Kommune Son Loi wegen des Coronavirus seit Donnerstag (13. 2.) für zunächst 20 Tage unter Quarantäne gestellt. Zu diesem Schritt hätten sich die Behörden entschlossen, nachdem sechs Infektionen in der Kommune nachgewiesen wurden. In Son Loi leben rund 10 000 Personen.

Busse bringen erste Passagiere, die das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess verlassen dürfen, zum Bahnhof von Yokohama, 19. Februar 2020.

Busse bringen erste Passagiere, die das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess verlassen dürfen, zum Bahnhof von Yokohama, 19. Februar 2020.

Tomohiro Ohsumi / Getty

Seit Anfang Februar stehen die rund 3000 Passagiere des Kreuzfahrtschiffes «Diamond Princess» unter Quarantäne im Hafen von Yokohama, Japan.

Seit Anfang Februar stehen die rund 3000 Passagiere des Kreuzfahrtschiffes «Diamond Princess» unter Quarantäne im Hafen von Yokohama, Japan.

Issei Kato / Reuters

Besonders nach dem Ausbruch der Epidemie in Italien zeigen sich manche Balkanstaaten besorgt. Die Regierung in Athen wies Schulen in ganz Griechenland an, Klassenreisen nach Italien abzusagen. Schüler, die sich bereits in Italien befänden, müssten bei der Rückkehr allerdings nicht in Quarantäne, hiess es weiter. Italien ist in Griechenland ein äusserst beliebtes Reiseziel für Klassenfahrten.

Auch in Albanien bereitet die Situation in Italien Sorge. In den dort betroffenen Regionen sollen zahlreiche Albaner und Kosovaren leben, wie der Zeitung «panorama.com.al» zu entnehmen ist. Rückkehrer aus Italien werden am Flughafen in Tirana besonders kontrolliert.

Das baltische EU-Land Litauen hat als vorbeugende Massnahme gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus am 26. Februar den landesweiten Notstand ausgerufen. In Litauen sind bisher noch keine Fälle nachgewiesen worden. Nach Regierungsangaben soll die Notstandserklärung dazu beitragen, die Arbeit der zuständigen Institutionen einfacher zu koordinieren. Auch könnten damit im Ernstfall rasch staatliche Ressourcen mobilisiert werden, hiess es in einer Mitteilung.

In Italien waren bis Donnerstag (27. 2.) 650 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 erfasst worden. Mittlerweile sind 17 Personen daran gestorben. Damit ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten und weltweit das am drittstärksten betroffene Land.

Am meisten Infizierten gibt es in der Lombardei. Auch die Emilia Romagna sowie Venetien meldeten mehrere Fälle. Zudem sind das Piemont und Latium betroffen.

Italien hat den Kampf gegen den schlimmsten Ausbruch des neuen Coronavirus drastische Massnahmen beschlossen: Um eine weitere Ausbreitung im Norden des Landes zu unterbinden, wurden die am stärksten betroffenen Städte abgeriegelt. Betroffen seien zunächst knapp ein Dutzend Orte südöstlich von Mailand mit etwa 50 000 Einwohnern sowie weitere Orte im benachbarten Venetien mit rund 3000 Bewohnern.

Ein italienischer Polizist informiert über die Absperrung der beiden Orte Codogno und Casalpusterlengo.

Ein italienischer Polizist informiert über die Absperrung der beiden Orte Codogno und Casalpusterlengo.

Guglielmo Mangiapane / Reuters

Die Stadt Casalpusterlengo ist ebenfalls abgeriegelt. Menschen warteten dort am Samstag (23. 2.) in langen Reihen vor einem Supermarkt.

Die Stadt Casalpusterlengo ist ebenfalls abgeriegelt. Menschen warteten dort am Samstag (23. 2.) in langen Reihen vor einem Supermarkt.

Guglielmo Mangiapane / Reuters

Ministerpräsident Conte kündigte die Notfallmassnahme nach Krisengesprächen mit der Zivilschutzbehörde des Landes an. «Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen», sagt Conte. Zunächst sollten die Sicherheitskräfte die betroffenen Regionen abriegeln. «Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein», fügte Conte hinzu. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe «strafrechtliche Verfolgung». Er setze dennoch auf Verständnis der Bevölkerung.

Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, sagte Conte. Am 26. Februar gab Italien jedoch bekannt, wegen des Coronavirus vorerst keine Asylsuchenden aus den Dublin-Staaten mehr zu übernehmen.

Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch schwer erkrankt in der Klinik der Kleinstadt Codogno behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

In Italien grassiert das Coronavirus: Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch schwer erkrankt in der Klinik der Kleinstadt Codogno (hier eine Aufnahme aus Codogno vom Abend des 22. 2.) behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

In Italien grassiert das Coronavirus: Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch schwer erkrankt in der Klinik der Kleinstadt Codogno (hier eine Aufnahme aus Codogno vom Abend des 22. 2.) behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

Luca Bruno / AP

In zehn Gemeinden der Lombardei wurden Schulen und ein Grossteil der Geschäfte vorübergehend geschlossen. Rund 50 000 Einwohner sind aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. Grossveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden verboten. Auch in Venetien wurden Massnahmen beschlossen, die eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern sollen.

Wegen des Coronavirus übernimmt Italien vorerst keine Asylsuchenden mehr aus den Dublin-Staaten. Das teilte das italienische Innenministerium am Mittwoch (26. 2.) mit. Von der Massnahme sind alle europäischen Staaten betroffen, die im Rahmen des Dublin-Abkommens Asylsuchende, deren Asylgesuch nach den Bestimmungen der Dublin-Verordnung durch Italien zu prüfen ist, nach Italien überstellen wollen.

Das Coronavirus aus China ist nach Einschätzung italienischer Forscher «wochenlang unbemerkt» in Italien zirkuliert, bevor die ersten Fälle nachgewiesen wurden. Möglicherweise sei der Erreger schon seit Mitte Januar im Land, und offenbar sei er seitdem mutiert, sagte der Leiter des Biomedizinischen Forschungsinstituts, Massimo Galli, am 28. Februar. Gallis Team am Sacco-Krankenhaus in Mailand war es zuvor gelungen, den italienischen Erregerstamm zu isolieren. Dass der Erreger inzwischen mutiert ist, sei keine «unglaubliche Entdeckung», sagte Galli. Das Virus verändere sich von Person zu Person. Doch helfe diese Entdeckung, die «Dynamik der Epidemie» besser zu verstehen: Warum beispielsweise Italien besonders viele Infektionsfälle aufweise oder welche Unterschiede der Erreger dort zum Coronavirus in China aufweise. Dies könne auch bei der Behandlung und der möglichen Entwicklung eines Impfstoffs helfen.

Der Notfall-Ausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag (29. 1.) eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen. Damit verbunden sind konkrete Empfehlungen, wie alle Länder der Welt einer weiteren Ausbreitung vorbeugen können. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmassnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren. In der Woche davor hatte die WHO noch darauf verzichtet, den Ausbruch als internationalen Gesundheitsnotstand einzustufen.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Reuters

Nach der Ausrufung des internationalen Notstands sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass die Zahl der Infektionen ausserhalb Chinas zwar noch relativ gering sei. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. Die grösste Sorge sei, dass sich das Virus in solchen Ländern ausbreiten könnte. Der Schritt sei nicht als Misstrauensvotum gegen China zu verstehen, betonte der WHO-Generaldirektor und lobte ausdrücklich die Massnahmen der Chinesen, denen zu verdanken sei, dass es bisher nur einige Dutzend Fälle im Ausland gebe.

Das neu entdeckte Virus ist ein Coronavirus und gehört damit zur selben Virusfamilie wie der Sars- und der Mers-Erreger. Zu dieser Familie gehören aber auch harmlose Schnupfenviren und Erreger, die Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Die nächsten Verwandten des neuen Erregers sind Viren, die man aus Fledermäusen isoliert hat.

Zurzeit geht man davon aus, dass das neue Virus weniger krankmachend ist als die Sars- und Mers-Viren. Bei diesen sterben knapp zehn respektive gut 34 Prozent der Erkrankten. Laut einer neuen Erhebung aus China hat das neue Virus eine Todesfallrate von 2,3 Prozent. Falls sich herausstellt, dass es sehr viele nur leicht erkrankten Personen gibt, kann diese Zahl deutlich kleiner werden.

Mit systematischen Antikörper-Tests in der Bevölkerung können Forscher untersuchen, wie viele Personen Kontakt mit dem gesuchten Erreger hatten, ohne eine Erkrankung zu entwickeln. Auch die Zahl dieser Personen ist wichtig, um die Gefährlichkeit eines Erregers richtig einzuschätzen. Diese Untersuchungen finden allerdings oft erst gegen Ende oder gar nach einer Epidemie statt, auch, weil die Entwicklung eines solchen Tests eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Laut dem Direktor des Chinese Center for Disease Control and Prevention gibt es derzeit auch keine Hinweise auf sogenannte «super spreaders» («Superverteiler»). Solche Infizierte tragen besonders stark zur Verteilung eines Virus bei. «Super spreaders» gab es zum Beispiel bei der Sars-Epidemie; auch bei HIV sind sie bekannt. Ein Erreger, der nur beschränkt von Mensch zu Mensch übertragbar ist, kann sich nicht so einfach ausbreiten wie etwa das Grippe- oder das Masernvirus.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

PD

Die Patienten hatten laut WHO vor allem Fieber, einige klagten zudem über Husten, Halsschmerzen und Schwierigkeiten beim Atmen. Auf dem Röntgenbild zeigten sich die für eine Lungenentzündung typischen Veränderungen.

Die Altersspanne der Personen mit bestätigten Infektionen ist gross; sie reicht von kleinen Kindern bis zu betagten Personen. Die meisten Betroffenen sind laut der WHO Erwachsene. Ältere Personen mit bereits bestehenden Krankheiten scheinen besonders anfällig für schwere Verläufe der Atemwegsinfektion zu sein. So liegt die Todesfallrate laut einer neuen Erhebung bei Personen ab 80 Jahren bei 14,8 Prozent, während sie bei Personen ohne vorbestehende Krankheiten 0,9 Prozent beträgt. Bei Kleinkindern scheint die Infektion eher mild zu verlaufen.

Der grösste Teil der Infizierten in China – knapp 90 Prozent – gehört zur Altersklasse der 30- bis 79-Jährigen. Es sind in China mittlerweile praktisch gleich viel Frauen wie Männer betroffen. Frühere Auswertungen deuteten darauf hin, dass die Krankheit eher Männer trifft. Allerdings sind auch nach den neueren Zahlen die Todesfallraten bei Männern mit 2,8 Prozent höher als bei Frauen (1,7 Prozent).

Als Ausgangspunkt der Infektion wird ein Fischmarkt in Wuhan vermutet, der Huanan Seafood Wholesale Market, auf dem auch lebende Wildtiere verkauft wurden. Dort wurde das Virus auf verschiedenen Oberflächen nachgewiesen, und dort soll es von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Noch immer unklar ist, von welcher Tierart.

Die Infektion wurde allerdings offenbar sehr rasch über Ansteckungen von Mensch zu Mensch – vermutlich über eine Tröpfcheninfektion – weitergegeben. Bereits einige der ersten Patienten sollen keinen Kontakt mit dem Markt gehabt haben. Besonders gefährdet, sich zu infizieren, sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Personen, die in engem Kontakt mit Erkrankten stehen, etwa innerhalb der Familie oder bei der Versorgung von Patienten im Spital. Berechnungen, die auf den bisherigen Daten zur Epidemiologie beruhen, gehen davon aus, dass jeder Fall zwischen 1,4 und 5,5 weitere Personen ansteckt.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Infizierte schon ansteckend sein können, bevor sie Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Diese sogenannte Inkubationszeit dauerte nach derzeitigem Wissen bei den ersten Fällen ausserhalb Chinas im Durchschnitt knapp sechs Tage.

Neben Tröpfcheninfektionen könnte das Virus aber auch über das Verdauungssystem verbreitet werden. Chinesische Forscher haben das Virus auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben. 

In leichten Fällen kann sich die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit dem neuen Virus verursacht wird, laut der WHO in Form einer laufenden Nase und eines leichten Hustens zeigen. Zu den schwereren Symptomen zählen Fieber, Husten und Schwierigkeiten beim Atmen bis hin zu einer Lungenentzündung.

Den Arzt aufsuchen sollte man laut der Organisation bei Fieber oder Atemproblemen. Wichtig sei dann, eine allfällige Reise in betroffene Gebiete oder einen Kontakt mit Erkrankten zu erwähnen. Bei leichtem Unwohlsein reiche es, zu Hause zu bleiben.

Wie gegen viele Viruserkrankungen, gegen die es kein ursächlich wirksames Heilmittel gibt, setzen Mediziner auch bei Covid-19 unterstützende Therapien ein, welche die Genesung des Patienten erleichtern.

Die chinesische Arzneimittelbehörde hat zudem Mitte Februar ein erstes antivirales Medikament gegen das neuartige Coronavirus zugelassen. Favilavir (Favipiravir) wirkt gegen verschiedene RNA-Viren, zu denen auch die Coronaviren gehören. Das Mittel wird laut den chinesischen Behörden zurzeit an 70 Patienten getestet. Es sei wirksam gegen das Virus, habe aber leichte Nebenwirkungen. Die Produktion des Medikaments in China hat bereits begonnen.

Ebenfalls an Patienten untersucht werden in China zurzeit Chloroqin, ein bekanntes Malariamittel, und das amerikanische Anti-Virus-Medikament Remdesivir. Letzteres wirkt gegen Mers-Viren und wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Beide Mittel haben sich in Zellkulturen als wirksam gegen das neuartige Coronavirus erwiesen. Laut ersten Resultaten soll Chloroquin auch bei den Patienten gewisse therapeutische Effekte gegen das neue Virus zeigen. Ergebnisse zu Remdesivir wurden noch nicht berichtet.

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit von dem neuen Coronavirus und dem Sars-Virus – beide könnten laut chinesischen Forschern an den gleichen Rezeptor in der menschlichen Lunge andocken –, untersuchten Wissenschafter auch eine Reihe bekannter Antikörper, die gegen den Sars-Erreger wirken. Tatsächlich fanden sie, dass einer davon auch das neue Coronavirus band. Seine Bindungsstelle könnte, so schliessen sie, ein mögliches Ziel für Wirkstoffe gegen das Virus sein.

Nein, es gibt noch keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus. Frühstens in einem Jahr könnte ein Impfstoff vorliegen, da allein bis zur Testreife eines Impfstoffs mindestens einige Monate vergehen dürften. Da das Virus aus derselben Virusfamilie wie der Sars- und Mers-Erreger stammt, können die Wissenschafter allerdings Lehren aus der Impfstoff-Forschung an Sars und Mers ziehen. Denn die nahe Verwandtschaft der Viren ermöglicht es mindestens teilweise, bei der Entwicklung einer Impfung gegen das neue Virus auf bereits vorhandene oder gar schon standardisierte Verfahren oder Impfstoff-Bauteile beispielsweise experimenteller Mers-Impfungen zurückzugreifen. 

In Arbeit sind verschiedene Varianten von Impfstoffen. Am schnellsten die Arbeit aufnehmen konnten jene Teams, die für ihre Methode nicht das komplette Virus, sondern nur dessen genetische Sequenz brauchen, die chinesische Wissenschafter schon früh zur Verfügung gestellt hatten. Gewöhnlich basieren Impfstoffe darauf, dem Immunsystem den ganzen Erreger – abgeschwächt oder abgetötet – oder Teile des Erregers zu präsentieren, gegen den oder die es Antikörper herstellen soll. Für die Entwicklung solcher Impfstoffe ist das Virus selbst nötig, oder es müssen Bestandteile von ihm hergestellt werden. Die genetischen Verfahren dagegen benötigen nur genetische Sequenzen, die dann entweder in Form von DNA oder als sogenannte mRNA injiziert werden.

Mittlerweile ist es auch Labors ausserhalb Chinas gelungen, das neue Coronavirus zu züchten. Das dürfte dessen Erforschung weiter beschleunigen. Unter anderem hoffen die Forscher, nun einen Antikörper-Test entwickeln zu können. Dieser ist unter anderem für die Validierung von Impfungen wichtig, da er die Überprüfung der Impfreaktion ermöglicht.

Um sich selbst und andere zu schützen, empfiehlt die WHO, eine Reihe grundlegender Hygienemassnahmen einzuhalten. So sollte man unter anderem regelmässig die Hände mit Wasser und Seife oder einer alkoholbasierten Lösung reinigen. Muss man husten oder niesen, sollte man Mund und Nase mit einem Taschentuch oder dem Ellbogen bedecken. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und Hände waschen.

In Risikogebieten rät die WHO zudem, nahe Kontakte mit Personen zu meiden, die Erkältungs- oder Grippesymptome zeigen, sowie Fleisch und Eier gründlich zu kochen. Besucht man in solchen Gebieten Märkte, sollte man den direkten, ungeschützten Kontakt sowohl zu Tieren als auch mit solchen Oberflächen vermeiden, die mit Tieren in Berührung gekommen sind.

Während chinesische Experten aus Hongkong dafür plädierten, unbedingt eine Schutzmaske zu tragen, relativierten britische Ärzte auf Anfrage der BBC deren Wirksamkeit. Reguläre Chirurgenmasken böten keinen wirklich effektiven Schutz gegen in der Luft herumschwirrende Viren oder Bakterien, da sie zu durchlässig seien und die Augen frei liessen. Korrekt getragen und regelmässig ausgewechselt, reduzierten sie allerdings das Risiko einer Ansteckung beispielsweise beim Husten oder Niesen.

Mit dem neuen Virus verwandte Viren hat man in Fledermäusen gefunden. Die Epidemie soll ihren Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan haben. Das Überspringen eines tierischen Virus auf den Menschen ist ein Vorgang, der immer wieder passiert und nicht per se dramatisch ist. Auf diese Weise entstehen ständig neue humanpathogene Erreger und damit auch neue Krankheiten. Wie gefährlich eine neu aufgetretene Krankheit («emerging disease», «emerging virus») ist, muss im Einzelfall anhand seiner Virulenz und Übertragbarkeit abgeklärt werden. Dies passiert beim neuen Coronavirus gerade. Aber es ist klar: Auf diese Weise können auch immer wieder gefährliche Krankheitserreger entstehen und solche, die eine weltumspannende Epidemie auslösen.

Eine solche Pandemie hat die Welt beispielsweise 2009/10 mit dem sogenannten Schweinegrippevirus erlebt (auch Influenzavirus H1N1 genannt). Dieser Virus war mit einer Todesfallrate von nur 0,02 bis 0,4 Prozent sehr mild. Allerdings war er leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, und seine Ausbreitung liess sich nicht verhindern: Bereits zwei Monate, nachdem die erste Häufung von Fällen gemeldet wurde, gab es insgesamt 30 000 bestätigte Fälle in 74 Ländern. Zehn Monate später war die pandemische Grippe in 212 Ländern bestätigt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass viele neue Erreger im asiatischen Raum entstehen. Das hat mit den oft prekären Verhältnissen zu tun, wie verschiedene Tierarten und der Mensch auf engstem Raum zusammenleben. Dadurch können Viren leicht zwischen den Tierarten zirkulieren und sich genetisch so weit verändern, dass sie schliesslich auch den Menschen infizieren können. Gelingt das einem besonders aggressiven Erreger, der zudem die biologische Fähigkeit zur Mensch-zu Mensch-Übertragung besitzt, kann es sehr gefährlich werden.

Mitarbeit: mbe. ran., kus., ni., slz., koe., gam., nyf., gaf., bso., esb., kkl., nbe., tsm., amü., lat., ela., koa., nth., joe., cke.; mit Agenturmaterial