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Weshalb eine Grippeimpfung wegen Corona in diesem Jahr besonders wichtig ist

Wegen der Pandemie empfehlen Mediziner, sich in diesem Herbst gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Doch wie hilft das? Und gibt es überhaupt genug Impfdosen für alle? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Die Impfung ist laut dem Bundesamt für Gesundheit der beste Schutz gegen die Grippe.

Die Impfung ist laut dem Bundesamt für Gesundheit der beste Schutz gegen die Grippe.

Gaetan Bally / Keystone

Der kommende Winter dürfte für das Gesundheitssystem eine Herausforderung werden. Bereits jetzt lässt die starke Zunahme von Covid-19-Patienten die Zahl der Spitaleinweisungen wieder ansteigen. Mit dem Herbst rückt zudem die alljährliche Grippesaison näher. Suchen im Januar dann auch noch viele Grippekranke ärztliche Hilfe, droht das Gesundheitssystem zu überlasten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat deshalb kürzlich seine nationale Grippe-Impf-Kampagne lanciert. Doch was bringt eine Impfung überhaupt? Und hilft sie wirklich, die Folgen der Corona-Pandemie einzudämmen? Die wichtigsten Antworten im Überblick:

Eine Grippe (Influenza) verläuft nicht immer harmlos. Gefährdet sind vor allem Personengruppen wie Säuglinge, frühgeborene Kinder bis zwei Jahre, ältere Menschen ab 65, schwangere Frauen oder Personen mit einer chronischen Erkrankung. Bei ihnen kann die Grippe zu schweren Komplikationen führen, wie etwa einer bakteriellen Lungen- oder einer Herzmuskelentzündung.

Eine jährliche Grippeimpfung bietet laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) den besten Schutz vor einer Ansteckung oder Erkrankung. Sie schützt dabei nicht nur die geimpfte Person, sondern zu einem gewissen Grad auch deren Umfeld – und damit auch Personen mit einem höheren Komplikationsrisiko. Leider ist die Impfwirkung jedes Jahr sehr unterschiedlich.

Erst einmal muss festgehalten werden: Die Impfstoffe gegen die herkömmliche Grippe bieten keinen Schutz gegen das Coronavirus. Dieses ist neu und unterscheidet sich von Grippeviren. Deshalb braucht es zu dessen Bekämpfung einen eigenen Impfstoff.

Dennoch wird eine Impfung gegen das Grippevirus gerade in Corona-Zeiten dringend empfohlen. Die Symptome einer saisonalen Grippe lassen sich nämlich kaum von jenen von Covid-19 unterscheiden. Fieber, Husten oder Muskelschmerzen können in beiden Fällen gleichermassen auftreten. Bei einer Impfung gegen die Grippe kann zumindest in den meisten Fällen eine Erkrankung mit dieser im Vornherein ausgeschlossen werden. Zumindest, sofern die Impfwirkung in diesem Jahr gut ausfällt.

Zudem sind die Risikopatienten bei Covid-19 praktisch dieselben wie bei der saisonalen Grippe. Vor allem ältere Personen ab 65, schwangere Frauen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer Vorerkrankung sind gefährdet. Die Kapazitäten im Gesundheitswesen würden durch schwere Grippeverläufe also zusätzlich verknappt.

Mit der Grippeimpfung soll während der Corona-Pandemie verhindert werden, dass zusätzlich zu den Corona-Verdachtsfällen noch Tausende Personen mit einer Grippeerkrankung die Arztpraxen und Spitäler überlasten. Laut Infovac, einer Informationsplattform für Impffragen, suchen in der Schweiz jeden Winter zwischen 100 000 bis über 300 000 Personen wegen grippeähnlicher Erkrankungen eine Ärztin oder einen Arzt auf. Je weniger Grippefälle es gibt, desto weniger dürfte es also zu Warteschlangen vor den Corona-Testzentren kommen und desto mehr Kapazitäten dürfte es im Gesundheitswesen für schwere Covid-19-Verläufe haben.

Die Grippeimpfung ist vor allem für Personen wichtig, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dazu zählen ältere Personen ab 65 Jahren, Schwangere, Personen, die an einem schwachen Immunsystem oder an einer chronischen Krankheit leiden, und Angestellte im Gesundheitswesen, die beruflich viel Kontakt mit anderen Menschen haben. Auch für Kinder wird eine Impfung empfohlen, da sie das Grippevirus massgeblich übertragen.

Wegen der Coronavirus-Pandemie wird die Grippeimpfung in diesem Jahr nicht nur für Risikogruppen und das Gesundheitspersonal empfohlen. Mehrere Experten, unter ihnen auch der Leiter der Corona-Task-Force des Bundes, Matthias Egger, empfehlen, dass sich möglichst viele Personen impfen lassen.

Eine Grippeimpfung ist beim Hausarzt und seit 2015 auch in Apotheken mit einer Grippe-Impf-Erlaubnis möglich.

Laut dem Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse können sich Erwachsene inzwischen in fast allen Kantonen in einer Impf-Apotheke direkt impfen lassen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Einzig in den Kantonen Appenzell-Innerrhoden und Appenzell-Ausserrhoden ist nur eine Impf-Beratung möglich, da dort den Apothekern die gesetzliche Grundlage für eine Impfung fehlt. Im Tessin wird für die Impfung ein Arztrezept benötigt. Die rund 1000 Impf-Apotheken sind unter www.impfapotheke.ch aufgeführt.

Die Produktion für die diesjährige Grippeimpfung wurde noch vor der Corona-Pandemie geplant. Da sie sehr aufwendig ist, braucht es eine gewisse Vorlaufzeit. Die Produktion kurzfristig hochzufahren, ist deshalb nicht möglich.

Genaue Zahlen zu den Vorräten gibt es keine. Der Markt für nicht pandemische Impfstoffe inklusive der saisonalen Grippeimpfstoffe unterliegt der freien Marktwirtschaft. Der Bund selbst kauft keine Impfdosen, steht aber laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit den Herstellern in Kontakt, damit diese noch weitere Dosen für den Schweizer Impfstoffmarkt zur Verfügung stellen. Laut BAG würde es im Corona-Jahr rund 2,5 Millionen Impfdosen brauchen. Verfügbar sind laut Schätzungen aber lediglich etwa zwei Drittel dieser Menge. So wurden in diesem Jahr ähnlich wie in den Vorjahren rund 1,2 Millionen Impfdosen bestellt. Diese werden im Oktober und November an die Praxen, Spitäler, Heime und Apotheken geliefert. Dennoch geht das BAG davon aus, dass bis Ende Dezember genügend Grippeimpfdosen zur Verfügung stehen werden, wie es auf Anfrage heisst. So werden im Dezember nochmals zusätzlich rund 550 000 Dosen an den Schweizer Markt geliefert.

Bereits jetzt gibt es jedoch Meldungen, wonach der Grippeimpfstoff knapp wird. Sowohl das BAG als auch der Haus- und Kinderärzte-Verband MFE bestätigen auf Anfrage, dass einzelne Apotheken und Arztpraxen keine Impfdosen mehr zur Verfügung hätten oder dieses Jahr länger auf ihre Lieferung warten müssten.

Dem Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse liegen keine konkreten Bestandsaufnahmen der Schweizer Apotheken vor, wie es auf Anfrage heisst. Der Verband schätzt aber, dass die rund 1000 Impf-Apotheken in der Schweiz die Nachfrage abdecken können. Die Mehrzahl der Apotheken habe frühzeitig Impfdosen bestellt. Dennoch könne es bei einigen zu einem Engpass kommen. So hatte der Kanton Aargau etwa, wo Apotheken erst seit dem 1. Oktober impfen dürfen, bisher nur beschränkt die Möglichkeit, Impfdosen zu beschaffen.

In Basel haben die Apotheken bereits Engpässe vermeldet. Laut Lydia Isler-Christ, Präsidentin des Baselstädtischen Apotheker-Verbands, ist die Nachfrage riesig. «In einer Woche benötigen wir derzeit so viele Impfdosen wie normalerweise in einem Monat.» Zwar habe man mit einer erhöhten Nachfrage in diesem Jahr gerechnet, sagt sie, «doch dass wir dermassen überrannt werden, haben wir nicht erwartet».

Laut Isler-Christ haben die Apotheken in Basel-Stadt und Baselland im Frühling gesamthaft eineinhalb Mal so viele Impfdosen bestellt wie sonst üblich. Zwar komme im November noch eine Ladung. Ob diese reichen werde, wisse sie nicht. Sie befürchtet, dass nicht für alle, die sich dieses Jahr impfen lassen wollen, genügend Impfdosen vorhanden sein werden. Diese Sorge hat man auch beim Schweizer Haus- und Kinderärzte-Verband MFE. Dort will man zum Start der Impfungen im November in den ersten zwei Wochen ganz bewusst bevorzugt Risikopersonen impfen.

Der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung ist von Oktober bis spätestens Mitte Dezember. So bleibt noch genügend Zeit, damit das körpereigene Immunsystem noch vor Beginn der Grippesaison einen Impfschutz aufbauen kann. Das kann bis zu 14 Tage dauern. In der Schweiz beginnt die Grippewelle in der Regel nicht vor Ende Dezember, meistens aber erst im Januar.

Da der Impfschutz nur zwischen neun und zwölf Monate lang wirkt, sollte die Impfung jährlich wiederholt werden.

Eine Grippe wird durch Viren ausgelöst. Diese sind wandlungsfähig und verändern sich ständig. Deshalb muss jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden, der gegen die Grippeviren in der folgenden Saison wirksam ist. Wie wirksam ein Impfstoff ist, hängt deshalb auch davon ab, ob die darin enthaltenen Virenstämme mit den aktuellen Grippeviren bestmöglich übereinstimmen.

Besteht eine gute Übereinstimmung, beträgt die Schutzwirkung bei jungen Erwachsenen gut 80 Prozent. Bei älteren Personen, bei denen das Immunsystem in der Regel nicht mehr so effektiv arbeitet wie bei jungen, kann das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, im Schnitt um rund 50 Prozent reduziert werden. Bei Personen, die trotz Impfung die Grippe bekommen, verläuft die Krankheit aber meist deutlich milder und mit weniger Komplikationen als bei nicht Geimpften.

Laut der Grippeimpfpromotion des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ist das Risiko schwerer Nebenwirkungen aufgrund einer Impfung gering. Die Gefahr ernsthafter Komplikationen bei einer Grippeerkrankung ist demnach um ein Vielfaches höher.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Rötungen oder Schmerzen an der Injektionsstelle. Sie treten bei etwa 10 bis 40 Prozent der Geimpften auf. Bei 5 bis 10 Prozent treten zudem erhöhte Temperatur, Muskelschmerzen oder ein leichtes Unwohlsein auf. Diese Nebenwirkungen sind harmlos und klingen ohne Therapie spätestens nach einigen Tagen ab.

In sehr seltenen Fällen können im Fall einer Allergie Ausschläge, Ödeme oder Atembeschwerden auftreten sowie ganz selten eine allergische Sofortreaktion (anaphylaktischer Schock).

Das ist falsch. Eine Grippeimpfung birgt kein höheres Risiko, leichter oder schwerer am Coronavirus zu erkranken.

Vor allem unter Impfgegnern ist die Sorge jedoch verbreitet, dass das Risiko einer schweren Erkrankung an Covid-19 mit einer Impfung gegen die Grippe steigt. Der österreichische Humanmediziner Ruediger Dahlke, der auch als Anhänger von Verschwörungstheorien gilt, hat diese Sorge noch befeuert. So behauptete er, Grippegeimpfte über 65 Jahre stünden laut der britischen Regierung auf derselben Stufe wie «frisch Transplantierte» und «schwer Krebskranke».

Die deutsche Nachrichtenagentur DPA hat diese Aussage jedoch geprüft und als sachlich falsch eingestuft. Tatsächlich hat Dahlke den Influenza-Experten Jonathan Van-Tam, der in England seit 2017 die Rolle des stellvertretenden Chief Medical Officers übernommen hat, grob falsch zitiert. Dieser wurde im März in der Sendung «BBC Breakfast» gefragt, welche Teile der Gesellschaft sich als Risikogruppen für Covid-19 ansehen sollten. Van-Tam antwortete darauf, es seien vor allem diejenigen, denen staatlicherseits eine Grippeimpfung angeboten werde, mit Ausnahme von Kindern. Van-Tam beschrieb damit jedoch lediglich diejenigen Gruppen, die auch für Covid-19 ein höheres Risiko haben, und meinte damit keinesfalls, dass Grippegeimpfte dem Coronavirus stärker ausgesetzt seien. Das bestätigte später auch eine Sprecherin des englischen Gesundheitsministeriums.

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