Switzerland

Wer regiert eigentlich? – Laut unserem Kolumnist spielt die Schweizer Wirtschaft eine grosse Rolle

Es war anfangs Oktober 2001, als der damalige Bundesrat Villiger versuchte, den UBS-Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel zu erreichen, um das Grounding der Swissair in letzter Minute zu verhindern. Doch der Banker nahm den Anruf nicht an. Angeblich hatte er auf seinem Flug in die USA keinen Empfang. Und damit wurde ein eidgenössisches Wirtschaftssymbol beerdigt. Einfach so.

Noch selten wurde uns damals so klar vor Augen geführt, wer in der Schweiz das Sagen hat. Etwa unsere Regierung? Nein. Es ist die Wirtschaft, die zum Teil sehr direkt und offensichtlich, zum Teil aber auch äusserst subtil ihren Einfluss geltend macht und damit die Politik immer und immer wieder ins zweite Glied drängt.

Doch dann geschah das Unvorstellbare. Am 16. März erklärte der Bundesrat die «Ausserordentliche Lage» und katapultierte sich damit zurück an die Macht. Mit dem verfügten Lockdown demonstrierte er auch gleich, wer nun die Hosen anhat. Breite Wirtschaftskreise waren wohl derart baff, dass sie während Tagen keinen Ton mehr herausbrachten. Erstaunt nahmen sie zur Kenntnis, dass die Regierung das tat, wofür sie ja eigentlich gewählt worden war: regieren. Das dadurch ausgehebelte Parlament hielt ebenfalls sehr lange still. Auch die vielen Einflüsterer, die die Berner Wandelhallen während der Sessionen bevölkern, meldeten sich kaum zu Wort. Zumindest nicht öffentlich.

Dass es in gewissen Kreisen wegen dieser neuen Machtverhältnisse relativ schnell zu brodeln begann, konnte man erahnen. Doch es wurden nur vereinzelte Giftpfeile abgeschossen. Vermutlich deshalb, weil das breite Volk mit den Anordnungen des Bundesrates einverstanden war.

Eine verrückte Zeit, finde ich jedenfalls. Doch was bleibt, wenn die Pandemie Geschichte ist? Werden wir uns je wieder die Hände zum Gruss reichen? Wird die Entschleunigung wieder der alten Hektik weichen? Werden Fussballer erneut wieder horrende Summen verdienen? Ich weiss es nicht. Nur von etwas bin ich überzeugt: Die Wirtschaft wird schon sehr bald wieder die alte Rolle spielen.

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

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