Switzerland

Wenn Supermärkte unverkaufte Lebensmittel an Bedürftige abgeben müssen

Das Sandwich und das Birchermüesli von der Supermarkttheke sollen nicht mehr in der Biogasanlage landen: Diese Forderung ist im Parlament mehrheitsfähig. Doch die Umsetzung ist alles andere als einfach.

Die Lebensmittelverschwendung soll eingedämmt werden.

Die Lebensmittelverschwendung soll eingedämmt werden.

Mario Hösel / Imago

In der Schweiz landen jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall oder werden wenigstens zu Biogas verarbeitet – das sind über 300 Kilogramm pro Kopf. Schuld an diesem Umstand sind vor allem die Lebensmittelindustrie und die Konsumenten. Die Detailhändler hingegen sind laut Bundesamt für Umwelt für lediglich 4 Prozent der Verluste verantwortlich. Doch die Tonnen hinter dem Supermarkt, in denen nach Ladenschluss manche noch geniessbare Lebensmittel landen, sind zum Sinnbild der Verschwendung geworden.

So hat denn auch eine relativ weit gehende Forderung der Schaffhauser SP-Politikerin Martina Munz nach dem Nationalrat nun auch in der zuständigen Ständeratskommission eine Mehrheit gefunden: Detailhändler sollen alle unverkauften, aber noch essbaren Lebensmittel an zertifizierte Organisationen oder Einzelpersonen abgeben müssen, wenn diese danach verlangen. Dies sei «ethisch geboten und ökologisch absolut zwingend», schreibt Munz in ihrem Vorstoss. Die heutigen freiwilligen Initiativen genügten nicht, um flächendeckend die Lebensmittelverschwendung zu verhindern.

Mit der Kulturlegi Sandwichs abholen

Die Sozialdemokratin macht auch Vorschläge, wie ihre Idee konkret umzusetzen sei: Entweder sollen anerkannte Hilfsorganisationen die Lebensmittel erhalten und nachher verteilen, was heute schon gang und gäbe ist. Oder die Empfänger sind Einzelpersonen, die in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Sie würden dazu einen Ausweis von einer Kirche oder der Wohngemeinde erhalten oder eine Kulturlegi der Caritas. Und könnten damit nach Ladenschluss Sandwichs oder Birchermüesli abholen. Dadurch würden die Supermärkte auch die Abfallgebühren und die Kosten für die Fahrten zu den Biogasanlagen sparen, meint Munz.

2015 hat sich die Schweiz verpflichtet, bis 2030 die Nahrungsmittelverluste zu halbieren. Entsprechend unterstützt auch der Bundesrat grundsätzlich Munz’ Forderung. Er macht gleichzeitig aber auch klar, dass eine Abgabepflicht mit dem Konzept des Lebensmittelgesetzes nicht vereinbar wäre. Diese Bedenken teilen manche Mitglieder der ständerätlichen Kommission, weshalb der Vorstoss mit 6 zu 5 Stimmen nur eine knappe Mehrheit fand.

Fast alles Essen landet im Magen

Und was halten die Grossverteiler von Munz’ Vorstoss? Sie verweisen unisono auf ihre Bemühungen, Food-Waste einzudämmen – allein schon aus ökonomischen Gründen. Die Migros hat im Jahr 2018 laut ihrem Sprecher Marcel Schlatter 98,6 Prozent aller Produkte, die in die Gestelle und Kühlschränke kamen, als Lebensmittel verkauft oder kostenlos abgegeben, etwa an gemeinnützige Organisationen wie «Tischlein deck dich». Neuerdings gibt es auch eine schweizweite Partnerschaft der Filialen, Restaurants und Take-aways der Migros mit «Too Good To Go». Auf dieser App können die Kunden Lebensmittel oder Menus am Tag des Ablaufdatums zu vergünstigten Preisen kaufen.

Doch ein kleiner Teil der Lebensmittel bleibt auch so übrig. Dass Einzelpersonen das Recht erhalten sollen, am Abend gratis Essen abzuholen, das sonst entsorgt würde, sieht die Branche kritisch. So sagt der Denner-Sprecher Thomas Kaderli: «Neben Sicherheitsaspekten beträfe das auch die Arbeitszeit der Verkaufsmitarbeitenden, die nach Ladenschluss per Gesetz dazu verpflichtet wären, Dienstleistungen zu erbringen, die nur ein sehr kleiner Teil der Kundschaft einfordern könnte, und gleichzeitig sicherzustellen, dass Nichtberechtigte davon ausgeschlossen wären.» Es gebe zudem rechtliche Fragen, erklärt Kaderli: «Wer soll prüfen, was noch konsumierbar ist? Und wer haftet im Fall eines gesundheitlichen Schadens durch abgelaufene Lebensmittel?»

Für Martina Munz ist ihre «Food-Waste»-Motion nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Einen grösseren Effekt erhofft sie sich von Massnahmen, die dafür sorgen, dass weniger Gemüse und Früchte auf dem Weg vom Feld in den Supermarkt verloren gehen. Und auch bei der Verschwendung in den Privathaushalten will die Schaffhauserin ansetzen. Sie fordert, dass sich die Grammpreise von kleinen und grossen Packungen angleichen sollen. «Sonst kauft man das Kilo Fleisch, das gerade Aktion ist – und wirft einen Teil weg, weil es zu viel ist.»

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