Switzerland

Weniger Standorte an der BScene: «Wir wollen ein Entdeckergsfestival sein»

Ein einziges Ticket für ein Dutzend Bühnen in der ganzen Stadt – das Konzept der Berliner Museumsnacht war in Basel angekommen, vier Jahre bevor die Stadt am Rheinknie ihre eigene Museumsnacht hatte. Mit der BScene zog das regionale Musikschaffen 1997 einen Stadt umspannenden Grossevent auf, anfänglich mit dem etwas biederen Zusatz «Songtage der Region Basel», bald schon als «Club- und Bandfestival». An jeweils zwei Abenden konnte man bis zu 60 Formationen erleben, und fast sämtliche Pop- und Rockbühnen der Stadt machten mit.


Doch nun verabschiedet sich die BScene von diesem Alleinstellungsmerkmal im Festivalsegment: Die 24.Ausgabe, die am 17. und 18. April stattfindet, beschränkt sich auf sechs Bühnen auf dem Kasernenareal. Tobias Metzger, seit drei Jahren Präsident des BScene-Vorstands, erklärt den Entscheid als Reaktion auf den Publikumsschwund der letzten Jahre: «Die BScene startete, weil es für viele Bands zu wenige Bühnen gab. Mittlerweile gibt es für viele Bands und viele Bühnen zu wenig Publikum.»


Begegnungszone, Chillout und Musikflohmi

Statt der bis anhin fast zwölf Bühnen gibt es neu noch sechs: Reithalle, sowie Rosstall 1 und 2 der Kaserne, Parterre One und die zwei Bühnen des Jungen Theater. Sie alle liegen auf dem Kasernenareal, wo mit der Klingenthalturnhalle zusätzlich ein Festivalzentrum mit Begegnungszone, Musikflohmi und Chillout-Platz entstehen soll. Marina Despotovic, BScene-Verantwortliche für Medien und Kommunikation, freut sich auf diese Neuerung: «An den bisherigen Festivals sind sich die Künstler, Techniker, Helfer und Veranstalter kaum begegnet. Das soll sich nun ändern.»


Mit diesem Zentrum sowie Foodtrucks auf dem Gelände soll der Festival-Charakter der BScene verstärkt werden. Und mit den kürzeren Distanzen, so hofft Metzger, komme es zu mehr Publikumsbewegung zwischen den Bühnen. Man verzichte deshalb auch bewusst auf Headliner: «Wir wollen ein Entdeckerfestival sein.»


Mit 37 statt bisher rund 60 Acts wird die BScene Kompakt, wie sie nun offiziell heisst, kleiner ausfallen als ihre Vorgänger – aber auch «inhaltlich relevanter», wie Metzger sagt. Das Programm, das diese Woche kommuniziert wird, verzichtet auf die immer gleichen Acts, die in der Vergangenheit herangezogen wurden, um die grossen Bühnen zu füllen. Rund 65 Prozent der auftretenden Bands stammen aus der Region, dazu kommen neun nationale und fünf internationale Formationen.


Selbstfindungsprozess und «hitzige» Retraite

Der konzeptuelle Neustart habe sich aufgedrängt, sei jedoch nicht nur leicht gefallen, so Jeroen van Vulpen, der die technische Leitung verantwortet: «Der Selbstfindungsprozess hat vor eineinhalb Jahren begonnen und mündete in eine wegweisende Retraite.» Es sei nicht allen Vorstands-Mitgliedern nur leicht gefallen, sich vom ursprünglichen Konzept der BScene zu verabschieden, dennoch war für alle klar, dass man einen Neustart wagen will. Da habe sich die Idee, dass die Besucher zwischen den Konzerten die Clubs wechseln, oft als nicht praktikabel entpuppt. So hätten einige Bands vor leeren Rängen gespielt, während andernorts Besucher abgewiesen werden mussten.


Die Besucherzahlen seien seit vielen Jahren rückläufig gewesen, so van Vulpen, einzig an der Jubiläumsausgabe 2016 habe man mit 7500 Besuchern einen Rekord verzeichnen können. So wurde die Kapazität gegenüber den Vorjahren auf rund zwei Drittel verkleinert. Die Ticketpreise fallen mit 29 Franken einen, respektive 39 Franken für beide Tage deutlich tiefer aus.


Die ausgeladenen Clubs – in den vergangenen Jahren waren unter anderem Sommercasino, Atlantis, Sud oder Hirscheneck dabei – hätten mit Verständnis reagiert, so Tobias Metzger. Dass diese nun am BScene-Wochenende ihr eigenes Programm durchführten, dessen sei man sich bewusst. «Wir sind vom neuen Konzept sehr überzeugt», so Marina Despotovic: «Nun hoffen wir, dass wir damit auch die Konzertgänger überzeugen können.»


BScene Kompakt: Kasernenareal, Basel. 17./18. April.
www.bscene.ch

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