Switzerland

Wegen teuren Mieten: Schweizer ziehen vermehrt aufs Land

Schweizer zieht es immer häufiger aufs Land. Städter ziehen laut der Studie «Immobilien Schweiz» von Raiffeisen vermehrt in periphere und ländliche Gemeinden um. Betrachtet man jeweils nur die inländische Wohnbevölkerung, ziehen mehr Menschen aus der Stadt weg als in die Stadt. Demnach wachsen Schweizer Städte nur noch durch den Zustrom von Zuwanderern mit wenig Kenntnissen des lokalen Immobilienmarktes.

Hauptgrund dafür ist der grosse Unterschied zwischen den Bestandsmieten und den Angebotsmieten. Ist ein Städter zum Umzug gezwungen, muss er für die neue Stadtwohnung eine viel höhere Miete bezahlen als für seine alte Wohnung. In den fünf grössten Schweizer Städten zahlt er für die neue Stadtwohnung laut der Studie durchschnittlich 35 Prozent mehr als für seine alte.

Bessere Lebensqualität in der Agglomeration

Zieht er in die Agglomeration oder aufs Land, kann er nicht nur seine Mietkosten senken, sondern seine Lebensqualität durch eine neuere und grössere Wohnung steigern. «Kein Wunder entscheiden sich viele für den Wegzug aus der Stadt», sagt Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. «Der Unterschied ist dabei umso grösser, je länger man in seiner Wohnung gelebt hat.»

Derweil steigen auch die Preise von Einfamilienhäusern und Stockwerkeigentum weiter an. Bei den Einfamilienhäusern betrug der Anstieg trotz leicht rückläufiger Preise im vierten Quartal fast 4 Prozent. Die Preise für Stockwerkeigentumswohnungen stiegen 2019 um knapp 1 Prozent. Grund für diese Entwicklung sind die rückläufigen Bautätigkeiten im Eigentumssegment. Das führt zu einer Verknappung des Angebotes und treibt die Preise weiter in die Höhe.

Eigentum bleibt ein Privileg weniger

Zwar ist Eigentum wegen der rekordtiefen Finanzierungskosten finanziell noch immer deutlich attraktiver als Mieten, doch davon können nur noch wenige profitieren. Laut der Studie sind für eine durchschnittliche Drei- bis 4,5-Zimmerwohnung Einsparungen bei den Wohnkosten von 20 Prozent möglich.

Tatsächlich können Haushalte mit tieferen Einkommen und Vermögen das Sparpotenzial vom Wechsel von der Miete ins Eigentum jedoch nicht nutzen. Denn die regulatorischen Tragbarkeits- und Eigenmittelanforderungen werden von Quartal zu Quartal für noch mehr Mieter zur unüberwindbaren Hürde. Denn deren Haushaltseinkommen kann nicht mit der Preisentwicklung mithalten.