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WEF-Rede: Das bedeutet Trumps Rede wirklich

Donald Trump hat zum Auftakt des World Economic Forum (WEF) eine knapp 40 Minuten lange Rede gehalten. Darin lobte er sich in hohen Tönen und gab sich ausserordentlich optimistisch. Dass er kein einziges Wort über das Impeachment-Verfahren sagte, überraschte Martin Naville, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer: «Trump blieb sehr diszipliniert und erlaubte sich kaum Abschweifungen. Er fuchtelte auch weniger herum als sonst.»

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Trumps Rede war...

Und was wollte Trump mit seiner WEF-Ansprache genau bezwecken? Naville gibt seine Einschätzung:

«Der amerikanische Traum ist zurück, grösser und stärker als je zuvor.»

Im Vergleich zu 2018 habe Trump sein Eigenlob in der diesjährigen Rede viel besser mit Fakten unterlegt, sagt Naville: «Ich bin überrascht, wie viele Zahlen er brachte – die meisten davon sind tatsächlich richtig.» Ob alle Erfolge wirklich auf ihn zurückzuführen seien, darüber könne man sich streiten – aber Trump habe sicher mitgewirkt. Für den kommenden Wahlkampf wolle er das vor allem den Amerikanern in Erinnerung rufen.

«Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind wir nicht nur dabei, Wohlstand für wenige zu erzeugen, sondern wir geben allen Amerikanern, egal welcher Hautfarbe, Religion oder welchen Geschlechts, eine Zukunft.»

Tatsächlich war die Arbeitslosigkeit in den USA noch nie so tief wie jetzt, und zwar in allen Bevölkerungsschichten, etwa für Frauen, Schwarze, Hispanics oder Veteranen – und die Reallöhne sind effektiv gestiegen. Trump betone bewusst, dass diese Erfolge allen zugutekämen, so Naville: «Denn seine Achillesferse ist die Steuerreform, von der Kritiker immer sagten, nur die Reichen würden davon profitieren.»

«Ich will andere Nationen aufrufen, unserem Beispiel zu folgen und die Bürokratie abzubauen.»

«Die USA haben ein Experiment gewagt und begonnen, radikal Regulierungen zu reduzieren – das könnte man auch in der Schweiz mal probieren», sagt Naville. Trump wolle signalisieren, dass das Experiment erfolgreich war, und so Amerika auf ein Podest als weltweites Vorbild stellen.

«Unsere Beziehungen mit China sind heute besser als je zuvor.»

Auch hier gibt Naville Trump recht: «Wenn man die letzten zehn bis fünfzehn Jahre anschaut, stimmt das sicher.» Trump habe Glück, dass das Abkommen mit China grad kurz vor dem WEF unterschrieben worden sei, sodass er das jetzt als sein Erfolg verkaufen könne. Man müsse Trump aber jedenfalls zugutehalten, dass er die Probleme im Handel mit China zumindest angehe. «Und dass sie noch lange nicht gelöst sind und auch weitere Zölle eingeführt werden, verschwieg er in seiner Rede nicht.»

«Die USA werden der 1-Billion-Bäume-Initiative beitreten.»

Das war der einzige Punkt in Trumps Rede, wo das Publikum applaudierte. «Trump ist sich bewusst, dass es eine Klimakrise gibt, aber ihm ist es wichtig, dass sie mit technologischen Mitteln, nicht mit Regulierungen bewältigt wird», so Naville. Darum habe er während der Rede immer wieder die technischen Fortschritte der USA betont.

«Wir werden Dinge tun, die niemand für möglich gehalten hat.»

Naville ist erstaunt, dass sich Trump so optimistisch gab: «Das sind neue Töne für ihn – er ist meistens sehr düster.» Gründe für die gute Stimmung gebe es wohl drei: Einerseits habe er in den vergangenen drei Jahren effektiv Erfolge feiern können. Auch weil der Wahlkampf bevorstehe, sei es strategisch sinnvoll, sich optimistisch zu geben. «Und wahrscheinlich glaubt Trump wirklich, dass die USA Dinge erreichen können, die niemand für möglich gehalten hat.»