Switzerland

WEF-Gegner zünden Hildebrands Hecke an

«Zur Eröffnung des WEF in Davos sind wir zum Wohnsitz von Philipp Hildebrand und haben Feuer an seiner Gartenhecke gelegt.» Das schreiben Unbekannte auf einem einschlägigen linken Portal und nennen dabei auch die Wohnadresse des ehemaligen SNB-Präsidenten in Zollikon.

Die Kantonspolizei Zürich hat Kenntnis vom Vorfall, wie sie auf Anfrage mitteilt. Ob es zu einem Schaden kam und ob Strafanzeige erstattet wurde, gibt sie nicht bekannt. Ermittlungen seien im Gang.

Hildebrand ist seit 2012 Vizepräsident bei Blackrock, dem grössten Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verwaltet Anlagen im Wert von rund sieben Billionen Dollar. Ihren Angriff begründen die Schreiber damit, dass Blackrock ein langjähriger strategischer Partner des WEF sei.

Der Banker sei als hochrangiges Mitglied von Blackrock ein «Beispiel für die enge Verflechtung zwischen Politik und Kapital», heisst es im Schreiben. Hildebrand, der in London arbeitet und dort auch seinen Lebensmittelpunkt hat, nimmt ebenfalls am Forum in Davos teil.

«Sie wollen nur Profit»

Blackrock hatte letzte Woche in einer weltweiten Kampagne angekündigt, grüner werden zu wollen. Alles Heuchelei, kommentieren das die Autoren des Bekennerschreibens: «Sie tun so, als folgten sie einem umweltbewussten Gewissen, dabei ist es nur der erhoffte Profit, dem sie nachrennen.»

Die Autoren kritisieren den Vermögensverwalter vor allem für seine Investitionen in die Rüstungsindustrie: «Jedes Mal, wenn in den USA die Kriegstrommeln geschlagen werden, steigen die Aktienkurse dieser Firmen an.» Krieg sei für den Vermögensverwalter «ein lukratives Geschäft», heisst es weiter.

Das Schreiben schliesst mit einer Drohung an die Teilnehmer des WEF: «Den Bonzen kein ruhiges Hinterland». Unterzeichnet ist es mit «Smash WEF!».

LKW in Rümlang sabotiert

Es ist nicht der einzige Angriff der WEF-Gegner: In der Nacht auf Mittwoch sabotierten Unbekannte in einem Logistikzentrum in Rümlang mehrere Lieferwagen, von denen sie dachten, sie lieferten Güter von Nestlé. Damit wollten sie Lieferengpässe «für den einen oder anderen Davoser Bonzen-Apéro» provozieren, wie sie auf dem Portal schreiben.

Nur gehören die Lieferwagen nicht zu Nestlé, sondern Froneri, einem der weltweit grössten Glaceproduzenten. Das Unternehmen wurde 2016 als Joint Venture von Nestlé und einem Private-Equity-Unternehmen gegründet.

Froneri bestätigt den Vorfall. Unbekannte hätten die Türen von elf Lastwagen mit Silikonschaum zugeklebt. Es kam zu Verspätungen in der Lieferung und zu einem Polizeieinsatz. «Wir werden sicher Anzeige erstatten», sagt eine Sprecherin. Mit dem WEF in Davos hat Froneri nichts zu tun: Aus dem Zentrum in Rümlang wird nur im Raum Zürich ausgeliefert.

Mehrere Vorfälle in den letzten Monaten

In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Angriffen von Linksautonomen auf ihnen unliebsame Firmen oder Personen. Ende November bespritzten Autonome im Lokal Sphères die beiden SVP-Politiker Christoph Mörgeli und Roger Köppel mit Getränken.

Im Dezember brannten im Seefeld zwei Autos vor einer Mercedes-Garage, im November bewarfen Linksextreme den chilenischen Libertären Axel Kaiser während eines Vortrags im Zentrum Karl der Grosse mit Eiern und Flüssigkeiten. Am 1. Mai griffen zudem Unbekannte den «Weltwoche»-Journalisten Alex Baur an und verübten kurz darauf einen Farbanschlag auf den Eingangsbereich der «Weltwoche»-Redaktion.

Für heute Abend haben WEF-Gegner, darunter auch die Revolutionäre Jugend Zürich, zu einer Demonstration gegen das Forum um 18 Uhr auf dem Helvetiaplatz aufgerufen.