Switzerland

Weder Greta noch Trump liegen völlig falsch – aber die Realität ist komplizierter

Die Botschaften, die der amerikanische Präsident Donald Trump und die Klimaaktivistin Greta Thunberg am Dienstag in Davos verbreiteten, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Es lohnte sich dennoch, beiden gut zuzuhören.

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg verlässt den Saal am Weltwirtschaftsforum in Davos. Im Hintergrund erkennbar sind WEF-Chef Klaus Schwab und US-Präsident Donald Trump.

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg verlässt den Saal am Weltwirtschaftsforum in Davos. Im Hintergrund erkennbar sind WEF-Chef Klaus Schwab und US-Präsident Donald Trump.

Markus Schreiber / AP

Niemand wolle ihre wissenschaftlich erhärteten Zahlen hören, doch sie werde sie gleichwohl unermüdlich wiederholen, erklärte am Dienstag am Jahrestreffen des World Economic Forums die von ihrer Mission geradezu getrieben wirkende, erst 17-jährige Greta Thunberg. Laut den von Thunberg von einem Zettel abgelesenen wissenschaftlichen Daten bleibt der Welt ein kurzes Zeitfenster, in der sie nicht mehr als eine bestimmte Menge an CO2 emittieren darf, bevor sie CO2-neutral wird.  Es gilt deshalb die Emissionen drastisch zu reduzieren, sonst droht eine menschengemachte Erderwärmung mit unabsehbar schrecklichen Folgen. Der nächsten Generationen zuliebe müssten Politik und Wirtschaft der Wissenschaft besser zuhören und die Bedrohung deutlich ernster nehmen, forderte die junge  Schwedin in perfektem Englisch. Und zusammen mit drei weiteren jungen Kämpfern für eine bessere Welt hatte sie eine weitere Botschaft parat: Es lohnt sich, wenn sich die Jugend für ihre Zukunft engagiert.

Eine ganz andere Art von statistischem Feuerwerk zündete der amerikanische Präsident in seiner Eröffnungsrede für seine Zuhörer in Davos und zu Hause vor den Bildschirmen. Er zitierte eine Unmenge an statistischen Daten, wonach es den USA noch nie so gut ging wie jetzt und seine unerschrockene Wirtschafts- und Handelspolitik Unmögliches möglich gemacht habe. Das Wirtschaftswachstum sei hoch und die Arbeitslosigkeit niedrig wie nie, der Wohlstand breiter verteilt und der amerikanischen Traum wiederbelebt und stärker denn je. Freiheit und Wohlstand werde man sich nicht von Sozialisten kaputtmachen lassen, beteuerte Trump. Pessimismus und Zynismus müssten aufhören, jetzt sei die Zeit für aufbauenden Optimismus. Amerika werde mit einer auf vollen Touren laufenden Wirtschaft und innovativem Unternehmertum dafür sorgen, dass die Umweltprobleme der Zukunft gelöst würden. In den USA sei die Luft besser denn je und man werde dem WEF helfen, Milliarden von Bäumen zu pflanzen.

Leider betrieb der amerikanische Präsident am WEF in Davos derart holzschnittartig Wahlkampf, dass seine Rede wenig glaubwürdig wirkte. Auf globale Fragen ging er kaum ein; schon kaum mehr höflich verhalten fiel denn auch der Applaus im Plenum aus. Erst am Tag zuvor hatte der Internationale Währungsfonds für 2020 einen Rückgang des Wirtschaftswachstums in den USA von 2,3 Prozent im 2019 auf 2,0 Prozent in diesem und nur noch 1,7 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert. Das ist mehr als für viele entwickelte Länder erwartet wird, aber weniger herausragend als Trump glauben machen will. Und der als Wahlempfehlung gedachte Boom ist mit einer fragwürdigen Zunahme der Staatsverschuldung, enormem Druck auf die Geldpolitik, einer zunehmenden politischen Polarisierung und einer oftmals kurzsichtig-protektionistischen Handelspolitik erkauft.

Bedauerlich ist aber vor allem, dass die Vehemenz, mit der Greta Thunberg und Donald Trump in Davos ihre Botschaften vorgetragen haben, leicht dazu führt, dass Wichtiges und Richtiges überhört wird. Es ist nämlich durchaus erfreulich, wenn Jugendliche nicht nur teuren Freizeitvergnügen frönen, sondern sich mutig engagieren, gehört werden wollen und fordern, dass man auf die Wissenschaft hören und und zusammen mit ihnen nach konstruktiven Wegen suchen solle, um die Welt für die Zukunft lebenswerter zu machen. Probleme zu negieren schafft diese nicht aus der Welt.

Doch auch Trumps Botschaft hatte einen wahren Kern. Weltuntergangs-Pessimismus wird die Welt nicht retten, etwas mehr amerikanischer Gründer-Optimismus würden auch den Jugendlichen in Europa nicht schaden. Es braucht zwar eine Ordnungspolitik, die verhindert, dass kurzfristiges Profitstreben unverantwortliche Umweltschäden verursacht. Aber ohne eine florierende Wirtschaft wird sich weder die Umwelt retten noch angenehm leben lassen.

Mit der Reduktion von Steuerlasten und dem Abbau von unsinnigen bürokratischen Hürden hat Trumps Regierung einiges getan, damit findige Unternehmer schneller innovative Produkte entwickeln können, die auch die Umweltbelastung verringern. Das für den innovativen internationalen Wettbewerb offene Umfeld an den Universitäten und in der Wirtschaft in den USA ist dafür deutlich günstiger als vielenorts in Europa. Die ums Klima und die Umwelt besorgten Jugendlichen (genauso wie unsere Bundespräsidentin und Umweltministerin Sommaruga) sollten die USA nicht vorzeitig abschreiben.

Es lohnt sich, vorgefasste Meinungen infrage zu stellen und einander aufmerksamer zuzuhören. Die Jahrestagung des World Economic Forums bietet dazu eine bemerkenswerte Plattform –und das ist durchaus schon verdienstvoll. Sie sollte bloss besser genutzt werden.