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Was mich viel mehr ärgert, als dass die Champions League nicht mehr im SRF kommt

SRF-Moderator Rainer Maria Salzgeber diskutiert mit Experte Peter Knäbel. Bild: SRF/Oscar Alessio

Kommentar

Was mich viel mehr ärgert, als dass die Champions League nicht mehr im SRF kommt

Nun ist endgültig Schluss mit Champions-League-Fussball im öffentlich finanzierten Fernsehen. Die SRG hat im Wettbieten um die Übertragungsrechte aufgegeben, ab der übernächsten Saison gibt es keine Livespiele mehr im SRF.

Schweizer Fussballfans sind sauer. Die Champions League, die Königsklasse des europäischen Klubfussballs, das Beste vom Bestem, wird ihnen weggenommen. Was sich in den vergangenen Jahren anbahnte, wird ab der Saison 2021/22 Realität: Im öffentlich finanzierten Fernsehsender SRF werden keine Livespiele mehr übertragen.

Von «unverhältnismässig hohen Geldbeträgen» spricht SRG-Sportchef Roland Mägerle, welche im Schweizer Markt geboten würden. «Diese enormen Summen kann und will die SRG nicht bezahlen.» Dafür zeigen die frei empfangbaren Sender 3+ und TV24 neu sechs Gruppenspiele sowie den Final der Champions League. Immerhin ein bisschen Königsklasse im Free-TV. CH Media, das 3+ und TV24 besitzt, hat sich beim Rechteinhaber Teleclub die dafür notwendige Sublizenz gekauft, um die Partien ausstrahlen zu können. CH Media ist ein Schwesterunternehmen der Fixxpunkt AG, die watson.ch herausgibt. Teleclub gehört der Swisscom, an welcher der Bund die Mehrheit von 51 Prozent der Aktien besitzt.

Blick auf vier Teleclub-Experten: Urs Meier, Marcel Reif, Rolf Fringer und Mladen Petric. Bild: KEYSTONE

In der Schweiz wird mit diesem Beschluss Realität, was in anderen Ländern schon gang und gäbe ist. Nämlich, dass die Champions League weitestgehend nur gegen Bezahlung im Fernsehen ausgestrahlt wird. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wer dieses Premium-Produkt sehen will, soll dafür bezahlen.

Doch die Anbieter machen es einem Kunden gar nicht so einfach, dass er ihnen ihr Geld überweist. Der Markt ist völlig unübersichtlich. Streamingdienste besitzen Rechte für Deutschland, aber nicht für die Schweiz. Bei der Bundesliga hat je nach Wochentag ein anderer Sender die Rechte. Wer seinen Kabelanschluss beim «falschen» Anbieter besitzt, kann eine Partie unter Umständen nicht sehen. Und steht bei bestimmten Anbietern mal ein Spitzenspiel an, das besonders viele Kunden sehen wollen, kann man fast sicher sein, dass es technische Probleme gibt.

In einer perfekten TV-Welt wären alle Angebote schön übersichtlich aufgelistet, wenn man den Fernseher einschaltet. Ein Knopfdruck und ein Fünfliber oder eine Zehnernote werden dem Konto belastet – und schon läuft das Spiel. Egal, wer die Rechte besitzt und egal, über welches Kabel wir schauen.

Barcelonas Zauberer Lionel Messi gegen Borussia Dortmund. Ein Spiel, das man sich als Fussballfan nicht entgehen will. Bild: AP

Doch wir leben in keiner perfekten TV-Welt. Live-Sport ist wichtig und wird immer wichtiger. Für die Kabelnetzbetreiber ist er ein Lockmittel, Kunden von ihrem Produkt zu überzeugen. Für die Sender ist er ein Lockmittel, dem Werbekunden wenigstens zwei Stunden anbieten zu können, in denen ihre Werbung nicht überspult wird. Live-Sport wird noch linear geschaut, also nicht zeitversetzt. In diesem Umfeld lohnt es sich noch eher, Werbespots zu buchen.

Und weil die TV-Rechte wahnsinnig viel kosten, wollen die Anbieter sie wenigstens zu einem Teil wieder hereinholen. Der vermutlich grössere Teil muss als Marketingausgabe abgebucht werden, denn man ist sich einig, dass sich die Übertragungsrechte auf dem Schweizer Markt eigentlich nicht refinanzieren lassen. Also wird versucht, ein Abonnement an den Zuschauer zu bringen. Doch das will der gar nicht, denn er will kaum FC Lugano – FC Thun mit Studiobegleitung und Experten-Geschwafel sehen und nicht die portugiesische, belgische oder schottische Liga.

Der Fussballfan will gezielt Highlights sehen und ist für sie durchaus bereit, Geld auszugeben. Muss er aber ein Abo lösen, lässt er es bleiben und sucht sich für diese Highlights einen illegalen Stream. Der dummerweise unter Umständen genau dann zusammenbricht, bevor in der 87. Minute ein Penalty ausgeführt wird. Auch sehr ärgerlich.

Vielen Zuschauern ist es auch schlicht zu mühsam, sich zu informieren, wie und wo sie die Spiele sehen können. Oder sie sind technisch überfordert. Wenn sie aber nur auf die «2» auf ihrer Fernbedienung drücken müssen, schauen sie gerne zu.

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Die Erfahrung lehrt uns, dass im Sport nur stattfindet, was auch im SRF ausgestrahlt wird. Nur was von möglichst vielen Zuschauern gesehen werden kann, hat das Zeug zum Diskussionsstoff am Arbeitsplatz oder in der Schule. Wenn die Champions League nicht mehr im SRF zu sehen ist, verschwindet sie aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Man könnte jetzt mutmassen, dass sich die UEFA ihr eigenes Grab schaufelt, wenn sie nur noch im Pay-TV zu sehen ist. Aber das wäre eine These, die mindestens so steil ist wie der Zielhang in Adelboden.

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