Switzerland

Was meint Kapitän Gottstein?: Klimaaktivisten demonstieren im Gummiboot vor Credit Suisse

An Tidjane Thiams (57) letztem richtigen Arbeitstag, kann die Credit Suisse einen Gewinn von 852 Millionen Franken präsentieren – ein dickes, grünes Plus. Weniger Freude am fetten Gewinn bekundeten Klima-Aktivisten, die sich heute Donnerstag vor dem Hauptsitz der Bank am Zürcher Paradeplatz versammelten. Ihre Forderung: Der sofortigen Ausstieg aus der Finanzierung von Unternehmen, die mit Kohle und Teersand Geschäfte machen.

Dabei werden die Klimaaktivisten richtig poetisch. Mit einem Gummiboot – es steht für den Untergang der Titanic – symbolisierten sie die Klimakrise. Wenn die Bank nicht bald auf einen nachhaltigen Klimakurs wechsle, drohe das Schiff unterzugehen, so die Botschaft der Demonstranten.

Eigentlich wollten die Klimaaktivisten im CS-Hauptsitz den neuen Chef Thomas Gottstein (55) und Verwaltungsrats-Präsident Urs Rohner (60) treffen. Doch der Eintritt wurde ihnen verwahrt. Zum Treffen kam es nicht. Es blieb bei einer friedlichen, aber lautstarken Demo.

CS steckt viel Geld in «dreckige Industrie»

Es ist nicht das erste Mal, dass Klima-Aktivisten gegen Schweizer Grossbanken demonstrieren. Im November 2018 stürmten Aktivisten der Bewegung Lausanne Action Climat (LAC) aus Protest eine Credit-Suisse-Filiale und spielten dort Tennis.

Sie beschuldigen die CS und ihren Werbeträger Roger Federer, mit ihrer Geschäftspolitik das Klima schwer zu schädigen. Tatsächlich ist die CS laut dem «Rainforest Action Network» die Schweizer Grossbank, die am meisten Geld in Unternehmen der energieintensiven Industrie steckt.

«Die Credit Suisse ist sich der Verantwortung im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels bewusst», sagte Thiam letzten Herbst. Zudem lancierte er eine gruppenweite Klima-Risikostrategie.

Nach der Tennis-Aktion erstattete die Bank Anzeige. Vor einem Monat sprach das Bezirksgericht in Renens VD die Aktivisten frei. Ihre Aktion sei der «einzige wirksame Weg gewesen, um die Bank zu einer Reaktion zu bewegen», begründete der Gerichtspräsident sein Urteil.

Mit Geigen und Klarinetten bewaffnet

Zuvor zog ein anderes Aktivisten-Kollektiv unter dem Hashtag #RogerWakeUpNow («Roger, wach jetzt auf!») auch Tennis-Legende Roger Federer in die Verantwortung. Er müsse sich um den unternehmenspolitischen Klimakurs seines Geldgebers kümmern.

Die Klimaaktivisten, die den Hashtag in die Welt gesetzt hatten, waren auch heute vor Ort. Ohne Tennisschläger, dafür bewaffnet mit Musikinstrumenten, stellten sie die Untergangsszene des Films «Titanic» nach. Ein Untergang, der auch der Credit Suisse drohe. Die Bank kommentierte die Aktion bisher noch nicht.