Switzerland

Warum unterstützt Osama-Nichte Noor bin Ladin Donald Trump?: Die Trumpfluencerin

Jung. Intelligent. Schön. Das sind die Worte, mit denen Bekannte Noor bin Ladin (33) beschreiben. Fragt man sie allerdings nach deren politischem Engagement, stösst man auf Ratlosigkeit. Was steckt dahinter – Überkompensation? Geld? Aufmerksamkeitssucht?

Noor bin Ladin ist Trump-Fan. Auf Twitter und Instagram wirbt die in der Schweiz geborene Nichte des berühmtesten Terroristen der Welt offensiv für den US-Präsidenten. Sie zeigt sich mit knallroter «Make America Great Again»-Kappe. Bekennt sich zum Verschwörungsglauben QAnon. Nennt Joe Biden in bester Trump-Manier «Sleepy Joe».

«Trump bewahrt uns vor einer düsteren Zukunft»

In einem Interview mit Fox-News-Moderator Tucker Carlson klagt sie, für ihren Trump-Support mehr angefeindet zu werden als für ihren Namen. Auf ihrem Instagram-Profil verweist sie auf einen Davidpsalm, in dem dieser über Feinde klagt, aber hoffnungsvoll auf seinen Gott schaut.

«Präsident Trump hat gezeigt, dass er der einzige Führer ist, der uns vor einer düsteren Zukunft bewahren kann», schreibt Noor bin Ladin über ihren ganz eigenen Gott am 6. September in ihrem «Letter to America». In dem offenen Brief zeichnet sie das Bild einer von «Sozialisten» und dem «Deep State» zerstörten Nation. Es ist ihr medialer Durchbruch.

Bin Ladin erwartet «folgenreichste Wahl Amerikas»

Trotz ihres berühmten Namens war die Wahlgenferin zuvor eine Unbekannte. Bin Ladin hat BWL an der Uni Genf und Wirtschaftsrecht in London studiert. Sie kann programmieren, hat in Start-ups gearbeitet. Auf ihrer Webseite schreibt die «Amerikanerin im Herzen»: Angesichts der «folgenreichsten Wahl in der Geschichte Amerikas» fühle sie sich «gezwungen», ihre «Stimme zu erheben».

Unter der Biden-Präsidentschaft drohe Amerika ein zweites 9/11, behauptet sie in der «New York Post». «Der IS hat sich unter der Obama/Biden-Regierung verbreitet und kam nach Europa. Trump hat gezeigt, dass er Amerika und uns (...) vor ausländischen Bedrohungen schützt, indem er Terroristen an der Wurzel auslöscht, bevor sie eine Chance bekommen, zuzuschlagen.»

Unsinn, findet Peter Mandaville, Professor für Internationale Beziehungen und einer der führenden Islamismus-Experten in den USA. «Trump hat in Sachen Terrorismusbekämpfung nichts Neues gemacht, um den Terrorismus in den USA einzudämmen», sagt Mandaville, der auch für die Obama-Regierung tätig war. «Die globale Strategie im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien war schon recht fortgeschritten, als Trump ins Amt kam. Sein Sicherheitsteam hat nichts an den Plänen geändert, die Obama mit internationalen Partnern entwickelt hat.»

Schweizer Aktivisten stimmen bin Ladin zu

In radikal anti-islamistischen Kreisen in der Schweiz ist Noor bin Ladin mit ihrer Überzeugung nicht allein. «Viele, die sehr gut informiert und gegen den politischen Islam sind, wissen, dass Biden schon länger mit den Akteuren der Muslimbruderschaft in den USA verbunden ist», sagt die Aktivistin und Autorin Saïda Keller-Messahli, die bin Ladin einmal getroffen hat und als «sympathisch und engagiert» beschreibt. Der Tessiner Aktivist Stefano Piazza kritisiert besonders Bidens Nähe zu den muslimischen Organisationen Islamic Society of North America (Isna) und Empowering Engaged Muslim Americans (Emgage).

«Diese Behauptungen sind haltlos», sagt hingegen Peter Mandaville. Historisch hätten Anführer der drei grossen muslimischen Verbände in den Vereinigten Staaten, zu denen auch das Muslim Public Affairs Council (MPAC) zählt, zwar Verbindungen zur Muslimbruderschaft gehabt, sich aber der Altlasten längst entledigt. Die Islamische Gesellschaft Nordamerikas etwa hätte bereits Anfang der 90er-Jahre kräftig in den eigenen Reihen aufgeräumt und Fundamentalisten zum Verlassen der Organisation gezwungen.

Stecken Saudis Interessen hinter der Kampagne?

Möglich ist, dass hinter bin Ladins professionellen Social-Media-Aktivitäten finanzielle Interessen stehen. Die Trump-Kampagne dürfte sich gerne mit dem prominenten Namen schmücken. Bin Ladins Ideologie passt ausserdem zur Linie des saudischen Establishments. Obamas Rolle beim Arabischen Frühling war den Saudis verhasst. Seinen Iran-Deal – den Trump aufgekündet hat, Biden jedoch wieder aufnehmen will – fürchteten manche zudem als ersten Schritt der Normalisierung des Mullah-Staats. Unter Trump haben sich die beiden Nationen angenähert.

Manche Twitter-Nutzer vermuten hinter der schrillen Trump-Werbung schlicht Selbstmarketing. Gerade arbeitet bin Ladin an einem Buch, das «die ersten 20 Jahre des 21. Jahrhunderts analysiert». Schon ihre Mutter schaffte es zur Bestseller-Autorin. «Der zerrissene Schleier: Mein Leben in Saudi-Arabien» heisst das Buch, in dem Carmen Dafour über ihre Ehehölle schrieb.

Noor war 14, als ihr Onkel die Attacken auf Amerika befahl. Und 20, als der zehnjährige Scheidungskrieg ihrer Eltern endlich durch war – seither hat sie keinen Kontakt mehr mit ihrem Vater, einem Osama-Halbbruder.

Vielleicht ist Noor bin Ladin auch nur eine junge Frau, die sich besonders hervortun will, sich vom unrühmlichen Teil ihrer Familie abzuspalten. In den USA gibt es noch so jemanden. «Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt schuf», heisst das Buch einer anderen Nichte über ihren bekannten Onkel. Die Autorin heisst Mary Trump.

Unternehmer, Terroristen, Sänger

Dukas

Der Bin-Laden-Clan ist eine mächtige Unternehmerfamilie aus Saudi-Arabien. Ihr berühmtestes Mitglied: Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden (1957–2011), Architekt der Terroranschläge vom 11. September 2001. Sein Halbbruder Yeslam bin Ladin (70), der sich stets mit «i» statt «e» schrieb, heiratete 1974 die Schweizerin Carmen Dufour (66). Aus der Ehe gingen neben Noor (33) noch Wafah (45, Sängerin) und Najia (42) hervor.

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