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Warum der Republikaner Albert Wise (65) plötzlich Biden wählt: «Trump ist der gefährlichste Präsident unserer Geschichte»

Albert Wise trägt einen langen, weissen Bart. Vor seinem Haus steht ein kleiner Tannenbaum, der in den kommenden Jahren auf über sechs Meter anwachsen soll. «Dieser Baum passt zu mir, ich sehe ja aus wie der Weihnachtsmann», sagt Wise und lacht. Der 65-Jährige ist in einer konservativen Familie gross geworden, lebt heute in Lubbock im Bundesstaat Texas. Der Bezirk ist republikanisches Hoheitsgebiet – hier haben vor vier Jahren über 66 Prozent Donald Trump (74) gewählt.

Auch Albert Wise ist ein Republikaner. Sein ganzes Leben hat er für die «Grand Old Party» gestimmt. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren ging er von Tür zu Tür, um für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Richard Nixon (1913–1994) Werbung zu machen. Donald Trump aber hat Wise zu einem Abtrünnigen gemacht. Bei der Wahl in zehn Tagen wird er mit Joe Biden (77) erstmals einen demokratischen Präsidenten wählen.

SonntagsBlick: Wie kommt es, dass Sie mit 65 Jahren Ihre Meinung geändert haben?
Al Wise: Das habe ich gar nicht. Ich glaube nach wie vor an die konservative Politik: tiefe Steuern, Patriotismus, Glauben an Gott. Aber Trump ist kein echter Konservativer. Er ist ein Präsident ohne Mitgefühl, ohne Empathie. Einen solchen Menschen kann ich als Protestant nicht unterstützen.

Aber er setzt sich für stärkere Abtreibungsregeln ein – das wichtigste Anliegen fast aller Evangelikalen. Sie sind mit rund 85 Prozent die stärkste Wählergruppe von Trump.
Mein Pastor hat mich kürzlich gefragt, wie ich für Biden stimmen könne, da dieser ja Abtreibungen unterstützt. Ich stellte ihm eine Frage mit der gleichen Logik: Wie können Sie für Trump stimmen, wenn er für Ehebruch und Lügen steht? Beides verletzt die zehn Gebote der Bibel.

Der Seitensprung ist alter Käse! Trumps menschliche Mängel beiseite: Die Abtreibungsfrage steht bei den Protestanten in Amerika doch über allem, oder nicht?
Es gehört auch zu meinen wichtigsten Anliegen. Aber Trump ist der gefährlichste Präsident in unserer Geschichte. Er gefährdet die nationale Sicherheit mit seiner narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Trump untergräbt auch die amerikanische Demokratie. Für mich haben diese Gefahren Vorrang.

Ihre Stimme für Biden ist letztlich nichts mehr als eine Wahl gegen Trump.
Es ist ein Votum für Anstand, Mitgefühl und Ehrlichkeit. Und auch wenn Biden Katholik ist, ist meine Stimme ein Votum für den Glauben. Trump geht nur in die Kirche, wenn die Kameras dabei sind. Biden hingegen praktiziert seinen Glauben seit Jahrzehnten. Ich respektiere das.

Wovon haben Sie denn am meisten Angst, sollte Trump wiedergewählt werden?
Ich fürchte um unsere Demokratie. Trump strebt nach der absoluten Macht. Er will bei einer Wahlniederlage keinen friedlichen Machtwechsel garantieren, hat schon öfter von einer dritten und vierten Amtszeit geschwafelt. Meine grösste Befürchtung ist, dass er die Generäle ersetzen könnte – wie Adolf Hitler damals. Das könnte Amerika auf den Weg des Faschismus führen.

Der Hitler-Vergleich hat Biden schon bei der Debatte gebracht. Das ist doch billig und daneben: Hitler hat Millionen von Menschen ermordet!
In diesem Punkt greift der Vergleich tatsächlich zu kurz. Ein Genozid wird im heutigen Westen kaum möglich sein. Aber wie Hitler mit der Gestapo hat auch Trump in diesem Sommer versucht, eine Geheimarmee zu installieren. Er schickte Beamte in Militäruniform nach Portland, um dort Demonstranten von der Strasse zu zerren. Sie wurden in nicht gekennzeichnete Autos gesetzt, an unbekannte Orte gebracht und verhört. Da müssen doch die Alarmglocken schrillen! Zum Glück funktionieren bei uns die Medien noch. Sie haben das aufgedeckt. Trump kam unter Druck und krebste zurück.

Es handelte sich dabei um Bundeskräfte der Heimatschutzbehörde. Eine Geheimarmee ist das nicht. Der Einsatz aber war tatsächlich von allen Seiten scharf kritisiert worden.
Es war kein offizieller Einsatz. Die Beamten hatten entweder gar keine oder falsche Namensschilder getragen! Aber darf ich noch was anderes sagen zum Schluss?

Natürlich.
Ich möchte die Schweizer und unsere Verbündeten auf der ganzen Welt ermutigen, uns zu verzeihen. Ich war im amerikanischen Militär, habe mit Soldaten aus ganz Europa gemeinsame Nato-Übungen absolviert. Hört mir zu: Amerika ist immer noch euer Freund. Wir werden es immer sein. Vergebt uns für diese vier Jahre Wahnsinn. Wir werden unser Bestes tun, damit nie wieder ein Mensch wie Donald Trump an die Macht kommen kann.

US-Wahl-Serie

Am 3. November 2020 finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. Für die Demokraten wird Joe Biden (77) den Republikaner Donald Trump (74) herausfordern. SonntagsBlick interviewt in einer losen US-Wahl-Serie Menschen aus allen Landesteilen und politischen Hintergründen – Politiker, Aktivisten und Wähler.

Bisher erschienen

Jungpolitiker Alex Wyckoff: «Ich will 2040 US-Präsident werden»

Auslandschweizer Michael Böhm aus Florida: «Darum wähle ich Donald Trump»

Stephanie Myers arbeitet für den US-Präsidenten: «Donald Trump hat keine Schwächen»

US-Wahlen 2020

Am 3. November 2020 finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. Der amtierende Präsident Donald Trump strebt eine zweite Amtszeit an. Kann er sein Amt verteidigen oder gewinnt Herausforderer Joe Biden für die Demokraten?

Alle aktuellen Entwicklungen zu den Wahlen und Kandidaten gibt es immer im Newsticker, und alle Artikel zum Thema finden Sie hier auf der US-Wahlen-Seite.

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