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Wallstreet und die US-Wahlen: Warum die Finanzindustrie auf Trumps Niederlage wettet

Banken, Investoren und Wettbüros wenden sich vom US-Präsidenten ab und setzen auf den Demokraten Joe Biden – und dessen Wirtschaftspolitik.

Die Händler an der Wallstreet haben ihre Prognosen revidiert: Neu kalkulieren sie einen Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und einen von den Demokraten kontrollierten Senat ein.

Die Händler an der Wallstreet haben ihre Prognosen revidiert: Neu kalkulieren sie einen Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und einen von den Demokraten kontrollierten Senat ein.

Foto: Carolyn Kaster (AP/Keystone)

Noch im Sommer waren sich die Händler an der Wallstreet einig: Präsident Trump würde eine zweite Amtszeit haben und der Senat würde republikanisch bleiben. Seither hat sich das Bild drastisch verändert. Bekräftigt durch Umfragen in Wackelstaaten wie Pennsylvania und Florida und die katastrophale Vorstellung des Präsidenten im ersten Wahlkampfauftritt gegen Joe Biden sind die Finanzakteure über die Bücher gegangen. Nun kalkulieren sie einen Biden-Sieg und einen von den Demokraten kontrollierten Senat ein.

Historisch betrachtet sind die Anleger mit einem demokratischen Präsidenten besser gefahren als mit einem republikanischen: Seit dem Zweiten Weltkrieg lieferten Demokraten im Schnitt eine Aktienrendite von 10,6 Prozent pro Jahr, verglichen mit 4,8 Prozent durch Republikaner.

Analysten und Anlageberater erklären, dass Investoren den Wunsch haben, so viel Klarheit wie möglich zu haben, bevor sie Investitionsentscheide treffen. Das drohende Gezerre über Wochen hinweg im Fall eines hauchdünnen Wahlresultats habe lange Zeit Unsicherheit für die Märkte geschaffen. «Die sich mehrenden Anzeichen für ein deutliches Wahlresultat dürften die Sorgen der Investoren über ein verschlepptes und bestrittenes Resultat dämpfen», schreibt Mark Haefele, Investment Director des Global Wealth Management der UBS. Ein Biden-Sieg wäre auch nicht negativ für die Märkte. «Wir haben immer erwartet, dass eine blaue Welle (ein klarer Sieg der Demokraten) mehr Staatsausgaben auslösen würde, womit die Risiken von Steuererhöhungen (durch eine Regierung Biden) ausgeglichen würden.»

Mexikanischer Peso hat stark zugelegt

Auch Wettbüros zeigen, dass professionelle Wetten deutlicher denn je auf eine Abwahl Trumps hinweisen. Noch Anfang September waren die Wetten ausgeglichen für Biden und Trump. Jetzt laufen zwei Drittel für Biden und nur noch ein Drittel für Trump. Auch das von Trump herbeigeredete Chaos dürfte ausbleiben. 80 Prozent der Wetten setzen darauf, dass der Wahlsieger innert sechs Tagen nach dem Wahltag definitiv feststeht, was den Erfahrungen in den bisherigen Wahlen entspricht.

Die Finanzmärkte haben in den letzten Wochen klar auf diese Perspektiven reagiert. Der Volatilitätsindex für die US-Börse sank auf den tiefsten Stand in drei Wochen. Die Preise für US-Staatsanleihen gaben ebenfalls nach, da die Nachfrage durch nervöse Anleger nachliess. Im Sommer noch waren die Preise wegen der unsicheren Wahl und der wirren Wirtschafts- und Pandemiepolitik der US-Regierung stark gestiegen.

Noch sensibler reagieren Währungen auf politische Unsicherheiten, weil Währungen weltweit rund um die Uhr gehandelt werden und den Rohstoffhandel und Regierungsinvestitionen beeinflussen. Der US-Dollar fiel nach dem ersten Schlagabtausch zwischen Biden und Trump. Dafür stieg der mexikanische Peso stark. Ein Blick zurück auf den Herbst 2016: Devisenhändler nahmen damals an, dass ein Präsident Trump den Freihandelsraum mit Mexiko (und Kanada) auflösen und Mexiko wirtschaftlich schädigen wollte. Prompt sauste der Peso in den Keller und nahm entgegen den auf Hillary Clinton lautenden Umfragen den Wahlsieg von Trump vorweg. Diesmal ist es umgekehrt. Der Peso hat vor den Wahlen stark zugelegt, da die Händler annehmen, dass eine Regierung Biden die Wirtschaftsbeziehungen mit Mexiko normalisieren und die Handelsströme beleben wird.

«Eine blaue Welle wird zur stärksten Erholung des Wirtschaftswachstums führen.»

Ratingagentur Moody’s

Mit einem Biden-Sieg scheinen auch die Rohstoffinvestoren zu rechnen. Zum einen haben sie dieses Jahr den Goldpreis stark angetrieben, da sie massive staatliche Impulsprogramme einer Regierung Biden erwarten. Dies dürfte die Inflation beschleunigen und die Notenbank früher als geplant zu ersten Zinserhöhungen zwingen, meint die Investmentbank Goldman Sachs. Der Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung wäre 2023, nicht 2025 wie bis anhin angenommen.

Der anhaltende Kriechgang des Ölpreises spricht nicht für die von Trump versprochene Renaissance von Kohle, Gas und Öl. Um 80 Prozent gestiegen sind dieses Jahr dafür die Aktien von Firmen der Wind-, Solar- und Wasserstoffproduktion, nachdem sie in den ersten drei Trump-Jahren stagniert hatten. Der einstige Ölriese Exxon ist heute nicht einmal mehr das grösste Energieunternehmen der USA. Abgelöst wurde Exxon von Nextera Energy, dem führenden Anbieter von Wind- und Solarstrom des Landes. Damit haben Investoren den von Biden angepeilten Kurswechsel in der Energiepolitik vorweggenommen. Sein «grüner Plan» sieht Investitionen in Milliardenhöhe in erneuerbare Energien und den Ausstieg aus der Kohle in zehn Jahren vor.

Fazit der Ratingagentur Moody’s: «Eine blaue Welle, in der die Demokraten sowohl die Kammern des Kongresses als auch das Weisse Haus kontrollieren, wird zur höchsten Anzahl von zusätzlichen Arbeitsplätzen und zur stärksten Erholung des Wirtschaftswachstums führen.»

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