Switzerland

Wahnsinn in der Maradona-Stadt: Neapolitaner besingen Messi und Diego

Er ist ein Mythos. Womöglich der grösste Mythos, der je einen Fussball­rasen betreten hat. Zweimal schiesst Diego Armando Maradona vor über 30 Jahren Napoli zum Meistertitel. Einmal zum Uefa-Cup-Sieg. Es sind die erfolgreichsten Jahre der Neapolitaner. Diego, el Pibe de Oro, der Goldjunge. Er wird verehrt, vergöttert. Wer ihn kritisiert, der kritisiere Gott, wird ein Fan in Maradonas Biografiefilm zitiert.

Diese Woche ist jener Mann zu Besuch, der als Maradonas Nachfolger gehandelt wird. Die neue Nummer 10 Argentiniens: Lionel Messi. Erstmals überhaupt stürmt er die einstige Bühne seines Landsmanns – das Stadion San Paolo. Mit Barcelona spielt der «Zauberfloh» am Dienstag im Achtelfinal der Champions League gegen Napoli.

Neapel sehen und sterben, sagt man. Diego Armando Maradona erobert die Stadt – und fällt tief. 1991 wird er des Dopings überführt und für ein Jahr gesperrt. Zu diesem Zeitpunkt ist Maradona längst drogenabhängig. Zuvor hat er mit Argentinien im WM-Halbfinal 1990 Gastgeber Italien eliminiert – und seinen Helden­status bei den italienischen Fans verloren.

Er verlässt das Land als Judas, als tragische Figur. Zerbrochen an der Mafia. An den Drogen. Am Ruhm. «Als ich nach Neapel gekommen bin, haben mich 85'000 Menschen begrüsst», sagt Diego Maradona in seinem Film. «Als ich ging, war ich allein.»

Fans singen Messis Namen

Mittlerweile sind Maradonas tragische Momente in der Metropole am Vesuv längst vergessen. Mittlerweile ist er wieder der grosse Held. Gott. Vergeben sind seine Eskapaden, seine Drogensünden. Und dementsprechend ist Diego 30 Jahre später in Neapel omnipräsent. Überall werden seine Trikots verkauft. Oder er selbst als Mini-Statue. In den Bars hängen Argentinien-Flaggen mit Maradonas Nummer 10 drauf.

Messi freut sich auf die besondere Begegnung: «Seit einiger Zeit will ich in diesem Stadion spielen. Aber es hat sich bisher nie ergeben. Jetzt kommt die Gelegenheit, ich bin sehr aufgeregt.» Bekommt er den Mythos Maradona zu spüren? «Das Stadion wurde re­noviert und die Fans sind auch anders. Es wird trotzdem eine wunderschöne Erfahrung.»

Wunderschön ist bereits seine Ankunft. Hunderte von Fans haben sich am Montag vor dem Hotel der Barça-Kickers in Neapel versammelt. Sie halten Argentinien-Flaggen in die Höhe und singen abwechselnd «Messi, Messi» und «Diego, Diego», berichtet die spanische Sportzeitung «As». Der Messi-Wahnsinn ist in Neapel ausgebrochen.