Switzerland

Wahl des Bundesanwalts: Jetzt kommt es zum Duell zwischen «Sheriff» und Aktenretter

Andreas Müller heisst der zweite Kandidat für die Nachfolge von Michael Lauber. Müller und Mitbewerber Olivier Jornot sind zwei völlig unterschiedliche Typen.

In der Atomschmuggel-Affäre Tinner wurde Strafverfolger Andreas Müller zu einem Gegenspieler von Justizminister Christoph Blocher. Jetzt kandidiert er für die Nachfolge von Bundesanwalt Michael Lauber.

In der Atomschmuggel-Affäre Tinner wurde Strafverfolger Andreas Müller zu einem Gegenspieler von Justizminister Christoph Blocher. Jetzt kandidiert er für die Nachfolge von Bundesanwalt Michael Lauber.

Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Wer wird neuer Bundesanwalt? Wer bekommt den exponiertesten Posten in der Schweizer Strafverfolgung? Die Vorentscheidung fällt am Mittwoch. Dann will sich die Gerichtskommission von National- und Ständerat auf einen Kandidaten einigen, den sie der Vereinigten Bundesversammlung zur Wahl empfiehlt.

Zwei Männer sind noch im Rennen um die Nachfolge des zurückgetretenen Michael Lauber: der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot und ein bislang Unbekannter. Nun zeigen Recherchen, wer der ominöse zweite Kandidat ist. Er heisst Andreas Müller, ist 57 Jahre alt und stammt aus dem deutschsprachigen Freiburg. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Müller seine Kandidatur, sagte aber sogleich: «Ich werde mich zu meiner Kandidatur gerne weiterhin vor der Gerichtskommission äussern.»

Hinter dem Juristen liegt eine lange Karriere als Ermittler beim Bund. 2006 wurde Müller Eidgenössischer Untersuchungsrichter, 2011, als die Strafverfolgung reformiert wurde, stiess er zur Bundesanwaltschaft (BA), wo er bis heute als Staatsanwalt arbeitet. Früher war er bei der Spielbankenkommission und als Jugendanwalt tätig gewesen. Eine parteipolitische Bindung hat er nicht.

Clash mit dem Blocher-Clan

Müllers mit Abstand prominentestes und brisantestes Dossier war die Atomschmuggel-Affäre um den Rheintaler Ingenieur Friedrich Tinner und dessen Söhne Urs und Marco. Müller brachte die Affäre nach jahrelanger Untersuchung in einem abgekürzten Verfahren vor Gericht. Dem Freiburger war von Anfang an klar, dass die Tinners auch für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet hatten. Doch der Bundesrat verbot ihm, den Details der CIA-Tätigkeit nachzugehen. Schlimmer noch: 2008 entschied die Landesregierung auf Antrag des damaligen Justizministers Christoph Blocher, das Beweismaterial aus dem Tinner-Verfahren schreddern zu lassen. Blocher war zuvor von Mitgliedern der US-Regierung unter Druck gesetzt worden.

Müller protestierte gegen die Schredderaktion und marschierte 2009 sogar mit einem bewaffneten Trupp Berner Kantonspolizisten bei den Kollegen von Fedpol ein, um erhalten gebliebene Akten sicherzustellen. Dort stellten sich ihm ebenfalls bewaffnete Bundeskriminalpolizisten entgegen. Den Konflikt um die Dokumente entschied Müller letztlich für sich. Er konnte die meisten Akten einsehen und Anklage erheben. 2012 wurden Vater und Söhne Tinner verurteilt.

Bei der Bundesanwaltschaft bekam Müller es erneut mit der Familie Blocher zu tun. Er erbte einen Fall von Industriespionage bei Ems-Chemie. In den mehrjährigen Ermittlungen war zuvor vieles schiefgelaufen. Die Sache endete 2013 in einem Debakel, weil viele Vorwürfe verjährt waren. Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, heute Nationalrätin, kritisierte die Anklagebehörde massiv.

Zurückhaltend, fast scheu

Um Müller wurde es danach, zumindest in der Öffentlichkeit, ruhiger. Einige Zeit lang war er in der BA-Abteilung für Kriegsverbrechen tätig, deren Arbeit unter einem schlechten Stern stand. Bundesanwalt Michael Lauber hatte zwar zunächst die Ermittlungen der Abteilung propagiert. Bald aber zog er Ressourcen ab. Auch Müller musste plötzlich Fälle von Jihadpropaganda erledigen. Die Kriegsverbrecher-Abteilung brachte jahrelang keine Anklagen zustande. An Müller persönlich wurde aber keine Kritik laut. Er hatte intern in die Rechtshilfe gewechselt, wo er heute noch tätig ist.

Seine breite BA-Erfahrung hat der Kandidat nun im Hearing der Gerichtskommission herausgestrichen. Seine Botschaft: Er kenne den Betrieb. Er habe beobachtet, wie die einzelnen Abteilungen auseinanderfielen, und er habe darum das Wissen, sie wieder zusammenzufügen.

Müller sieht die BA nicht als Konkurrenz der kantonalen Staatsanwaltschaften, sondern als Ergänzung. Es sei die 27. Staatsanwaltschaft im Land. Diese Haltung passt zur Person Müller. Er wird als zurückhaltend, diskret, ja sogar als scheu beschrieben. Sein vielleicht grösstes Manko ist die fehlende Führungserfahrung.

Das pure Gegenteil von Jornot

Das alles unterscheidet ihn von Olivier Jornot. Der Mitbewerber um das Amt als Bundesanwalt scheint das pure Gegenteil Müllers. Als Generalstaatsanwalt ist es der Genfer gewohnt, an vorderster Front zu agieren und im medialen Fokus zu stehen. Der 51-Jährige ist impulsiv, eloquent und machtbewusst und ist Mitglied der FDP. Innerhalb seiner Staatsanwaltschaft gilt der Armeeoberst als hervorragender Organisator und unermüdlicher Arbeiter. Wegen seines unerbittlichen Kampfes gegen Kriminelle wurde ihm in seiner Heimat der Übername «Sheriff von Genf» verpasst. Die Genfer Staatsanwälte schätzen es, dass Jornot ihnen viele Freiheiten lässt und Vertrauen entgegenbringt, bei Widerständen in Strafverfahren nicht einknickt und bei Misserfolgen seinen Mitarbeitern gegenüber loyal bleibt. Olivier Jornot bringt also Charaktereigenschaften mit, die der geschwächten und destabilisierten Bundesanwaltschaft durchaus guttun könnten.

Er ist machtbewusst und steht gerne im Rampenlicht: Nun möchte der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot Bundesanwalt werden.

Er ist machtbewusst und steht gerne im Rampenlicht: Nun möchte der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot Bundesanwalt werden.

Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Für den 51-jährigen Genfer wäre das Mandat in Bern eine Art Déja-vu. 2012 übernahm er die Genfer Strafverfolgungsbehörde in grössten Turbulenzen, weil der damalige Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli mit der Amtsführung überfordert schien und vorzeitig zurücktrat. Jornot stellte die Behörde neu auf und fühlt sich nun bereit für die nicht minder schwierige Aufgabe beim Bund.

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