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Switzerland

Vulkanologe zum Vulkanausbruch auf Neuseeland: «Mit den bestehenden Daten hätte man keine bessere Warnung herausgeben können.»

Der Vulkanausbruch auf Neuseeland stellt die Sicherheit von touristischen Aktivitäten auf aktiven Vulkanen infrage. Doch solche Ausbrüche sind nur schwer vorhersehbar, sagen Experten.

Bilder aus einem Helikopter zeigen den Ausbruch des Vulkans auf White Island am Montag.

Bilder aus einem Helikopter zeigen den Ausbruch des Vulkans auf White Island am Montag.

Auckland Rescue Helicopter Trust / EPA

Brodelnde Lava und einzigartige Kraterlandschaften: Für viele Menschen sind Vulkane faszinierende Reiseziele. Doch sie sind auch lebensgefährliche Orte. Das zeigt einmal mehr der Ausbruch des Vulkans auf der neuseeländischen Insel White Island vom Montag mit vermutlich 14 Toten.

Der Vorfall stellt generell die Sicherheit von Wandertouren und touristischen Aktivitäten auf aktiven Vulkanen infrage. Denn nicht nur White Island, die pro Jahr durchschnittlich von rund 10 000 Ausflüglern besucht wird, ist bei Touristen beliebt. Weltweit gibt es etwa 1500 aktive Vulkane. Mit der globalen Expansion des Tourismus ist auch das Risiko, dass Reisende von Ausbrüchen betroffen sind, sehr viel grösser geworden. Das sogenannte Vulkan-Trekking ist vor allem in Nord- und Südamerika beliebt. Aber auch in anderen Regionen wie etwa auf Island, Hawaii oder Indonesien besuchen jährlich zahlreiche Touristen aktive Vulkane.

«Vulkanausbrüche sind nicht vorhersagbar»

Das Unglück in Neuseeland wirft vor allem deshalb Fragen nach der Sicherheit solcher Erkundungen auf, weil noch im November das neuseeländische Monitoring-Netz GeoNet die Warnstufe auf White Island von 1 auf 2 hochgestuft  hatte. Dies wegen vermehrter Hinweise auf gestiegene vulkanische Aktivitäten. Vor einer Woche warnte GeoNet zudem, dass die Gefahr einer Eruption gestiegen sei.

Laut den Vulkanologen Peter Ulmer und Olivier Bachmann von der ETH Zürich liess sich im Fall des Vulkans auf White Island trotz erhöhter Warnstufe nur schwer vorhersagen, ob ein Ausbruch tatsächlich bevorstand. Zwar seien ein vermehrter Gasaustritt und kleinere Erdstösse registriert worden. Doch auch wenn seismische Aufzeichnungen Hinweise darauf liefern würden, wie aktiv ein Vulkan sei, seien Ausbrüche kaum vorhersagbar. «Beim jüngsten Vorfall auf White Island handelte es sich um eine Wasserdampf-Explosion, eine sogenannte phreatische Eruption», erklärt Ulmer. Diese seien im Gegensatz zu einem Magmaausbruch sehr schwer zu prognostizieren, da sie sehr plötzlich und ohne signifikante Vorzeichen auftreten würden.

Bei einem phreatischen Ausbruch wird überhitztes, externes Wasser – das vorher in die Nähe des Magmas sickerte oder floss – infolge einer plötzlichen Druckentlastung durch rissiges Gestein in Dampf verwandelt. Dieser hat ungefähr das tausendfache des Wasservolumens und sprengt einen Krater in den Untergrund, wobei Gestein zertrümmert und ausgeworfen wird.

Kein seltenes Phänomen

Laut Bachmann ist dieses Phänomen im Leben von Vulkanen wie jenem auf White Island, die zu mehr als 90 Prozent unterhalb des Meeresspiegels liegen, keine Seltenheit. «Auf White Island gibt es überall viel Wasser», so Bachmann. Unter diesen Umständen kann es immer wieder zu phreatischen Eruptionen kommen, entweder durch das Aufsteigen von Magma in die Nähe einer unterirdischen Wassertasche oder durch die Explosion einer unter Druck stehenden Wassertasche.

Bereits im April 2016 habe es auf der Insel einen ähnlichen Ausbruch gegeben, bei der aber glücklicherweise niemand zu Schaden kam. Ähnliche Vorkommnisse ereigneten sich 2014 auch auf dem Mount Ontake in Japan. Damals kamen 63 Wanderer bei einer unerwarteten Explosion ums Leben.

Für Ulmer ist deshalb klar: «Mit den bestehenden Daten hätte man nicht eine bessere Warnung herausgeben können.» Den Vorwurf, dass die wenigen Indizien auf einen Ausbruch unterschätzt worden seien, könne er deshalb nicht bestätigen. Zwar könne man die Frage stellen, inwieweit der Zugang zur Insel generell hätte gesperrt werden sollen. Letztlich bestehe bei Trekking-Touren auf aktive Vulkane aber immer ein gewisses Risiko.

Ein Rettungsboot mit Überlebenden verlässt am Montag die Insel White Island.

Ein Rettungsboot mit Überlebenden verlässt am Montag die Insel White Island.

Michael Schade,/ AP

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